Synagoge

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Die ehemalige Synagoge der ehemaligen Jüdischen Gemeinde in Ritzebüttel ist heute ein Wohnhaus in der Westerreihe.

Vorgänger

Obwohl die offizielle Gründung einer jüdischen Gemeinde in Ritzebüttel erst im Jahre 1797 erfolgte, gab es schon für die ab 1750 niedergelassenen Juden bzw. die ohne Konzession und Schutzbrief durchziehenden Juden Betstuben bzw. Bethäuser. Bereits im Jahre 1751 oder 1760 (hier widersprechen sich die Quellen) stellte ein Jude namens Joseph Levi in seiner Wohnung in der Nordersteinstraße eine Betstube zur Verfügung, die er neben einem Ritualbad auch in seinem neu erworbenen Wohnhaus in der Nordersteinstraße 14 einrichtete. Im Jahre 1800 wird von Philipp Joel aufgrund von Konflikten mit Joseph Levi eine weitere Betstube eingerichtet. Joel erbaute 1806 ein eigenes Bethaus in der Nordersteinstraße 49.

Synagoge

Aufgrund von weiteren Streitigkeiten auch mit Joel beantragte die Gemeinde im Jahre 1815 bei Amtmann Abendroth die Errichtung eines Gebethauses für die gesamte Gemeinde. Abendroth bewilligte den Bau unter der Auflage, dass die Synagoge keine äußerlichen Abzeichen haben dürfe, und die Gemeinde ließ durch den Ritzebüttler Johann Jürgen Dürels in der Westerreihe eine Synagoge bauen. Dieses Haus war von einem Wohnhaus nicht zu unterscheiden und trug sogar unter dem Giebel die Initialen von Dürels und seiner Frau Anna Maria. Im Gegenzug war es für die jüdische Gemeinde selbstverständlich, dass sie sich auch mit freiwilligen Beiträgen am Bau der Martinskirche in Ritzebüttel beteiligte. 20 Jahre mietete die jüdische Gemeinde die Synagoge, um sie im Jahr 1835 käuflich zu erwerben und neben dem Schulzimmer auch eine Lehrerwohnung in dem Gebäude einzurichten. Bereits in einer Gemeindekarte von 1816 wird die Synagoge explizit gekennzeichnet.

Ab 1820 stand die Schule in der Synagoge unter der Leitung von Hirsch Moses Kalisky, der etwa ab 1825 auch Rabbiner (geistlicher Beamter) war. Der Rektor der Bürgerschule, Johann Heinrich Dölle, hatte Kalisky geprüft und ihm die Lehrbefähigung zuerkannt. Am 10. Januar 1846 wurde eine neu abgeschriebene Thora eingeführt. Kalisky erwarb sich hohes Ansehen und wurde anlässlich seines fünfzigjährigen Dienstjubiläums von seiner Gemeinde und vom Hamburger Staat geehrt. Auf Veranlassung von Amtmann Werner und Senator Kirchenpauer erhielt er als Auszeichnung einen `Portugaleser´[1]als Gedenkmünze.

Am 21. September 1933, dem Tag des jüdischen Neujahrsfestes, wurde die Vorderfront der Synagoge demoliert, Türen und Fenster eingeschlagen. Lt. dem parteigeführten `Cuxhavener Tageblatt´ handelte es sich um einen Böse-Buben-Streich, der nichts mit Judenhass zu tun habe. Die Cuxhavener Polizei stellte jedoch ziemlich schnell fest, dass es sich nicht um einen Jungenstreich handelte, sondern ermittelte Polzeikollegen als Täter. Der Haupttäter, Polizei-Hauptwachtmeister Johann Paul Zawadzki, wurde vom Landgericht Hamburg zu neun Monaten Gefängnis verurteilt und im Rahmen eines Disziplinarverfahrens von der Polizeidisziplinarkammer in Hamburg aus dem Dienst entfernt.

Während es in der `Reichskristallnacht´ am 9. November 1938 zwar im Stadtgebiet zu Ausschreitungen kam, blieb die Synagoge verschont. Im Juli 1939 wurde sie für 2.000 RM verkauft und zu einer Autowerkstatt umgebaut. Nach einem Bombentreffer 1944 wurde sie im Jahre 1946 instand gesetzt und als Autowerkstatt und Wohnung genutzt. Ab 1953 wurde sie als Wäscherei genutzt, bevor sie ab 1969 wieder zu einem Wohnhaus (Westerreihe 16) umgestaltet wurde.

Gedenkstein

Heute gibt es auf dem Rasenplatz vor dem Reyeschen Haus eine Gedenktafel zum Andenken an die Juden Cuxhavens, an ihre Synagoge, ihre Verfolgung und Ermordung während des Hitlerregimes. Ferner gibt es einen "Jüdischen Kulturverein Cuxhaven-Ritzebüttel".

Quellen

Frauke Dettmer: Juden im Amt Ritzebüttel und der Stadt Cuxhaven, ISBN 3-920709-28-4

Frauke Dettmer: Cuxhavener Juden 1933 bis 1945, ISBN 978-3-935519-37-3


Fußnoten

  1. Eine ehemalige norddeutsche Nachprägung einer portugiesischen Münze, die ab 1850 nur noch als Gedenkmünze geprägt wurde.