Museum der 50er Jahre: Unterschied zwischen den Versionen

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Seit [[1984]] hat die Historikerin und Psychologin Kerstin Baronin von Freytag Löringhoff Ausstellungstücke des täglichen Lebens gesammelt. Im Jahre 2000 konnte sie dann Räume des Niedesächsischen Hafenamtes anmieten und dort ihre Sammlung installieren. Thematisch gegliedert und mit Erklärungstafeln versehen, die zum Nachdenken anregen, entsteht ein geballter Überblick über eine vergangene Zeit, die uns heute als die Wirtschaftswunderjahre in Erinnerung geblieben ist. Bereits im ersten Jahr werden trotz nur dreitägiger Öffnungszeit je Woche über 2.000 Besucher gezählt.  
 
Seit [[1984]] hat die Historikerin und Psychologin Kerstin Baronin von Freytag Löringhoff Ausstellungstücke des täglichen Lebens gesammelt. Im Jahre 2000 konnte sie dann Räume des Niedesächsischen Hafenamtes anmieten und dort ihre Sammlung installieren. Thematisch gegliedert und mit Erklärungstafeln versehen, die zum Nachdenken anregen, entsteht ein geballter Überblick über eine vergangene Zeit, die uns heute als die Wirtschaftswunderjahre in Erinnerung geblieben ist. Bereits im ersten Jahr werden trotz nur dreitägiger Öffnungszeit je Woche über 2.000 Besucher gezählt.  
  
Da infolge einer großen Spendenfreudigkeit der Besucher quer durch ganz West-Deutschland der Bestand zunehmend wächst, ist schon bald kaum ein Lebensbereich ausgepart. So findet sich der gesamte Haushalt einer Familie: Nierentisch und Tütenlampe, Party und Petticoat, Bus-Reise nach Italien, Musikfilm mit Peter Alexander, Agfa klack, Star-Mix, Bosch-Kühlschrank und Isetta, pastellfarbene `Schwedenküche´, Blumenhocker und Plastikvorhänge. Und natürlich nicht zu vergessen die Elvis-Poster an der Wand des Backfischzimmers und Vater NSU-Rex, ein [[1952]] gebautes Fahrrad mit Hilfsmotor.
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Da infolge intensiver Suche und Ankauf von museums-relevanten Gegenständen quer durch ganz West-Deutschland der Bestand zunehmend wächst, ist schon bald kaum ein Lebensbereich ausgepart. So findet sich der gesamte Haushalt einer Familie: Nierentisch und Tütenlampe, Party und Petticoat, Bus-Reise nach Italien, Musikfilm mit Peter Alexander, Agfa klack, Star-Mix, Bosch-Kühlschrank und Isetta, pastellfarbene `Schwedenküche´, Blumenhocker und Plastikvorhänge. Und natürlich nicht zu vergessen die Elvis-Poster an der Wand des Backfischzimmers und Vater NSU-Rex, ein [[1952]] gebautes Fahrrad mit Hilfsmotor.
  
 
Aber auch das Leben außer Haus kommt nicht zu kurz. Da finden sich der Lebensmittelladen, Textilgeschäft, Schreibwarenhandel, Friseur, Arztpraxis, Amtsbüro, Kneipe, Zahnarzt, die Jägerstube einer Gastwirtschaft, aber auch die Tankstelle aus Hessen inkl. Goggomobil, Zündapp-Motorrad, zwei Kleinkrafträdern, Benzinzapfsäule, diversen Blechschildern und Ölpumpe  ebenso wie die Confiserie, eine Apotheke, der Tante-Emma-Laden oder die `Penne´, ein altes Klassenzimmer der Gorch-Fock-Schule.  
 
Aber auch das Leben außer Haus kommt nicht zu kurz. Da finden sich der Lebensmittelladen, Textilgeschäft, Schreibwarenhandel, Friseur, Arztpraxis, Amtsbüro, Kneipe, Zahnarzt, die Jägerstube einer Gastwirtschaft, aber auch die Tankstelle aus Hessen inkl. Goggomobil, Zündapp-Motorrad, zwei Kleinkrafträdern, Benzinzapfsäule, diversen Blechschildern und Ölpumpe  ebenso wie die Confiserie, eine Apotheke, der Tante-Emma-Laden oder die `Penne´, ein altes Klassenzimmer der Gorch-Fock-Schule.  

Version vom 13. Juni 2010, 19:34 Uhr

Das Museum der 50er Jahre war ein Museum in Cuxhaven.

Am 11. Juli 2000 eröffnet im Verwaltungstrakt des ehemaligen neuen Fischversandbahnhofes an der Neufelder Straße Deutschlands erstes und einziges Museum mit der speziellen Zielorientierung der Darstellung der 50er Jahre.

Seit 1984 hat die Historikerin und Psychologin Kerstin Baronin von Freytag Löringhoff Ausstellungstücke des täglichen Lebens gesammelt. Im Jahre 2000 konnte sie dann Räume des Niedesächsischen Hafenamtes anmieten und dort ihre Sammlung installieren. Thematisch gegliedert und mit Erklärungstafeln versehen, die zum Nachdenken anregen, entsteht ein geballter Überblick über eine vergangene Zeit, die uns heute als die Wirtschaftswunderjahre in Erinnerung geblieben ist. Bereits im ersten Jahr werden trotz nur dreitägiger Öffnungszeit je Woche über 2.000 Besucher gezählt.

