Flughafen Cuxhaven

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Heft von 1933
Lageskizze

Der Flughafen von Cuxhaven befand sich auf dem Grodener Neuen Feld südöstlich des Amerikahafens.

Entwicklung

  • Nachdem der Flughafen im Mai 1931 als Notlandeplatz eröffnet wurde, fand am 28. Mai ein Flugtag mit Rundflügen über Cuxhaven statt.
  • Die offizielle Inbetriebnahme des Flughafens erfolgte am 3. Juni 1933, die Einweihung war am 5. Juni.
  • Am 18. November 1933 gründete sich die Flieger-Ortsgruppe Cuxhaven e.V. der Flieger-Landesgruppe IX Hannover des Deutschen Luftsportverbandes, in der Hauptsache bestehend aus Segelfliegern. Ihre Geschäftsstelle war in der Nordersteinstraße 18 ansässig.
  • 1934 fand hier reger Flugverkehr statt (193 Starts und Landungen).
  • Am 4. August 1935 fand ein großer Flugtag statt.
  • Vom 20. - 27. Juni fand u.a. ein Küstenflugtag statt mit 80 Flugzeugen. Am 11. Juli präsentierten sich nochmals 74 Maschinen.
  • 1938 wurde der Flughafen gemeinsam mit dem benachbarten Amerikahafen der Marine unterstellt. Die Luftsportler weichen zunächst nach Nordholz aus bis auch hier das Millitär einzieht. Nach den Krieg weichen sie dann auf das Gelände des späteren Altenwalder Truppenübungsplatzes aus.
Minenjäger JU 52-Mausi

Die Nutzung des Flughafens während des Krieges ist nicht recht klar, da er der Marine unterstand. Es gibt Aussagen, wonach hier Junkers 52-Mausi-Flugzeuge operiert haben sollen. Jedoch lässt sich dieses nicht nachweisen, da für Cuxhaven kein derartiger Verband verzeichnet ist.
Ende 1941 wurde das Sonderkommando Mausi zur Minensuchgruppe 1 umbenannt.

JU 52-Mausi war ein speziell zur Vernichtung von Magnetminen aufgerüstetes Fluggerät. Unterhalb der Kabine war eine große elektische Magnetspule angebracht, die ein elektro-magnetisches Feld entwickelte, welches die Minen zur Explosion brachte. Mit einer Reichweite des Magnetfeldes bis 100 m konnten sie bei einer Flughöhe von 15 - 20 m über dem Wasser noch Minen bis 80 m Wassertiefe erreichen. Die Flugzeuge waren notwendig geworden, da die wassergebundenen Minenjäger die Aufgabe allein nicht mehr bewältigten.

Lage

Der Flughafen befand sich südöstlich des Amerikahafens parallel zur Elbe auf folgender Position: 8° 43´30" Ost / 53° 51´30" Nord. (siehe Skizze)


Flugplatz Neufeld

Rollbahnen

Die Roll-Längen betrugen

in Nord-Süd-Richtung 750 m
in Ost-West-Richtung 680 m
von SO zu NW 690 m
von SW zu NO 615 m

Insgesamt umfasste das Rollfeld 325.000 m² und bestand aus verfestigtem Boden und Sand. Im Dezember 1933 wurden zwei Gebäude der ehemaligen Unionswerft in den Bereich des Flughafens eingegliedert, so dass sich die Gesamtfläche des Flughafens auf 1 km² erhöhte.

Ausstattung

Die Flughalle bot Platz für fünf Luftfahrzeuge, Werkstatt und Aufenthaltsräume. Der Flughafen verfügte über alle Anlagen und Einrichtungen, die damals zum Standard eines Flughafen zweiter Ordnung gehörten. Nachtflug war nur eingeschränkt möglich.

Cuxhavener Zeitung vom 10. November 1928

Anschluß Cuxhavens an den Flugverkehr?

