Trischen

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Dynamik Trischens

Trischen ist eine Watteninsel nördlich der Außenelbe.

Die wandernde Insel

Wenn der Wechsel von Ebbe und Flut zweimal täglich den Meeresboden freigibt, erstreckt sich das Watt zwischen den beiden Flußmündungen Elbe und Eider in fast unendlicher Weite. Mitten darin, ca. 14 km südwestlich von Büsum, liegt die einzige Insel des Dithmarscher Wattenmeeres. Trischen ist eine halbmond-förmige Sandinsel mit kleinen Dünen im Westen und natürlichen Salzwiesen im Osten. Die Insel hat gegenwärtig bei Mitteltidehochwasser eine Größe von ca. 180 Hektar.

Die Insel hat daher keinen festen Kern sondern besteht aus abgelagertem Sand, der kontinuierlich von Wasserströmung und Wind bewegt wird. Die dadurch entstehende Dynamik der Insel Trischen kommt vor allem in ihrer Wanderungsgeschwindigkeit zum Ausdruck: Bis heute wandert die Insel im langjährigen Durchschnitt 30 bis 35 Meter pro Jahr in Richtung Osten. Die Insel liegt daher heute ca. 10 km östlich ihres ursprünglichen Entstehungsortes und wird in 400 Jahren in Büsum am Deich ankommen, wenn sich die Wanderungsgeschwindigkeit nicht durch natürliche Prozesse verändern sollte. Damit kann Trischen zu Recht als die weltweit schnellste Insel bezeichnet werden. Die natürliche Dynamik ist mit jedem neuen Gezeitenwechsel auf Trischen zu beobachten: Mit jedem Hochwasser wird am Weststrand der Insel Boden fortgespült. Am östlichen Rand von Trischen wachsen dafür im Schutz aufgewehter Dünen Salzwiesen ins Watt hinein. Jedoch steht dieses Nehmen und Geben der Nordsee nicht im Gleichgewicht. Trischen hat in den vergangenen Hundert Jahren dreiviertel seiner ursprünglichen Größe verloren.

Woher kommt der Name Trischen?

Viele Ortsnamen haben eine lange Geschichte, in deren Verlauf sich die ursprüngliche Bezeichnung so veränderte, dass sie heutzutage nicht eben klar ersichtlich ist. So ist es auch mit der Bezeichnung der Insel Trischen. Was bedeuet dieses Trischen denn nun? Peter Todt hat in seiner Chronik der Inselgeschichte sehr gut die Namensgebung nachvollzogen. Folgende Angaben entnahm er aus alten See- und anderen Karten:

Jahr - Bezeichnung - Autor
  • 1705 - Den Busch - Guitet
  • 1721 - Busch oder das Rischensand - ?
  • 1752 - Trieshen, Rießgen Sand - Severin
  • 1762 - dat Rießig - holl. Seekarte
  • 1768 - Triejen - Wattkarte
  • 1775 - Dat Rißy und östlich Busch - Wohlers
  • 1791 - Trießen - Mensing
  • 1792 - Triessen - Moore
  • 1795 - Tuesjen - (engl. Seekarte) Heather
  • 1825 - Rießen - Schubak
  • 1827 - Riessen - Norie
  • 1845 - Riesen oder Trischen - Geerz
  • 1846 - Riesen Sand - Ebel
  • 1878 - Trieschen - DHJ
  • ab etwa 1920 setzte sich die heutige Schreibweise `Trischen´ endgültig durch

dat Rießig

Erste Bezeichnungen im 17. Jhd. nannten die Insel "Buschsand" oder "dat Rießig". Die Bezeichnung Trischen scheint dem Holländischen entlehnt: "dat Rießig" steht für Reetbewuchs oder buschähnlichen Wuchs. Im üblichen Sprachgebrauch wurde das "dat" auf ein "t" reduziert, aus dem Rießig wurde ein Rieschen. Im Laufe der Zeit wurde aus den ursprünglich zwei Worten letztendlich der Name "t’Rischen", also "Trischen" . Dieser Wandel ist evtl. dem Übertrag des Namen in deutsche Karten nach der Ausprache der einheimischen Bevölkerung zuzuschreiben.

Schon um 1700 wurde ein erster Bewuchs der hohen Sandbank bemerkt. Seefahrer werden davon berichtet und den Begriff Busch geprägt haben. Als eine der ersten Pflanzen kommt die Portulak-Keilmelde in Frage, die als kleines buschähnliches Gewächs gut zum alten Inselnamen passt.