Da infolge intensiver Suche und Ankauf von museums-relevanten Gegenständen quer durch ganz West-Deutschland der Bestand zunehmend wächst, ist schon bald kaum ein Lebensbereich ausgepart. So findet sich der gesamte Haushalt einer Familie: Nierentisch und Tütenlampe, Party und Petticoat, Bus-Reise nach Italien, Musikfilm mit Peter Alexander, Agfa klack, Star-Mix, Bosch-Kühlschrank und Isetta, pastellfarbene `Schwedenküche´, Blumenhocker und Plastikvorhänge. Und natürlich nicht zu vergessen die Elvis-Poster an der Wand des Backfischzimmers und Vater NSU-Rex, ein 1952 gebautes Fahrrad mit Hilfsmotor.

Aber auch das Leben außer Haus kommt nicht zu kurz. Da finden sich der Lebensmittelladen, Textilgeschäft, Schreibwarenhandel, Friseur, Arztpraxis, Amtsbüro, Kneipe, Zahnarzt, die Jägerstube einer Gastwirtschaft, aber auch die Tankstelle aus Hessen inkl. Goggomobil, Zündapp-Motorrad, zwei Kleinkrafträdern, Benzinzapfsäule, diversen Blechschildern und Ölpumpe ebenso wie die Confiserie, eine Apotheke, der Tante-Emma-Laden oder die `Penne´, ein altes Klassenzimmer der Gorch-Fock-Schule.

Bei alledem geht es der Historikerin und Psychologin nicht ausschließlich um die Darstellung dieser Nachkriegsphase. Es geht ihr in ihren Erklärungen auch um ein Stück Mentalitätsgeschichte dieser Zeit, die sich in Verschwiegenheit und Idyllenbildung ausdrückte. Sie wollte gegen die Verdrängung des Vergangenen wirken, was der Publizist Ralph Giordano als die `zweite Schuld der Deutschen´ bezeichnete und was sich durch die neue Heimeligkeit und das Streben nach Wohlstand ausdrückte, in der die Nachkriegskinder erzogen wurden und was nicht zuletzt zu den 68er-Aufständen geführt hatte.

Aufgrund der ständigen Erweiterung der Austellung müssen mehrfach weitere Räumlichkeiten vom Hafenamt angemietet werden. Dennoch muss die Betreiberin immer wieder um das Museums-Domizil im Fischversandbahnhof fürchten. Noch dazu als Frau von Freytag Löringhoff bereits 2001 die Bilanz ziehen muss: "Da die Stadt Cuxhaven sich zu einer Unterstützung nicht in der Lage sieht, ist das Museum allein auf seinen privatwirtschaftlichen Erfolg gestellt, welcher derzeit gerade zum Weiterexistieren befähigt. Das Eis ist zwar dünn, aber das Museum überlebt, sofern nicht noch unverhoffte Schwierigkeiten auftauchen."

Das ändert sich auch nicht, als die Stadt von sich aus eine Museumsanalyse in Auftrag gibt, die bestätigt, "dass der Status dieser Einrichtung als Museum zu bejahen ist." Die Grundlage für Förderanträge sei damit vorhanden, so Kerstin von Freytag Löringhoff. Doch es bleibt bei der Hoffnung.

2004 passiert es dann. Das Niedersächsische Hafenamt verkauft den denkmalgeschützten ehemaligen Fischversandbahnhof an die Dahlhoff Feinkost GmbH. Ein Gespräch bei Oberbürgermeister Helmut Heyne, an dem neben der Betreiberin und Alfons A. Dahlhoff auch der CDU-Bundestagsabgeordnete Enak Ferlemann, die Vorsitzende des Kulturausschusses Erika Fischer und Kulturamtsleiter Günther Schlechter teilnehmen, bringt kein einvernehmliches Ergebnis. Da Frau von Freytag Löringhoff einer geforderten Mieterhöhung aufgrund mangelnder städtischer Förderung nicht zustimmen kann, kündigt das Unternehmen dem Museum zum 30. Juni 2005. Ebensowenig zeigt sich die Stadt bereit, Frau von Freytag Löringhoff eine alternative Unterkunft zur Verfügung zu stellen.

So bleibt Frau von Freytag Löringhoff nichts anderes übrig, als sich nach Bremerhaven zu orientieren, wo ihr die Militärkapelle des ehemaligen US-Stützpunktes in Bremerhaven-Weddewarden zur Verfügung gestellt wird. Im August 2005 eröffnet sie dort auf einer Fläche von 500 m² die zweite Periode ihres Museums mit über 20.000 Ausstellungsstücken. Dabei sind nicht mitgerechnet die Medien mit Zeitungs-, Zeitschriften- und Prospekte-Archiv von rund 5000 Exemplaren, eine Bibliothek und ein Tonträgerarchiv, die für wissenschaftliche Zwecke zur Verfügung stehen.
Als Besonderheit ist die ehemalige Empore als Picknickfläche mit Blick auf die Gesamtausstellung eingerichtet, auf der man mitgebrachte Speisen und Getränke zu sich nehmen kann, inmitten des 50er-Jahre-Ambientes.

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Museum der 50er Jahre