Lotswesen auf der Elbe

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Lotsentender beim ansteuern eines Containerschiffes

Aufgabe des Lotsen ist die Unterstützung von revier-unkundigen Kapitänen bei der sicheren Führung von Seeschiffen auf den engen Seewegen der Flüsse und Häfen.

Geschichte

Das Lotswesen auf der Elbe kann bis in das 13. Jahrhundert zurückverfolgt werden. Bevorzugtes Ziel der die Elbe anlaufenden Handelsschiffe, während der Zeit der rasant wachsenden Kauffahrteischifffahrt der Hanse, war der Hamburger Hafen. Aber auch Häfen wie Harburg, Stade, Glücksburg oder andere, die heute eher als historisch zu betrachten, ja teilweise nicht mehr existend sind, nutzten die angebotenen Lotsendienste für die gefährlichen Bereiche der Flussmündungen und Flüsse. Aus dieser historisch gewachsenen Hamburgischen Vorherrschaft und den damit begründeten Interessen im Elberevier ergab sich auch die bis heute bestehende Hamburgische Verantwortlichkeit für die Sicherheit der Flusschifffahrt.

Die mit den Strömungsverhältnissen und Untiefen im Mündungsgebiet vertrauten Fischer der Inseln Helgoland und Neuwerk waren die ersten Lotsen auf der Elbe. Aktenkundig wurde das Vorhandensein von Lotsen auf der Elbe im Jahre 1575. Bei der Vermessung der Insel Neuwerk wurden 5 1/2 Morgen Land "...for 2 piloten ab den elvstrom" vorgesehen, Focko Moensen und Harm Meyer, die hier die bis in die Neuzeit als Fischerhäuser bezeichneten Anwesen errichteten. In dem gegen 1600 in der Mündung des Ritzebüttler Schleusenpriels durch Hamburg angelegten Koogshaven, dem späteren Cuxhaven, etablierte sich allmählich das Seelotswesen der Elbe.

Im Jahre 1610 verpflichtete Hamburg ihren ersten Piloten "bey der Stadt", den aus Neuwerk nach Cuxhaven verzogenen Carsten Honighold, der dem Rate der Stadt einen Lotseneid schwören mußte.

1623 wurde mit Gründung des Kollegiums der Admiralität diese zuständig für das Lotswesen und die Seezeichen.

Am 26. Oktober 1639 wurde vom Rat der Stadt Hamburg eine Pilotage- und Schragenordnung (Gebührenordnung) für den Hamburger Hafen erlassen.
Nach einer Reihe von Schiffsuntergängen auf der Elbe wurde am 10. Juni 1656 die erste Pilotageordnung für diesen Flussbereich erlassen. Dieses Datum kann als Beginn des geregelten Lotswesen auf der Elbe angesehen werden. Wer das Lotsgewerbe ausüben wollte, mußte ein Examen ablegen und wurde von der Admiralität vereidigt (Admiralitätslotsen). Die Lotsordnung blieb im Wesentlichen bis zur Auflösung der Admiralität 1810 bestehen und hat in der Fassung von 1750 Auswirkung bis heute. Sie regelte den Lotsbetrieb von Hamburg bis zur Seestation bei der Roten Tonne inder Außenelbe.

Führten die Cuxhavener Admiralitätslotsen anfangs die einkommenden Schiffe bis Hamburg, so setzte sich ab 1674 eine gewisse Revierfolge der Lotsen (Bört) durch. Noch heute regelt die Börtordnung - zusammen mit anderen Vorschriften - den Einsatz der Lotsen über die Flusswegstrecke. Die unterelbischen Admiralitätslotsen lotsten nun die Schiffe in der Regel bis Scheelenkuhlen oder bis Glückstadt. Nur in Ausnahmefällen wurden die Schiffe bis Hamburg durchgelotst. Die neugegründete Bruderschaften der Overlotsen (Obenlotsen) lösten die Admiralitätslotsen ab und fuhren die Schiffe bis Hamburg. Sie hatten sich in Glückstadt, Blankenese, Oevelgönne und dem Stadter Raum gegründet.