Entstehung von Trischen

Nach ersten urkundlichen Erwähnungen im Jahre 1610 entstand die Insel vor gut 400 Jahren durch die Zusammenlagerung von Sandbänken und Sänden. Mehrfach ändert sie ihre Form. Wird sie 1805 und 1879 als einheitliche Sandinsel dargestellt, so erscheint sie 1846 in einer Karte des Dithmarscher Wattenmeeres als dreigeteilte Sandplate Polln, Buschsand und Riesensand. Die westlichste, also am weitesten seewärts gelegene trug die erste Rettungsbake. Hatte es Anfang des 18. Jahrhunderts bereits starken Bewuchs gegeben, so meldeten Fischer nach einer langen Sandphase 1854 erneut von Vegetation. Zu jener Zeit scheinen die drei Sände bereits wieder zusammengewachsen zu sein. 1882 wird von Dünenbildungen berichtet, die untypisch für das Dithmarscher Wattengebiet sind. 1884 bereits entsteht die 5. Rettungsbake. Im Schutze der Dünen bildet sich vermehrt Grünland. Jetzt wird erstmals der Mensch tätig.

Natur & Mensch

Schäferhaus

Mit der Entstehung von Salzwiesen Ende des 19. Jahrhunderts erwachte weitergehendes Interesse an der wirtschaftlichen Nutzung dieser Insel. Nach ersten Landgewinnungsarbeiten durch Grüppenbau ab 1868 hatte man 1894 103 ha Grünland und 129 ha Quellerfläche zu verzeichnen. So ließ der erste Pächter Theodor Frensen, der Bruder des Dithmarscher Dichters Gustav Frensen die Flächen im Sommer von etwa 200 Schafen beweiden. Als Unterkunft diente ein Blockhaus in den Dünen. 1897 baute die Domänenverwaltung einen sturmflutsicheren Ringdeich, der eine Viehtränke und ein zweigeschossiges, steinernes Schäferhaus umschloss. Nach wie vor war die lückenhafte Dünenkette nicht in der Lage, die See sicher abzuwehren. So übersandete eine Sturmflut im Winter 1898/99 die Grasflächen so gründlich, dass nur noch 18 ha übrig blieben. Damit war die Weidewirtschaft bereits wieder gestorben. 1890 endete auch die 5. Bake und wurde weiter östlich durch eine 6. ersetzt.

Schon nach wenigen Jahren hatte sich das Grün jedoch soweit erholt, dass man erneut tätig wurde. So wurden die Dünenlücken mit Sandfangzäunen versehen, bestehend aus Buschwerk. Die Seeseite der Dünen wurde mit Strandhafer bepflanzt. So erreichte man eine geschlossene 3 km lange Dünenkette von bis zu 7 Metern Höhe. Und wieder brach 1911 eine Bake in der Brandung zusammen und musste durch eine 7. Bake 1 km östlich ersetzt werden. Und wieder wurde in den Sommermonaten gegrüppelt. Zum Ende des Ersten Weltkrieges hatte man wieder 90 ha als Weideland geschaffen.

Luisenhof vor 1943

1922/23 ließ der Rendsburger Konsul Jürgen Brand einen 2,7 km langen Deich bauen. Er grenzte beidendig an die Dünenkette und umzog in einem Ostbogen halbkreisförmig einen 78 ha großen Koog, den `Trischen-´ oder `Marienkoog´. Die Arbeiter wohnten in einer Baracke auf den Dünen, genannt `Sandhörn´. In seinem Schutz wurde hinter den Dünen ein zweistöckiges Haus erhaut; ein luxuriöses Wohnhaus mit Freitreppe, großen Veranden mit Meerblick und 34 Räumen, der so genannte Luisenhof. Dazu ein Stallgebäude und ein Windrad. Bereits die erste Ernte erbrachte Kartoffeln, Steckrüben und Hafer. Neben Weide- und Wiesennutzung wurden auch Roggen, Weizen, Hackfrüchte und Klee angebaut, sowie eine Obstbaumplantage gepflanzt.
Und wieder musste 1924 eine 8. Bake erbaut werden. Sie wurde in den Koog platziert, weil man sie so sicherer wähnte.
Des Weiteren entstand das hölzerne `Landhaus Hedwig´ in den Dünen als Ferienhaus für Berliner Regierungsbeamte.