Seit langem waren die Bemühungen städtischer Stellen darauf gerichtet, den Anschluß Cuxhavens an das Flugverkehrsnetz zu erreichen. Leider hatten die Anstrengungen bislang keinen Erfolg. Nun scheint es, als ob man auch in Hamburg die Notwendigkeit eines Flugplatzes in Cuxhaven anzuerkennen bereit ist. Die Besichtigungsreise des Flugverkehrsausschusses der Hamburger Bürgerschaft, die bereits verschiedentlich in Aussicht genommen war, ist nunmehr zur Tatsache geworden. Heute Vormittag um 11.10 Uhr ist der Ausschuß, der aus zwölf Mitgliedern besteht, in Cuxhaven eingetroffen, um an Ort und Stelle über die Cuxhavener Flugpläne zu beraten. Die Herren wurden am Bahnhof vom Rat der Stadt empfangen. Es finden zunächst einige Vorbesprechungen und anschließend daran Besichtigungen statt. In der Hauptsache handelt es sich um zwei Vorschläge, die vom Ausschuß geprüft werden sollen. Für welches der in Frage stehenden Gelände man sich entscheiden wird, kann naturgemäß noch nicht mitgeteilt werden. An den Besichtigungen werden auch die Bürgerschaftsabgeordneten des Amtes Ritzebüttel teilnehmen. Nach einem Essen im Stadt-Cafee wird sich der größte Teil der Ausschußmitglieder noch im Laufe des heutigen Tages nach Hamburg zurückbegeben. In weiten Kreisen wünscht man, daß nach dem Fehlschlag, den Cuxhaven mit seinen Plänen auf Errichtung eines großen Seeflughafens erlitten hat, und der dann bekanntlich in Travemünde entstanden ist, nun wenigstens einen ausreichenden Start- und Landeplatz für Flugzeuge erhält. Die HAPAG und die Deutsche Lufthansa verfolgen die Bestrebungen mit großem Interesse. Es handelt sich vor allen Dingen darum, den aus Übersee in Cuxhaven eintreffenden Passagieren eine Möglichkeit für schnellste Beförderung mittels Flugzeug nach dem Binnenland zu bieten. In Bremerhaven hat man den besten Beweis für die Richtigkeit dieser Anschauung und wie es heißt, soll sich der einfache Platz auch gut bewährt haben. Da umfangreiche Bauten für den Anfang kaum erforderlich sein werden, würden die Kosten keineswegs bedeutend und durchaus erschwinglich sein. Ein schlichter Platz mit einer geräumigen Abfertigungshalle, ähnlich der in Bremerhaven, würde für die erste Zeit wohl ausreichende Dienste tun. Die Flugzeuge für den Zubringe- und Abholedienst könnten vom Hamburger Flughafen Fuhlsbüttel gestellt werden. Es bleibt zu wünschen, daß diese Angelegenheit, die für Cuxhaven von außerordentlicher Bedeutung ist, durch die Besichtigungsreise des Flugverkehrsausschusses einen neuerlichen Antrieb erhält. Vielleicht könnte bei weiterer schneller Förderung durch die in Frage kommenden Stellen ein Betrieb in geringem Umfang schon gegen Mitte des nächsten Jahres aufgenommen werden.

Die wirtschaftliche Bedeutung des Luftverkehrs für Cuxhaven

In dem Heft "DEUTSCHE LUFTFAHRT", Ausgabe 1/1933 erschien unter der Überschrift
Die wirtschaftliche Bedeutung des Luftverkehrs für Cuxhaven[1]
folgender Aufsatz von Regierungsrat Danckwerts, ehrenamtl. Ratmann:

Nicht immer hängt die wirtschaftliche Bedeutung einer Stadt von ihrer räumlichen Größe oder der Zahl ihrer Einwohner ab. Manche kleinen oder mittleren Städte haben durch die Eigenart ihrer Lage oder auch durch die Besonderheit ihrer Industrie die Aufmerksamkeit auf sich gelenkt und oft eine Geltung errungen, deren sich selbst größere Städte nicht erfreuen. Diese Tatsache tritt dann noch verstärkt in die Erscheinung, wenn die dazu berufenen Stellen es verstehen, mit Umsicht und Tatkraft die durch die natürliche Lage gegebenen Vorteile auszunutzen.