Am 13. Januar 1745 vereinigten sich die in Oevelgönne und Neumühlen ansässigen Lotsen zu einer Elbelotsenbrüderschaft. Die Brüderschaft führte eine regelmäßige Börtfahrt ein. Die Schiffe wurden von einer bei St. Margarethen gelegenen Station aus besetzt. Diese Böschstation wurde nach einer gegenüberliegenden Sandbank - der Bösch - benannt. Die Lotsen nannten sich entsprechend `Bösch-Lotsen´. [1]

Mit dem Abschluß eines Vertrages im Jahre 1865, des `Böschregulativs´, wurde der Ablauf des Versetzdienstes zwischen den Cuxhavener Seelotsen und den fünf Brüderschaften der Oberlotsen geregelt. Abgelöste Cuxhavener Lotsen wurden mit der `Böschjolle´ nach Cuxhaven zurück befördert. Aus der teilweisen Unzulänglichkeit dieses Lotsentransportes entwickelte sich der zunächst durch die Cuxhavener Lotsen betriebene Fährverkehr zwischen Brunsbüttel und Cuxhaven.

Ab 1882 setzte die Böschstation das erste Dampfschiff gleichen Namens im Versetzdienst ein.

1900 schlossen sich die Cuxhavener Lotsen zum `Verein der Cuxhavener Lotsenschaft´ zusammen.

Die ständige Vergrößerung der Segelschiffe machte es notwendig, den Versetzdienst in sicherer Entfernung von den Sänden bereits in der Nordsee durchzuführen. Dazu wurde 1855 der erste Lotsenschoner `Cuxhaven´ in Dienst gestellt. Bis 1893 folgten 6 weitere Schoner, wobei ständig 6 auf See waren. Die Schoner waren in Cuxhaven stationiert und mit je 10 Cuxhavener `Kreuzerlotsen´, einer extra hierfür etablierten Gruppierung, besetzt. Sie kreuzten vor Borkum, Norderney, Helgoland, der Wesermündung und zeitweise im Englischen Kanal vor Dungeness. Ihrer Farbe wegen wurden sie als `die weißen Schwäne der Nordsee´ bezeichnet und waren für ihre Seetüchtigkeit bekannt. Die Kreuzerlotsen führten die Schiffe bis zur Elbmündung (später bis Cuxhaven) und wurden von den Patentlotsen (früher Hauer-oder Admiralitätslotsen) abgelöst. Auch wenn die Kreuzerlotsen nach kurzer Zeit in die Revierlotsen eingegliedert wurden, so wurde das System bis zur zunehmenden Umstellung der Seefahrt auf Motorschiffe um 1930 erfolgreich beibehalten.

1895 brachte die Eröffnung des Kaiser-Wilhelm-Kanals (Nord-Ostsee-Kanal) einige Veränderungen für die Elbe. An den Schleuseneinfahrten wurden zwei Lotsenstationen eingerichtet, eine für die Kaiserlichen Kanallotsen und eine für die Elbelotsen. Seitdem wird der Lotsenwechsel auf der Elbe vor Brunsbüttel statt St. Margarethen durchgeführt. Das 1905 fertiggestellte Lotsenhaus dient heute noch den Elbe - und den Kanallotsen als Einsatzstation.

Lotsendienst von Elbe 2

Mit dem Ende des 19. Jahrhunderts war die Schiffsfrequenz auf der Elbe so angestiegen, dass seeseitig neben den Lotsenschonern und dem Lotsen-Stationsschiff bei der Roten Tonne auch die Feuerschiffe Elbe 2 und Elbe 3, bzw. Elbe 4 mit Lotsen besetzt wurden und als Versetzstation dienten. Alle diese Seestation wurden von Cuxhaven aus mit dem Lotsentender personel versorgt.

Der Lotsdienst auf der Elbe sah mithin folgendermaßen aus: Die Cuxhavener Seelotsen lotsten die Schiffe von See bis Brunsbüttel und wurden dort von den Kanal bzw. den Böschlotsen abgelöst. Schiffe aus dem Kanal nach See wurden ebenfalls von Cuxhavener Seelotsen bedient. Von Hamburg nach See gehende Schiffe unterlagen zunächst keinerlei Regularien und wurden direkt und ohne Lotsenwechsel nach See gebracht. Erst mit Beginn des 18. Jahrhunderts gründeten sich die Bruderschaften der Neben- oder Patentlotsen der fünf Brüderschaften Hamburg, Oevelgönne-Neumühlen, Blankenese, Glückstadt und der Hannoverschen. 1871 schließen sie sich zusammen zur Gruppe der `Vereinigten Elb-Paten-Lotsen´. Nach Bedarf wurden einzelne Lotsen zu den Haupt- oder Böschlotsen übernommen.