Jetzt übernahm wieder die Domänenverwaltung die Verantwortung für das privat Geschaffene, ließ den Deich erhöhen und übernahm den Dünenschutz. Doch bereits ab 1924 geriet alles wieder in Gefahr, da sich innerhalb von 40 Jahren der Strand von 1.500 m auf 130 Metern verringert hatte und sich so der nötige Sandanflug zunehmend verringerte. So konnten sich die Sandabspülungen durch Sturmfluten nicht mehr hinreichend ausgleichen. 1926 gingen 25 m Dünenbreite verloren.

1927 pachtete die Stadt Altona die Insel und ließ eine riesige Scheune für die Ernten erbauen. Zu jener Zeit war diese mit 6.800 m³ die größte Scheune Dithmarschens und, wie sich herausstellte, viel zu groß. Verwaltet wurde der Hof vom Landwirt Bielfeldt. Außerdem wurde das `Landhaus Hedwig´ als Erholungsheim für Altonaer Berufsschüler genutzt, die hier im monatlichen Wechsel lebten. Dazu wurde `Sandhörn´ an als Unterkunft für Feriengäste genutzt.

Während die Insel wirtschaftlich aufblühte, nahm die Gefährdung zusehends zu. Nach wie vor blieb der Sandnachschub aus und es wurden immense technische Anstrengungen nötig, um die Insel, insbesondere die Dünen, zu sichern. So war Trischen 1936 die am besten gesicherte Insel der Deutschen Nordseeküste.

Da die Stadt Altona sich wegen der unmäßigen Kosten aus der Pacht zurückzog, übernahm der Dithmarscher Landwirt Hermann Dreesen den Hof, der unter seiner Regie seine Blütezeit erlebte. 300 Schafe, 80 Rinder und 22 Pferde beweideten die Flächen.

1936 tobte eine Sturmflut mit 4,3 m erhöhtem Wasserstand gegen Trischen an. Der Koog hielt zwar, aber die Befestigungsarbeiten von Jahren an den Dünen waren dahin. Daraufhin gaben die staatlichen Stellen die Insel auf und forderten den Pächter zum Verlassen auf. Doch der blieb und erlebte weitere reiche Ernten.


Im Winter 1941/42 durchbrach dann eine Sturmflut die Dünen und drang in den Koog ein. Das `Schäferhaus´ lag jetzt ungeschützt und wurde auf Abbruch verkauft. Bereits 1943 lagen die Fundamente in der Brandung. Doch noch immer gab Dreesen nicht auf. Auf den Dünen baute er einen Schuppen und grub einen Notbrunnen für das Vieh. Auch schüttete er noch einen kleinen Notdeich in einer gefährdeten Stelle auf.

Luisenhof nach 1943. Abriss und Transport ans Festland.
Deichbruch auf Trischen

Nachdem er dann 1942 seine letzte Ernte eingebracht hatte, besiegelte ein Deichbruch am 16. Oktober um 5.00 Uhr das Schicksal der Insel. Eine kleinere Sturmflut hatte den Notdeich durchbrochen. Am Ende ergab sich eine Lücke von 100 Metern und damit offener Zugang zum Koog für jede etwas erhöhte Flut.
Und nochmal versuchte Dreesen trotz erneuter Aufforderung zum Verlassen der Insel den Deichbruch zu schließen. Aus eigenen Kräften fuhr er Sand in die Lücke und erbaute einen neuen Notdeich, verstärkt durch Strohballen und Grassoden. Hielt er den Herbstfluten stand, so wurde er im Februar erneut zerrissen. Drei schwere Aprilfluten konnten dann ganze Arbeit leisten. Übrig blieb übersandetes, versalzenes Land, geteilt durch einen tiefen Priel. Hatte er bis dahin immer sein Vieh auf die Dünen in den Notschuppen retten können, so gab er nun auf und brachte Vieh, Hausstand und Haus in den Dieksanderkoog. Dort erbaute er mit den Steinen des Luisenhofes einen großen neuen Hof.

Kulturspuren auf Südost-Trischen

Bis 1947 ließ ein Schäfer noch eine Herde auf der Insel weiden. Seither ist die Insel rein der Natur überlassen. Heute künden nur noch alte, zum Teil wieder freigespülte Zeugnisse ehemaliger Bewirtschaftung von dem gescheiterten Versuch, die Insel dem Menschen zu unterwerfen.

