Wilhelm-Heidsiek-Verlag

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Namensgeber Wilhelm Heidsiek

Der Wilhelm-Heidsiek-Verlag ist ein Verlag in Cuxhaven.

Begonnen hatte alles im Januar 1986. Auf einer Sitzung des Vorstandes des Ortvereines Hemmoor der GRÜNEN, damals zuständig für die Samtgemeinden Hemmoor, Lamstedt und Am Dobrock wurde beschlossen, für den Altkreis Land Hadeln eine „Antifaschistische Kreisrundfahrt“ zu organisieren.

So ein bisschen sollte diese Tour neben der Aufklärung über die Zeit des Nationalsozialismus im Niederelbe-Raum wohl auch Wahlwerbung für die GRÜNEN sein, denn 1986 war in Niedersachsen Landtagswahl.

Zur Organisation der Fahrt versuchten die Akteure erst einmal, Material aus den bereits erschienenen Ortschroniken zusammenzufassen: es gab schmale bis dicke Bücher über Neuhaus, Osten oder den Altkreis Neuhaus (Klenck).

Gemeinsam war ihnen, daß sie die Zeit 1933 – 1945 überhaupt nicht oder nur am Rande abhandelten. 1986 folgte der Besuch von Archiven, die Zeitungen aus der Zeit des Nationalsozialismus hatten, so in Otterndorf das Kreisarchiv, in Cuxhaven das Stadtarchiv und in Bremervörde das Archiv der Firma Borgardt, die die Neuhaus-Ostener Zeitung aufbewahrte. Das Ziel war klar definiert. Bis zum Frühjahr 1987 sollte es eine 40-seitige Broschüre geben, die sozusagen der Reiseführer für die Busfahrt sein sollte.

Einer der Gründe, die uns in der Arbeit weitertrieb, waren die Aktivitäten des Neo-Nazi Edgar Geiss mit Wohnsitz in Hechthausen. Geiss leugnete damals die Fernsehsendung „Holocaust“ als „Ausgeburt kranker Phantasie“, leugnete die Ermordung von Juden im Dritten Reich und bezeichnete das Tagebuch der Anne Frank als „Schwindel“. Bekannt wurde er bei uns allerdings vor allem dadurch, dass er dem Rechtsradikalen Michael Kühnen in Hechthausen als Untermieter Wohnrecht gewährte. Das Aufkommen der „Revisionisten“, d.h. der Leugner der Ermordung von Juden während der Zeit des Nationalsozialismus ging 1986/87 einher mit dem Historikerstreit, für die Akteur der Versuch der Relativierung der Zeit des Nationalsozialismus und ihrer Einordnung als eine Epoche in der deutschen Geschichte unter vielen.

Im Hadelner Raum veröffentlichte Willi Klenck „Heimatkunde des ehemaligen Kreises Neuhaus an der Oste“. Klenck selbst beschrieb dort auf nahezu 600 Seiten die Geschichte seiner Heimat, die Zeit des Nationalsozialismus in dieser Region an der Oste wurde gerade auf zehn Seiten abgehandelt.

Dies ist nicht verwunderlich, Klenck war hauptamtlicher Funktionär der Nationalsozialisten. Er schaffte es bis zum Leiter des Rassenpolitischen Amtes des NSDAP-Gaues Ost-Hannover mit Sitz in Lüneburg. Dieses Amt hatte er von 1943 bis 1945 inne, daneben schrieb er in Blättern der NSDAP und ihrer Gliederungen. Hervorgetan hatte er sich mit sogenannten „Verkartungen“ deutscher Dörfer, wissenschaftlicher Humbug, in denen angebliche Rassemerkmale der arisch-germanischen Rasse erforscht werden sollten. Die Herausgabe des Klenck-Buches führte zu einer kleinen Leserbrief - Debatte in der Niederelbe-Zeitung zwischen ( Wolfgang Neumann, Carsten Meyer - Wingst - und Hans-Jürgen Kahle) und dem damaligen Kreisarchivar und Schriftführer der Kranichhaus-Gesellschaft, Rudolf Lembcke. Dieser schrieb dann auch in einem Brief an die Zeitung zu der Länge der Darstellung des Nationalsozialismus in der Klenck'schen Heimatkunde:

„Da stellt sich dann vielleicht auch die Frage nach der Verhältnismäßigkeit der Darstellung, wenn überall alle Details angesprochen werden sollen.“ (NEZ vom 9.12.1986);

Auf Klencks Tätigkeit als hauptamtlicher NSDAP-Funktionär ging Lembcke nicht mehr ein. Anfang 1988 war dann die Idee geboren, die Geschichtsarbeit durch einen Verein zu organisieren. Damit sollten weitere Interessenten für die Mitarbeit gewonnen werden und vor allem finanzielle Zuschüsse durch die Anerkennung als gemeinnütziger Verein möglich sein. Doch die Ausarbeitung der Satzung, das Anschreiben von Interessenten und die Gespräche mit dem Finanzamt zogen sich noch hin, bis es im Januar 1989 zur Gründung des Fördervereins zur Geschichte der Arbeiterbewegung im Landkreis Cuxhaven kam.


Kurze Zeit später wurde durch die Erlaubnis von Harald Heidsiek dem Förderverein gestattet, den Verlag nach seinem Vater Wilhelm Heidsiek (1888-1944) zu benennen. Heidsiek war langjähriger SPD-Vorsitzender von Cuxhaven in der Weimarer Republik und Redakteur der SPD-Zeitung von Cuxhaven, der „Alten Liebe“. Die Namensgebung soll eine Ehrung für einen Mann sein, der 1944 im KZ Neuengamme für seine Überzeugung ermordet wurde.


Auszug aus der Bücherliste




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