Am 21. Oktober 1942 erfolgte die Gründung der`Lotsenbrüderschaft Hamburg´. Im gleichen Jahr folgte die Gründung der `Lotsenbrüderschaft Cuxhaven´.
Am 15. November 1957 vereinigten sich die Lotsenbrüderschaften Hamburg und Cuxhaven zur `Lotsenbrüderschaft Elbe´.
Verbunden damit ist eine entgültige Reviertrennung bei Brunsbüttel auch für die Abwärtslotsung. Dieses hat zur Folge, dass etwa 2/3 der Cuxhavener Lotsen nach Brunsbüttel versetzt werden.

1967 wird auf der Elbe die Radarkette zwischen der Außenelbe und Hamburg in Betrieb genommen, besetzt von den `Elb-See-Lotsen´. Erstmalig mussten durch die nun mögliche Funklenkung Schiffe ohne eigene Radarmöglichkeit keine nebelbedingten Liegezeiten mehr einlegen. Überdies ergab diese Sicherheit eine erheblich Senkung der Unglücksrate.

Ab 1. April 1999 vereinigte sich die Lotsenbrüderschaft Elbe mit den Cuxhavener Hafenlotsen. Cuxhaven wird seitdem vollkommen von den Elbelotsen mit bedient.

Ebenfalls ab 1. April 1999 wurde der erste neue Lotsen-Tender in Dienst gestellt. Im Spätsommer folgte der zweite Tender.
Das neue Stationsschiff "ELBE" nahm im August / September 2000 seinen Dienst auf.

In Cuxhaven waren die Lotsen zunächst im Lotsenhaus am Ewerhafen stationiert, später im Lotsenhaus am Leuchtturmweg. Der Bootsdienst zwischen der Alten Liebe und den Schiffen wurde zunächst von den Bootsleuten des Bootsmannshauses durchgeführt. Am 1. Januar 1962 wurde der Dienst privatisiert und der Firma Taucher O. Wulf übergeben.

Allgemeines

Die Mitglieder der Lotsenbrüderschaft Elbe lotsen die Schiffe auf der Elbe von der Leuchttonne `E 3´ in der Deutschen Bucht bis zur Hamburger Hafengrenze. Dabei werden alle Häfen und Pieranlagen an der Elbe bedient.

Der einkommenden Schifffahrt werden spezielle Dienste angeboten, die es ermöglichen, dass die Schiffe zu jeder Zeit, auch unter schwierigsten Wetterbedingungen, ihren Liegeplatz erreichen. Die ausgehende Schifffahrt wird auf Wunsch bis zu den Lotsenstationen aller deutschen Reviere beraten . Hierfür stehen der Schifffahrt 250 Seelotsen kontinuierlich zur Verfügung.

Die Verkehrszentralen Brunsbüttel und Cuxhaven können ebenfalls jederzeit auf Anforderung mit Seelotsen besetzt werden. Die Seelotsen beraten vom Landradarbildschirm die Kapitäne und Bordlotsen z.B. bei Nebel, Sturm und Eiswetterlagen.

Die Lotsenbrüderschaft Elbe unterhält auf der Elbe derzeit 4 Lotsenstationen. Hamburg - Brunsbüttel - Cuxhaven - sowie die Seestation bei der Leuchttonne `Elbe´ .

Die Station Hamburg ist die Hauptstation für alle aus Hamburg auslaufenden Schiffe. Die Seestation in der Aussenelbe, in der Nähe des Leuchttonne "Elbe" ist die Hauptstation für alle in die Elbe einlaufenden Schiffe.
Die Station Brunsbüttel ist die zentrale Wechselstation für alle nach Hamburg und See bestimmten Schiffe sowie für alle Schiffe von und zum Nordostseekanal. Sie koordiniert auch alle Sonderdienste der Brüderschaft. Von hier wird auch der Einsatz der Seelotsen in der Verkehrszentrale Brunsbüttel koordiniert.
Von der Station Cuxhaven aus werden auch Seelotsen im Hafen von Cuxhaven sowie in der Verkehrszentrale Cuxhaven eingesetzt.

Die Seelotsen kommen aus allen Bereichen der Schifffahrt, alle Seelotsen sind im Besitz des höchsten nautischen Patents, der überwiegende Teile ist als Kapitän in der weltweiten Fahrt tätig gewesen. Hierdurch fließen alle fachlichen Richtungen der Seefahrt ein, so dass eine größtmögliche Fächerung aller seemännischen Erfahrung vorhanden ist. Die Mitglieder der Lotsenbrüderschaft Elbe unterliegen einer ständigen Schulung in Theorie und Praxis. Die Schulung wurde durch Training an Simulatoren und anderen modernen Systemen erfolgreich erweitert.
Die Lotsenbrüderschaft Elbe ist in allen einschlägigen beratenden Fachgremien vertreten.