1953 hatte sich das Meer den Notbrunnen geholt.


Die Buschsand-Bake

Mit welcher Dynamik und Geschwindigkeit die Insel durchs Watt wandert, wird besonders am Schicksal des berühmten Seezeichens, der Buschsand-Bake, deutlich. Als Bake wird ein fest installiertes Bauwerk mit weithin sichtbaren standortspezifischen Toppzeichen als Orientierung für die Schifffahrt verstanden. Auf Trischen ist der Bau einer Bake mit Toppzeichen seit 1784 belegt. Seither wurde das Seezeichen bis letztmalig 1950 11 mal versetzt beziehungsweise jeweils neu errichtet, wenn die Insel unter ihm hindurchgelaufen war. Ab 1859 diente die Bake zusätzlich als Fluchtpunkt für Schiffbrüchige durch den Einbau einer weit über mittleren Hochwasser eingebauten Schutzhütte. Die letzte Bake wurde 1950 erstmalig nicht aus Holz sondern auf drei Stahlpfählen errichtet. Sie stand von allen auf Trischen jemals gebauten Baken am längsten. 1996 war die Insel jedoch wieder soweit nach Osten gerückt, dass die Bake mit ihrem Fundament in der Brandungszone stand. Sie wurde noch im gleichen Jahr demontiert und steht seit Sommer 2001 an der Seehundstation Friedrichskoog. Aufgrund moderner Radar- und Satellitentechnologie sind Baken als Orientierungszeichen für die Schifffahrt überflüssig geworden, so dass das Wasser- und Schifffahrtsamt in Tönning entschieden hat, auf Trischen keine weitere Buschsandbake mehr zu errichten. Die Geschichte der Buschsandbaken auf Trischen hat damit 1996 ein Ende gefunden.

Naturschutz auf Trischen

Naturschutz hat auf Trischen eine lange Tradition. Die ersten Hinweise auf den Vogelreichtum der Insel entstammen allerdings wenig erfreulichen Überlieferungen über organisierte Ausflüge zur Vogeljagd am Beginn des 20. Jahrhunderts. Doch bereits 1909 wurde Trischen per Erlass zur Seevogelfreistätte erklärt. Die Naturschutzarbeit unterlag jedoch immer wieder wirtschaftlich bedingten Rückschlägen. Für das Jahr 1920 sind z.B. für Trischen 37.000 gesammelte Eier dokumentiert.

Ab 1927 übernahm der heutige Naturschutzbund Deutschland (NABU, ehemals Deutscher Bund für Vogelschutz, DBV) die Betreuung der Insel Trischen. Lina Hähnle, die Gründerin des Bundes für Vogelschutz, unterzeichnete 1932 den ersten Betreuungsvertrag, in dessen Folge alljährlich Vogelwärter vom Verband aus nach Trischen geschickt wurden.

War es in den ersten Jahren und nach dem Krieg die Hauptaufgabe des Vogelwarts, das Absammeln der Seeschwalbeneier zu verhindern und die Jagd auf Brut- und Rastvögel zu beenden, so hat sich das „Berufsbild“ heute gewandelt: Die Eiersammler von früher gehen in den Supermarkt. Die Rolle des Betrachters, der Bestände, Veränderungen, Einflüsse und Eingriffe beobachtet und dokumentiert, gewann immer mehr an Bedeutung. Heute ist Trischen eine gewichtige Grundlage für das wattenmeerweite Dauerbeobachtungsprogramm (Monitoring), um zuverlässige Erkenntnisse über Veränderungen und mögliche Ursachen zu gewinnen und mögliche Schutzmaßnahmen zu ergreifen.

Bedrohungen für das Wattenmeer sind auch heute noch vorhanden. Sie gehen nicht mehr von einzelnen Leuten aus, sondern sind Folge unserer Lebensgewohnheiten. Um den negativen Einfluss des Menschen auf das komplexe Ökosystem zu vermeiden, wird die Notwendigkeit immer größer, den Ablauf natürlicher Prozesse und ihre Wechselwirkungen zu verstehen.

Für den NABU ist es daher wichtig, über den Außenposten auf Trischen Auge und Ohr am Puls der Natur zu haben und einen Beitrag zum Verständnis des Naturraums Wattenmeer zu liefern. Seit 1909 waren auf Trischen bisher knapp 30 Personen jeweils für die Saison von Frühjahr bis Herbst als Vogelwart tätig.

