Ringelnatz, Joachim

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Ringelnatz Porträt

Joachim Ringelnatz (Pseudonym, * 7. August 1883 in Wurzen bei Leipzig; † 17. November 1934 in Berlin; Sohn des Schriftstellers Georg Bötticher, bürgerlich Hans Bötticher) war ein deutscher Schriftsteller und Maler.


Leben und Werk

Ringelnatz ist vor allem durch tragikomische und kabarettistische Lyrik bekannt geworden, unter anderen um Kuttel Daddeldu, den Seemann mit dem großen Herzen, der an Land regelmäßig Schiffbruch erleidet.

Der spätere Dichter wurde des Gymnasiums verwiesen, als er sich in der Großen Pause bei Hagenbecks Völkerschau hatte tätowieren lassen, und ging als Schiffsjunge und Matrose auf See. Danach absolvierte er in Hamburg eine kaufmännische Lehre, arbeitete als Hausmeister in einer Pension in England, war Lehrling in einer Dachpappenfabrik, Angestellter in einem Münchner Reisebüro, und anderes mehr.

1908 trug er in dem Schwabinger Künstlerlokal Simpl (München) erstmals eigene Verse vor und wurde zum »Hausdichter« der Wirtin Kathi Kobus. In der Nähe eröffnete er ein Zigarrengeschäft, das er wegen des Ausbleibenden geschäftlichen Erfolgs nach neun Monaten aber wieder schließen musste. Von der im Künstlerlokal verkehrenden Schwabinger Bohème wurde er zu eigenen Veröffentlichungen angeregt, die aber alle nur kleine Auflagen erreichten; auch malte er in Öl.

Den Ersten Weltkrieg machte er als Marinekriegsfreiwilliger zuerst als Maat und zuletzt als Leutnant zur See und Kommandant eines Minensuchbootes mit. Während dieser Zeit diente er mit Unterbrechungen von 1915 bis 1918 in Cuxhaven-Sahlenburg. Seine (nicht immer positiven) Erinnerungen an Cuxhaven finden sich in seinem Werk "Als Mariner im Krieg".

Das Pseudonym Joachim Ringelnatz gab sich der Künstler selbst vermutlich nach dem seemännischen Ausdruck "Ringelnass" für das glückbringende Seepferdchen, möglicherweise aber geht es jedoch auf seine Zeit 1918 als Leutnant bei der Küstenbatterie Seeheim zurück, wo er Ringelnattern fing (dargestellt im 14. Kapitel seines autobiographischen Romans "Als Mariner im Krieg").

Große Popularität erlangte Ringelnatz durch seine unkonventionelle und spielerische Lyrik. Die Mischung aus Seemannsgarn, Moritaten, Nichtsnutz-Erkenntnissen, bitterer Zeitkritik und Schwermut traf das Lebensgefühl der Erster Weltkrieg-Generation. Ringelnatz' tiefer Ernst wurde über die spaßigen Dichtungen jedoch vielfach nicht wahrgenommen.

Seinen Durchbruch als Dichter und reisender Vortragskünstler erreichte er 1920 mit seinem Gedichtbändchen "Turngedichte", das bei dem Verlag Alfred Richard Meyer oder Munkepunke erschien. An diesen großen Erfolg knüpfte er 1923 mit dem Gedichtband Kuttel Daddeldu an. Im Februar 1932 zog er nach Berlin-Westend. Seine damalige Stammkneipe, die "Westend-Klause" am Steubenplatz, kann heute noch bewundert werden.

Ringelnatz erhielt im Februar 1933 Auftrittsverbot, seine Veröffentlichungen wurden beschlagnahmt und seine Gemälde aus der Berliner Nationalgalerie als "Entartete Kunst" entfernt.

Schwer erkrankt, konnte er seine Heilbehandlung nicht mehr finanzieren und verstarb im November 1934 in seiner Wohnung "Am Sachsenplatz" (heute "Brixplatz") in Berlin.

Ringelnatz' Frau Leonharda Pieper ("Muschelkalk"), gab seinen Nachlass mit heraus. Er hat ihr etliche Gedichte gewidmet, so diese Zeilen aus dem Gedicht Ansprache eines Fremden an eine Geschminkte vor dem Wilberforcemonument: "Mein richtiges Herz. Das ist anderwärts, irgendwo | Im Muschelkalk."

Würdigung

Nach dem Dichter ist der Cuxhavener Joachim-Ringelnatz-Preis für Lyrik und seit 1975 ein Straße (Joachim-Ringelnatz-Straße) benannt.

Werke

  • 1910 Gedichte
  • 1911 Was ein Schiffsjungen-Tagebuch erzählt
  • 1912 Die Schnupftabakdose. Stumpfsinn in Versen und Bildern von Hans Bötticher und Richard Seewald
  • 1913 Ein jeder lebt's. Novellen
  • 1920/1923 Turngedichte
  • 1920 Kuttel Daddeldu oder das schlüpfrige Leid
  • 1921 Die gebatikte Schusterpastete
  • 1922 Die Woge. Marine-Kriegsgeschichten
  • 1923 Kuttel Daddeldu
  • 1924 ...liner Roma... Mit 10 Bildern von ihm selbst.
  • 1924 Nervosipopel. Elf Angelegenheiten
  • 1927 Reisebriefe eines Artisten
  • 1928 Allerdings
  • 1928 Als Mariner im Krieg (unter dem Pseudonym Gustav Hester)
  • 1928 Matrosen. Erinnerungen, ein Skizzenbuch, handelt von Wasser und blauem Tuch
  • 1929 Flugzeuggedanken
  • 1931 Mein Leben bis zum Kriege
  • 1931 Kinder-Verwirrbuch mit vielen Bildern [neu 2006, Wegberg: Aurel Verlag, ISBN 3-938759-04-6]
  • 1932 Die Flasche und mit ihr auf Reisen
  • 1932 Gedichte dreier Jahre
  • 1933 103 Gedichte
  • 1934 Gedichte. Gedichte von einstmals und heute

Postum

  • 1935 Der Nachlaß
  • 1939 Kasperle-Verse

Viele von Ringelnatzens Gemälden sind im Krieg untergegangen, das Kunsthaus Zürich hat eines magaziniert.

Literatur

  • Helga Bemmann: Joachim Ringelnatz: Leben und Werk des Dichters, Malers und Artisten. Propyläen-Verlag, 1996. ISBN 3-549-05596-X
  • Herbert Günther: Joachim Ringlnatz. 8. Auflage. Rowohlt-Verlag, 2001. ISBN 3-499-50096-5

Bilder

Weblinks