Wie bereits seit 1855 mit den Weißen Schwänen wird noch heute allen Schiffen, die aus nordeuropäischen Häfen oder von Übersee kommend die Elbe ansteuern, angeboten, den Lotsen bereits im Abgangshafen bzw. enroute an Bord zu nehmen.

Die Lotsenschiffe im Elbe-Revier

Der Elbebereich ist das dynanische Versetzgebiet der Lotsenbrüderschaft Elbe in der Außenelbe. Es beinhaltet die Versetzposition bei der Leuchttonne "Elbe" und den Versetzpunkt in der Deutschen Bucht, ca. 7 sm NNW-lich der Leuchttonne "Elbe" bei der LT "E3".

Die Lotsenbrüderschaft Elbe arbeitet seit dem Jahr 1999 mit SWATH-Schiffen. Dieser Schiffstyp zeichnet sich durch äußerst gute Seegangseingenschaften aus. Hierdurch wurde der Versetz- und Ausholbetrieb in der Außenelbe erheblich verbessert. Das System besteht aus einem Mutterschiff ( LS "ELBE") und zwei Tendern (LT "DUHNEN", LT "DÖSE") [2]. Die Tender sind die Fahrzeuge, welche die Lotsen versetzen und ausholen. Sie gehen längsseits der zu bedienenden Schiffe. Für kleine Fahrzeuge hat die Seestation zwei schnelle Boote, die den Lotsen an Bord bringen oder abholen. Sie werden in Ruhe vom Stationsschiff an Bord gehievt.

Die erste LS ELBE wurde im Jahr 2000 in Dienst gestellt, sie löste die alten Lotsenversetzschiffe nach deren 40 jährigem Dienst ab. Im Jahr 2010 wurde die "ELBE" durch einen modifizierten Nachbau gleichen Namens ersetzt, das alte Versetzschiff wurde in `LS HANSE´ umgetauft. Es dient nun als Ablöseschiff für die Seelotsreviere von Elbe und Weser.

Die Schiffe befinden sich im Eigentum des Bundes und werden durch den Lotsbetriebsverein bereedert. Der Lotsbetriebsverein hat seinen Sitz in Hamburg unter dem Dach der Bundeslotsenkammer und gliedert sich in vier Außenstellen. Die Außenstelle Cuxhaven ist in der direkten Zuständigkeit für die Schiffe im Bereich der Lotsenbrüderschaft Elbe. Die Zuständigkeit für den Einsatz der Schiffe liegt allein bei der Lotsenbrüderschaft.

Das Berufsbild des Lotsen

Der Lotse ist qualifizierter Berater des Kapitäns in küstennahen Gewässern, Flüssen, Kanälen und in deutschen Seehäfen. Er - selbst erfahrener Kapitän - ist speziell geschult und trainiert für das Navigieren und Manövrieren der Schifffahrt in seinem Lotsrevier.

Der für ein Lotsrevier bestallte Lotse übt seine Tätigkeit als freien, nicht gewerblichen Beruf aus. Er hat im Rahmen seiner Beratung die Sicherheit und Leichtigkeit der Schifffahrt, den Schutz der Umwelt und die Abwehr von Gefahren für Menschen und Sachgüter vorrangig zu berücksichtigen.

Wer den Beruf eines Lotsen in einem Lotsrevier ausüben will, bedarf einer Zulassung (Bestallung) durch die zuständige Aufsichtsbehörde. Der Lotse gehört nicht zur Schiffsbesatzung.

Die für ein Lotsrevier bestallten Lotsen bilden eine Lotsenbrüderschaft. Die Lotsenbrüderschaften sind Körperschaften des öffentlichen Rechts. Die sieben deutschen Brüderschaften bilden die Bundeslotsenkammer.

Bilder



Fußnoten

  1. Sie war in einem Wirtshaus eingerichtet worden, welches sich auf einer uralten seit alters her bewohnte Wurt befand. Nach dem Umzug der Lotsen 1895 nach Brunsbüttel wurde das Gebäude nur noch als Gastwirtschaft genutzt. Es brannte am nebligen Morgen des 5. November 1902 ab und wurde nicht wieder aufgebaut. Die Lotsenstation bot bis zu 80 Lotsen Quartier. Die Warft selbst besteht heute noch, sie liegt unmittelbar am Bütteler Außenpriel im Außendeichsland von St. Margarethen.
  2. LS / LT = Lotsenschiff / Lotsentender