Fleischhut, Gerhard

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Gerhard Fleischhut


Fleischhut, Gerhard (* 28. April 1923 in Wilhelmshaven; † 4. Juli 1978 in Koblenz ) war ein Maler und Graphiker, der ab 1947 als freischaffender Künstler in Gudendorf/Cuxhaven lebte.

Seine Kindheit und Jugend verbrachte er in Wilhelmshaven, wo er 1938 zunächst eine Lehre in einem Radiogeschäft begann. 1941 wurde er zum Kriegsdienst eingezogen und war ab 1942 in Nordfrankreich stationiert. In dieser Zeit entstanden erste Aquarelle; Fleischhut malte seine Kameraden und die Pferde bei der Wehrmacht. Auf Grund einer schweren Kriegsverletzung kam er 1943 ins Lazarett in Bad Wildeshausen. Von 1944 bis 1945 studierte er bei Prof. Rudolf Hengstenberg (*1894 - † 1974) an der Kunsthochschule Bremen. Nach nochmaligem Kriegsdienst geriet er in Gefangenschaft, aus der er 1946 entlassen wurde.

Bereits zu Beginn der 1940er Jahre kam Fleischhut häufiger zu Besuch nach Cuxhaven. 1947 ließ er sich, gemeinsam mit seiner aus Cuxhaven gebürtigen Frau Ilse, geb. Peters, am Waldrand in Gudendorf in einem selbstgebauten Holzhaus in der Nähe der ehemaligen Kiesgrube von „Fliege und Peters“ nieder. Fleischhut war freischaffender Künstler, übte aber verschiedene Nebenbeschäftigungen aus, u.a. betätigte er sich als Bühnenbildner beim Schauspiel Cuxhaven.

Er war Mitglied der 1946 von dem Fotografen Hans Gerhard Westphal initiierten Künstlervereinigung Bakegilde. Westphal stammte aus Berlin, war aber seit 1945 in Cuxhaven ansässig. Die Bakegilde, deren Mitglieder u. a. das Ziel verfolgten, eine Künstlerkolonie in Altenwalde zu gründen, existierte nur kurze Zeit, mit Hans Gerhard Westphal blieb Fleischhut jedoch zeitlebens befreundet. Weitere Künstlerfreunde waren u.a. die Maler Oskar Gawell und Alex Kirchhof, mit dem Fleischhut gemeinsam malte und den er auch porträtierte, Otto Rahm und die Gobelinweberin Liselotte Beyer.

Ab 1952 bis 1963 war Fleischhut Mitglied des BBK (Bund Bildender Künstler) Cuxhaven-Stade und bei vielen Ausstellungen dieser Bezirksgruppe mit Werken vertreten. Er nahm an zahlreichen Reisen des BBK teil, u.a. nach Holland, Paris und Südfrankreich, wobei besonders die Frankreich-Reisen prägend für sein Werk waren. Einige seiner schönsten, farbintensivsten Aquarelle sind auf Grund der auf diesen Reisen gesammelten Eindrücke entstanden. Neben farbenprächtigen, dem Spätexpressionismus zuzuordnenden Aquarellen entstanden von Mitte der 1950er Jahre bis 1963 einige Ölgemälde, viele Druckgraphiken und Zeichnungen, darunter auch einige „Auftragsarbeiten“. 1956 schuf Fleischhut die Glasfenster für das Schwesternheim der Städtischen Krankenanstalten in Cuxhaven, die sich nach Abriss des Schwesternwohnheims seit 2013 im sogenannten „Raum der Stille“, einem für die Öffentlichkeit zugänglichen Meditationsraum des Krankenhauses befinden.

Im April 1963 zog Gerhard Fleischhut nach Koblenz um. Dort war er zunächst als Graphiker an der Schule für Innere Führung in Koblenz-Pfaffendorfer Höhe tätig. Ab 1969 nahm er eine Tätigkeit am Mittelrhein-Museum, Koblenz in den Abteilungen für Stadtgeschichte und Graphik an. Neben seinen hauptberuflichen Beschäftigungen war er zehn Jahre Dozent für Graphik an der VHS in Koblenz.

Holzmosaik

Die künstlerische Entwicklung von Gerhard Fleischhut erfuhr in den Koblenzer Jahren einen heftigen Bruch. Der Künstler, der sich nur noch in seiner Freizeit seinem künstlerischen Schaffen widmen konnte, war auf der Suche nach neuen Ausdrucksformen. Ab 1963 entstanden immer weniger Aquarelle, Gerhard Fleischhut wandte sich verstärkt Collagen und Materialbildern zu.

Zeitlebens blieb Fleischhut dem Norden Deutschlands und ganz besonders der Stadt Cuxhaven verbunden; sein bevorzugter sommerlicher Aufenthaltsort war Cuxhaven.
Wattwagen, Aquarell

Mit Vorliebe experimentierte er mit am Strand gesammeltem Holz und Kork und mit vom Meer abgeschuppertem Glas, mit Steinen, Eisenspänen, Maschinenabfall und Vogelsand, Materialien, die er zu Mosaiken arrangierte.

In den 1970er Jahren unternahm Fleischhut Reisen nach Korsika und Österreich, auf denen vornehmlich Zeichnungen entstanden. 1976 hatte er seine erste Einzelausstellung: Beim Deutschen Bücherbund in Koblenz zeigte er Skizzen, die auf einer Reise nach Korsika entstanden waren. Vom 10.12.1976 bis zum 9.1.1977 folgte die zweite, sehr umfangreiche Einzelausstellung in der Galerie Rost, Koblenz. Im Rahmen dieser Ausstellung wurden Werke in unterschiedlichster Technik aus den wichtigsten Schaffenszeiten des Künstlers präsentiert.

Alter Hafen, Aquarell

Am 4. Juli 1978 starb Gerhard Fleischhut in Koblenz an einem zweiten Herzinfarkt.

Posthum wurden zwei retrospektive Ausstellungen seiner Werke in Cuxhaven gezeigt: 1980 Einzelausstellung in der Buchhandlung Patow, Cuxhaven; 2001 Einzelausstellung in der Stadtbibliothek Cuxhaven.

Ein Werkverzeichnis des künstlerischen Gesamtwerks von Gerhard Fleischhut ist in Vorbereitung. Haben Sie Hinweise über den Verbleib von Werken des Künstlers oder zu seinem künstlerischen Schaffen? Dann setzen Sie sich bitte in Verbindung mit Susanne Trierenberg (geb. Fleischhut)

E-mail: susanne@nierendorf.com


Weblink

http://www.gerhard-fleischhut.de/