Zu den bezeichneten, bevorzugten Plätzen gehört auch die Stadt Cuxhaven. Als Vorhafen Hamburgs an der Elbmündung gelegen, ist sie in doppelter Beziehung als Nordseebad und Fischereihafen bzw. Fischindustrieort nicht nur im Binnenlande, sondern auch über Deutschlands Grenzen hinaus bekannt geworden. Sie hat besonders in den letzten Jahren durch die umsichtige Ausnutzung aller gegebenen Möglichkeiten einen Aufschwung genommen, der zu den größten Hoffnungen berechtigt, wenn einmal die allgemeine wirtschaftliche Lage in unserem deutschen Vaterlande eine Besserung erfahren wird.

Es ist selbstverständlich, daß man in Cuxhaven neben dem Ausbau der Fischereianlagen und der Badeeinrichtungen von jeher das Augenmerk auf die Schaffung guter Verkehrsverbindungen zu Wasser und zu Lande gerichtet hat. Manches ist in dieser Beziehung bereits erreicht; aber unermüdlich und mit zäher Ausdauer werden noch als notwendig erkannte Ziele weiter verfolgt. An der wachsenden Bedeutung des Luftverkehrs ist man nicht achtlos vorübergegangen. Schon vor Jahren hat man erkannt, daß eine gute Luftverbindung gerade für Cuxhaven von wesentlicher Bedeutung ist. Die fortgesetzten Bemühungen haben nun dank dem verständnisvollen Entgegenkommen aller beteiligten Kreise dazu geführt, daß in Cuxhaven zunächst ein Flughafen 2. Ordnung ins Leben gerufen werden konnte.

Diese Tatsache bedeutet einen wesentlichen Fortschritt in der Entwicklung der Stadt und zwar in mehrfacher Beziehung:

1.Faßt man zunächst den Übersee-Verkehr der Hamburg-Amerika-Linie und anderer Reedereien ins Auge, so ist es von außerordentlicher Wichtigkeit, wenn die Passagiere bei der Ausreise mit dem Flugzeug nach Cuxhaven gebracht werden können und bei der Heimreise schon von hier aus den Anschluß an die verschiedenen Hauptflughäfen finden. Welchen Zeitgewinn bedeutet eine solche Beförderung gegenüber der Beförderung mit anderen Verkehrsmitteln !

2.Die Verbindung mit den nordfriesischen Inseln wird voraussichtlich mit Erfolg aufgenommen werden können und sicher dazu beitragen, die wirtschaftliche Bedeutung Cuxhavens als Flughafen zu heben.

3.Die Zukunft wird dem Flugverkehr sicher in absehbarer Zeit immer neue Aufgaben zuweisen. Denkt man dabei an den Transport der Fischereierzeugnisse, bei dem gerade größtmöglichste Schnelligkeit von Bedeutung ist, so werden sich auf diesem Gebiet noch Einrichtungen treffen lassen, die einen wesentlichen Einfluß auf die wirtschaftliche Entwicklung der Fischindustrie haben können.

Es sind hier nur einige Punkte aufgeführt worden. Diese lassen aber schon zur Genüge erkennen, wie dringend notwendig die Schaffung eines Flughafens am hiesigen Platze war. Möge seine Einrichtung dazu beitragen, die wirtschaftliche Entwicklung der Stadt Cuxhaven einem weiteren Aufstieg entgegenzuführen.

Quellen

  • Hermann Borrmann: Daten zur Geschichte des Amtes Ritzebüttel und der Stadt Cuxhaven

Fußnoten

  1. Quelle: Deutsche Luftfahrt, Heft 1/1933