Die Vogelwärter(innen) Trischens

  • 1932-35, 1937-39, 1948-53, 1972, 1978, dazwischen oftmals als Helfer: Hugo Wolter, Fotograf aus Giengen. Er war der erste offizielle DBV-Vogelwart und über 50 Jahre sehr eng mit Trischen verbunden. Nach ihm ist die ehemalige Vogelwärterhütte von 1976 benannt.
  • 1962-1965, 1967: Siegfried Neumeister; Diplom-Forstwirt aus Lindau. Führte erste Einschränkungen des Besucherstroms auf Trischen ein.
  • 1976, 1980-99: Peter Todt, Optikingenieur; Peter Todts konsequentem Einsatz für den Schutz Trischens ist es zu verdanken, dass diese Insel heute allein der Natur vorbehalten ist.
  • 2000 Ansgar Diederichs, Biologe aus Rheinhausen.
  • 2001/2002: Stefan Wolff, Biologe aus Schleusanien.
  • 2003: Steffen Oppel, Landschaftsökologe aus Oldenburg.
  • 2004: Sebastian Berger, Forstingenieur.
  • 2005/2006: Pia Reufsteck, Biologin aus Tübingen.
  • 2007: Clemens Schneider, Wattenmeer-begeistert seit seinem (Schutten-) Zivi auf der Insel Pellworm. Er studierte Geographie und Musik auf Lehramt.
  • 2008: Monika Dorsch, Biologin und Orgelbauerin aus Altötting.

