Sietland

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Das Sietland war neben dem Hochland ein Teil des Landes Hadeln. Das Sietland Hadelns umfasst die Gemeinden Ihlienworth, Odisheim, Steinau und das auf einer Geestinsel liegende Wanna.

Entstehung

Das Sietland liegt eingebettet zwischen der Geest und dem Hadelner Hochland. Die Kolonisation dieses tief liegenden, anmoorigen Landstriches begann im 12. Jahrhundert, als die Bremer Erzbischöfe erfahrene, holländische Kolonisten ins Land holten. Dieser Holländer kolonisierten zwar das Land, die Mehrzahl der Siedler aber stammte von der angrenzenden Geest.

Im Lande wurden hohe Wurten angelegt, darauf errichtete man Kirchen, Häuser und landwirtschaftliche Gebäude. Manche Wurten (Seeworthen) dienten dazu, dem Vieh bei Hochwasser Rückzugsmöglichkeiten zu bieten. Die bewohnten Wurten lagen darüber hinaus meist an einem Graben oder einer Wettern, um auch auf dem Wasserwege verkehren zu können.

Trotz der relativ frühen Besiedlung wurde nicht das gesamte heutige Sietland kultiviert, sondern die Moorgebiete des südlichen Sietlandes wurden ausgespart. Am Rande der Moorgebiete entstanden allerdings Moorrandreihensiedlungen, von denen aus Torf abgegraben wurde. Diese Art der Kolonisation bestand bis in das 17. Jahrhundert. Folge des Torfabbaues war unter anderem, dass das sowieso schon tief liegende Land weiter erniedrigt wurde.

Entwässerung

Von der Geest und von den umliegenden Mooren her lief das Wasser in diesen tief liegenden Landstrich. Die Flüsse Aue und Gösche, die nach ihrer Vereinigung die Medem bilden, sowie die angelegten Entwässerungsgräben konnten die Wassermassen oft nicht abführen und das Land stand unter Wasser. Viele Ernten gingen verloren, weil das Wasser zu lange auf den Äckern stand und die Wintersaat vernichtete. In diesen Zeiten kam auch der Pastor zur Taufe im Kahn bzw. verließen die Toten im Kahn das Haus, um auf dem Friedhof der noch trockenen Kirchwurt bestattet zu werden.

Abhilfe schaffte in erheblichem Umfang der Bau des Hadelner Kanals, den die Sietländer von der hannoverischen Regierung eingefordert hatten und nach mehreren Anläufen in den Jahren von 1851 bis 1854 gebaut wurde (gegen den Widerstand der Bewohner des Hochlandes, die sich an den Kosten nicht beteiligen wollten). Etwa gleichzeitig erfolgte der Bau des Neuhaus-Bülkauer Kanals vom Balksee an die Oste. Durch den Rückgang der Wassersnöte ging nun im Sietland die Anzahl der an Malaria Erkrankten drastisch zurück. Endgültig besiegt wurden die Hochwasser erst, nachdem an der Mündung der Medem in Otterndorf 1927/28 ein gewaltiges Schöpfwerk gebaut wurde. Im Verbund mit kleineren Pumpwerken wurde nun eine Fläche von 26.000 ha entwässert.

Reisebeschreibung 1845

August Heinrich Hoffmann v. Fallersleben - Mein Leben: Aufzeichnungen und Erinnerungen

17. September fahre ich (von Otterndorf) mit ... nach Bedakesa. Wir kommen nun in die Kirchspiele des Sietlandes. Welch ein Land! Wir fahren auf einem ganz schmalen, unerhöhten Wege, welcher von beiden Seiten von 4 bis 5 Fuß breiten Gräben voll Wasser eingefaßt ist. Zum Ausweichen dienen nur hie und da die kleinen Vorsprünge bei den brückenartigen Übergängen. Das ganze Land nichts als Weide, von unzähligen Gräben durchschnitten. Hier und da ein Bauernhaus, das nur durch Nachen mit der übrigen Welt in Verbindung steht. Anderthalb Stunden fahren wir auf dem schmalen Wege, der Boden bebt und die Fische springen im Wasser, nur mit Lebensgefahr können wir, wenn uns ein Fahrzeug begegnet, ausweichen. Endlich erreichen wir Bedakesa. Es liegt an einem ziemlich großen See, in der Nähe von schönen Buchenwäldern. ...

Quellen

Friedrich Kühlken: Zwischen Niederweser und Niederelbe, Verlag H. Saade, Bremen/Osterholz-Scharmbeck, 1965 Karl-Ernst Behre: Kleine historische Landeskunde des Elbe-Weser-Raumes, Stade 1994, ISBN 3-980 1919-6-6