Sozialistische Republik Cuxhaven

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Plakat zur Organisation des Arbeiter- und Soldatenrates

Die Sozialistische Republik Cuxhaven bestand im Januar 1919 wenige Tage.

Geschichte

Nach dem Ende des Kaiserreiches hatte sich auch in Cuxhaven ein revolutionärer Arbeiter- und Soldatenrat gebildet. Dieser hatte sich am 5. November 1918 gegründet, nachdem bereits zuvor durch meuternde Marinesoldaten überall rote Fahnen gehisst worden waren und auch eine friedliche Demonstration mit mehreren Tausend Teilnehmern stattgefunden hatte. Die erste Sitzung von Magistrat und Bürgervertretung mit dem Arbeiter- und Soldatenrat fand am 7. November 1918 statt.

Am 11. Januar 1919 ruft der Arbeiter- und Soldatenrat Cuxhaven, der mit der politischen Entwicklung in Berlin unzufrieden war, die „Sozialistische Republik Cuxhaven“ aus. Ziel war u.a. die Abspaltung des Amtes Ritzebüttel von Hamburg und die Vereinigung mit den Kreisen Hadeln und Neuhaus zu einer Räterepublik. Am Sonntag, den 12. Januar 1919 erschien in der Zeitschrift "Die neue Zeit" folgende Anzeige:

"An die Bevölkerung!

Arbeiter und Bürger!

Gewaltige Ereignisse bereiten sich in allen Gauen Deutschlands vor. Kein Arbeiter, kein Bürger weiß heute, wer regiert! Die Regierung in Berlin, die Volksbeauftragten haben vollständig versagt! In schwerem Bruderkampfe verbluten sich unsere Volksgenossen auf dem Straßenpflaster. Jede Stunde bringt neue Opfer aber keine Ordnung, sondern treibt uns immer mehr der Anarchie entgegen. Dem Gebot der Stunde gehorchend, der Verantwortlichkeit voll bewußt, die Ernährungs- und Wirtschaftsfragen für die gesamte Bevölkerung sicher zu stellen,

erklären wir Cuxhaven mit den dazu gehörigen Kreisen mit dem heutigen Tage zur

sozialistischen Republik.

Cuxhaven, den 11. Januar 1919.

Arbeiter- und Soldatenrat.

gez. Lieby. gez. Kraatz."


Die „Sozialistische Republik Cuxhaven“ wurde jedoch bereits am 16. Januar 1919 wieder aufgehoben, nachdem auch in Cuxhaven die militärische Besetzung drohte, wie sie durch den Berliner „Rat der Volksbeauftragten“ in den Kreisen Lehe und Geestemünde geschehen war.

In einer Sonderausgabe der "Neuen Zeit" vom Donnerstag, den 16. Januar 1918[1] erschien folgende Bekanntmachung:


"Der A- u. S.-Rat Cuxhaven vom Senat Hamburg anerkannt!

An die Bevölkerung Cuxhavens und der Kreise Hadeln, Neuhaus und Nordholz!

Mit dem heutigen Tage wird der Beschluß des A.- und S.-Rates vom Sonnabend, dem 11. Januar ds. Js., der zur Erklärung der Republik führte, rückgängig gemacht.

Die Erklärung erfolgte aus folgenden Gesichtspunkten:

Der Hamburger Senat lehnte in gewissen wirtschaftlichen Fragen die Zuständigkeit des A.- und S.-Rates ab.

Dadurch wurde die Ernährung der Bevölkerung und die Besoldung der Staatsbeamten und -Arbeiter in Frage gestellt.

Um die berechtigten Forderungen durchsetzen zu können, war es unbedingt notwendig, ein Gegengewicht zu schaffen.

Ein anderer Punkt war der, daß man ein Abwandern der Vermögen und der Kriegsgewinne nach dem Auslande verhindern wollte.

Die in Hamburg mit dem Senat in Verhandlung getretene Kommission hat auf Grund der bestehenden Tatsache das Zugeständnis erhalten, daß die dortigen Körperschaften alles tun werden, die Ernährung der hiesigen Bevölkerung sicher zu stellen.

Was die Eingriffe des A.- und S.-Rates in die hiesige Beamtenschaft anbetrifft, so sind diese zum Teil als berechtigt anerkannt, zum Teil sollen sie durch den Senat untersucht werden.

Jeglicher Geldverkehr, der Verkehr der Reichsbehörden gehen ihren alten Gang.

Zur Beunruhigung irgend welcher Art liegt kein Anlaß vor.

Der Senat hat sich bereit erklärt, für die Zukunft mit dem A.- und S.-Rat in verständiger Weise zusammen zu arbeiten, um dem Wunsche der gesamten Arbeiter und Beamten Rechnung zu tragen

Cuxhaven, den 16. Januar 1919.

Arbeiter- und Soldatenrat Cuxhaven.

gez.: Kraatz gez. i.V.: Schütte."



Das Ende der „Revolution“ in Cuxhaven stellt die Wiedereinsetzung des Amtsverwalters Dr. Sthamer am 1. August 1919 dar.



Fußnoten

  1. Das Jahr 1918 ist natürlich ein Druckfehler! Es muss 1919 heißen.