Inselchronik

  • Jahr Ereignis
  • um 1600 Erste überlieferte Berichte von einer Insel
  • bis etwa 1750 Insel mit Vegetation, danach Abflachung zur Sandbank
  • ab 1850 Erneute starke Auflandung und Salzwiesenbildung
  • 1868 Erstmals Landgewinnungsarbeiten durch Grüppenbau
  • 1895-97 Errichtung eines Blockhauses in den Dünen für Küstenschutzarbeiter; Bau eines kleinen Ringdeiches mit zweigeschossigem, steinernem Schäferhaus und Viehtränke, Beginn der Beweidung mit Schafen (1.Pächter: Theodor Frenssen, Bruder des Dithmarscher Heimatdichters Gustav Frenssen)
  • um 1900 Exzessives Eiersammeln und Jagd ruinieren die Vogelbestände in den Brutkolonien (Silbermöwe an der Küste fast ausgerottet), Erlegung tausender Brandenten zur Mauserzeit
  • 1909 Trischen wird durch Erlaß von Landrat und Jagdpächter Johannsen Vogelfreistätte, Überwachung durch Angestellte der Domänenverwaltung -
  • ab 1911 mit Polizeigewalt ausgestattet - ornithologische Betreuung durch Verein Jordsand, (1909 und 1910), seit 1919 Brutbestandsaufnahmen
  • 1910-17 Brutplatz für bis zu 600 Zwergseeschwalben und 150 Seeregenpfeifer
  • nach 1918 Massives Eiersammeln in der Nachkriegszeit (ab 1920 Versuch der Kanalisierung durch Verpachtung, in diesem Jahr 37.000 Eier, überwiegend der Flußseeschwalben)
  • bis 1921 Jährlicher Rückgang der Strandbreite um 30 Meter (von 1500 m 1884 auf 260 m)
  • 1922-25 Eindeichung eines 78 Hektar großen Kooges, Bau des "Luisenhofes" und Aufnahme intensiver Landwirtschaft einschließlich Ackerbau durch Pächter Jürgen Brandt
  • 1926-33 Pachtzeit durch die Stadt Altona, Bau der größten Scheune Dithmarschens und Betrieb eines Kindererholungsheimes; Intensive Küstenschutzarbeiten (Steindeckwerk und Stahlbuhnen zur Dünenfußsicherung), aber massive Zunahme technischer und finanzieller Probleme; Ansiedlung von englischem Schlickgras (1927); Jährliche Kutterregatta von Friedrichskoog mit Scheunenfest auf Trischen
  • ab 1927 Betreuung durch den Bund für Vogelschutz (BfV, später DBV, dann NABU), zunächst durch den Bundesverband unter seiner Gründerin Lina Hähnle, ab 1966 durch den Landesverband
  • 1934 Trischen wird Naturschutzgebiet; Beginn einer kurzen wirtschaftlichen Blütezeit unter Pächter Hermann Dreeßen
  • 1936 Aufgabe der intensiven Küstenschutzmaßnahmen. Aufforderung an Bauer Dreeßen, die Insel zu verlassen.
  • 1943 Endgültiger Durchbruch des Meeres durch die Dünen, Aufgabe des Hofes und aller Gebäude (letzte Beweidung 1947)
  • 1944-47 In der Nachkriegszeit erneutes Naturschutzvakuum, Eiersammeln und Vogeljagd, vor allem auf mausernde Brandenten
  • um 1950 Beginn des Aufstiegs der Silbermöwe als Brutvogel auf Trischen; Otto G. Meier bestimmt ab jetzt mehr als drei Jahrzehnte als NABU-Referent die Naturschutz-Geschicke
  • 1955 Ansiedlung einer Brandseeschwalbenkolonie
  • 1959 Erneuerung der Natuschutzgebietsverordnung mit Erweiterung um die umliegenden Wattflächen; Bau der ersten Vogelwärterhütte (Unterkunft zuvor unter anderem im Bakenschutzraum mit Strohlager)
  • etwa 1960 Intensivierung der seit den Zwanziger Jahren durchgeführten Möwenbekämpfung (Lachmöwen bis 1981, Silbermöwen bis 1987) - Insel von ausgesetzten Kaninchen kahlgefressen
  • 1962 Verheerende Sturmflut mit Einebnung der Dünen, Auslöschung des Kaninchenbestandes und Zerstörung der Vogelwärterhütten - Befürchtung des Untergangs von Trischen
  • 1976 Sturmflut mit höchstem bisher gemessenem Wasserstand, erneute Einebnung der Dünen und Zerstörung der Hütten; Die so genannte Wolter-Hütte wird errichtet
  • 1980 Zunehmendes Brutbestandswachstum der Lachmöwe; Haupt-Mausergebiet der Brandente mit über 100.000 Tieren (rund die Hälfte des europäischen Bestandes; zuvor Knechtsand, ab 1992 Elbmündung); Waffenerprobung von der Hubinsel "Barbara" im Watt, Schießübungen von Land aus Richtung Trischen seit Beginn der siebziger Jahre; Beginn der 20jährigen Ära Vogelwart Peter Todt (zuvor "Probejahr" 1976), Konsequente Entwicklung zur "Nullnutzungszone" und Reduzierung aller vermeidbaren Störungen durch Besucher, Flug- und Schiffsverkehr
  • 1981 Eine zweite Vogelwärterhütte, die sogenannte Meier-Hütte, wird errichtet
  • 1985 Gründung des Nationalparks Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer mit Trischen als Kernzone; Baubeginn Ölförderinsel Mittelplate drei Kilometer südöstlich von Trischen
  • 1995 Rückgang der Fluß-(+ Küsten)seeschwalbenbestände auf etwa 500 Brutpaare; Großes Vogelsterben durch Botulismus-Bakterien im Sommer (vor allem Brandenten)
  • 1996 Größter Brandseeschwalbenbestand aller Zeiten mit 4.382 Paaren; Abbau der nicht mehr als Seezeichen benötigten Bake, deren elf Vorgänger - bis 1890 mindestens vier Kilometer nordwestlich der heutigen Insel - in den letzten zwei Jahrhunderten immer Insel-Wahrzeichen waren
  • 1997 Ansiedlung einer Kormorankolonie
  • 1999 Peter Todt übergibt "seine" Insel an Nachfolger
  • 2000 Die Meier-Hütte wird abgerissen, da die Insel unter ihr hindurchgewandert ist, nur das Grundgestell bleibt
  • 2001 Die neue Trischenhütte wird im Südteil der Insel gebaut; In Friedrichskoog wird die Buschsandbake wieder aufgestellt
  • 2002 Die Winterstürme reissen die Reste der Meier-Hütte vollständig um; Erstmalig brüten Löffler und Nonnengans auf der Insel
  • 2003 Zum ersten Mal seit 1955 brüten keine Brandseeschwalben mehr auf Trischen

Ergänzt nach "Chronologie Trischens" aus der Broschüre: Trischen - Perle im Nationalpark

Karte

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Weblink

Das Dithmarschen-Wiki über Trischen