Windmühle: Unterschied zwischen den Versionen

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Nahe dem alten Versammlungsplatz der [[Stände des Landes Hadeln]], dem [[Warningsacker]], stand am Warnigsackerweg die '''[[Warningsackermühle]].''' Diese Bockwindmühle ist bereits auf einer Karte aus dem Jahre 1625 verzeichnet und existierte bis in das Jahr [[1927]], in dem sie abgebrochen wurde.
 
Nahe dem alten Versammlungsplatz der [[Stände des Landes Hadeln]], dem [[Warningsacker]], stand am Warnigsackerweg die '''[[Warningsackermühle]].''' Diese Bockwindmühle ist bereits auf einer Karte aus dem Jahre 1625 verzeichnet und existierte bis in das Jahr [[1927]], in dem sie abgebrochen wurde.
  
 
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Version vom 20. Februar 2010, 15:55 Uhr

Windmühlen im Stadtgebiet Cuxhavens

Diese Seite zeigt Windmühlen in Cuxhaven.

Kleine Windmühlenkunde im Vorab

Die Urmühle unseres nordwest-europäischen Raumes ist die Bock- oder Ständerwindmühle, ein auf einem mächtigen senkrechten, seitlich abgestützten Zentralbalken gelagertes drehbares Mühlengehäuse, welchen insgesamt um den Balken in den Wind gedreht wird. Das Windrad mit den Flügeln war dabei richtungsstarr mit dem Mühlengehäuse verbunden. Erstmalig wird um 1200 in diesem Raum erwähnt, im Norddeutschen Raum gegen 1425.

Nach neueren Forschungsergebnissen baute im Jahre 1573 der holländische Mühlenbaumeister Andries van der Moerbeke die erste Kappenwindmühle. Sie besteht aus einen festen Rundbau mit einer aufgesetzten drehbaren Kappe, die das Windrad und die Flügelwelle trägt. Rundlich bedeutet dabei häufig achteckig. Dieses hat die Vorteile, dass 1, die Mühle weitaus windsicherer war, da es sich bis auf die Kappe um einen massiven Bau handelte und 2. der Unterbau beliebig groß gebaut werden konnte, was natürlich das Platzangebot in der Mühle erheblich erweiterte. So ließen sich denn von einer Antriebseinheit mehrere verschiedene Mahlgänge antreiben. Aufgrund ihrer Herkunft erhielt die Kappenwindmühle hier die später geläufigen Bezeichnung Holländermühle. Es dauerte ungefähr zwei Jahrhunderte, bevor sich diese Bauart zunehmend in Deutschland durchsetze. Um 1900 dann war aber die große Zeit der Bockwindmühle beendet.
Die Kappen- oder Holländermühle wiederum teilt sich auf in

  • Erdholländer: Sie haben einen nur eingeschossigen Unterbau, meist Steingemauert, der Steert reicht bis auf den Erdboden, sodass er vom Boden aus bedient werden konnte. Dabei konnte der Unterbau, also der eigentlich Arbeitsraum des Müllers, auch in einen Erdhügel mit Eingangstor eingelassen sein, was einen kürzeren Steert zur Folge hatte.
  • Gallerieholländer: Meißt bei mehr-etagigen Unterbauten, wo der Steert nicht mehr bis zum Boden reichen konnte, wurde statt dessen ein rundumlaufender Balkon, die Gallerie, vorgesehen. Auf dem konnte der Müller seine Mühle in luftiger Höhe umrunden, um sie in den Wind zu drehen. Dabei konnte es auch schon mal um fünfstöckige Unterbauten mit insgesamt 30 Meter Mühlenhöhe gehen. So in Hage, Ostfriesland, bei Norden oder in Aurich.
  • Gallerieholländer mit Windrose.

Grundsätzlich muss eine Windmühle drehbar sein, um sie `in den Wind´ drehen zu können. Das will bedeuten, dass die Windflügel immer dem Wind zugedreht sein müssen, da sie nur dann die Windkraft aufnehmen und umsetzen kann. Bei stark wechselnden Winden also unter Umständen eine zeitintensive Arbeit. Bei Sturm war das Drehen in den Wind sogar lebenswichtig für die Mühle. Sehr viele Windmühlen haben ihr Leben verloren, weil der Wind sie von hinten her angreifen konnte, wofür sie aber Bausstatisch nicht ausgelegt waren und so ihre Flügel und mehr eingebüßt haben. Gedreht wurde die Mühle entweder mit dem Steert, einem auf den Boden reichenden Einzelbalken oder bei der Kappenwindmühle Balkengerüst oder bei der höher gelegenen Galleriemühle mit dem `Kröjrad´, einer unten am Steert angebrachten Drehwinde.
Aufgrund der Aufwenigkeit des 24-Stunden-Einsatzen bei wechselnden Winden ersetzten viele Müller ab dem Jahrhundertwechsel 1900 den Steert durch die Windrose. Sie war in England erfunden worden und verlagerte die Drehwinde direkt auf die Rückseite des Mühlenkopfen. Sie besaß ein oder zwei kleinere senkrechte Windräder, die ihre Arbeit sofort selbsttätig begannen, sobald der Wind nicht mehr direkt von vorne kam. Damit war der Müller von dieser Arbeit entlastet. Statt eines Windenseiles oder Kette arbeitet sie mit einer Zahnradmechanik. Interessantes Nebenbei: In Holland gibt es nur eine einzige aus Ostfriesland eingeführte Windrose.

Noch ein paar Worte im Vorab

Es wird vielleicht auffallen, dass häufig Mühlen an Gemeindegrenzen stehen; der Mühlenbetrieb in der einen Gemeinde, das Müllerhaus in der benachbarten Gemeinde. Dieses ist gewollt und hat den Sinn, dass der Müller sein Standbein in beiden Gemeinden hat und damit auch in beiden Gemeinden verkaufen kann, was ja bis in die Neuzeit hinein sehr reglementiert war.

Häufig sind Mühlen nach ihren jeweiligen oder herausgehobenen Besitzern, heute häufig nach dem letzten benannt, ebenso aber auch nach ihrem Standort. Seltener haben sie besondere übergeordnete Namen.

Für gewöhnlich hört man aus Märchen und Geschichten immer von reichen Müller. Für die Cuxhavener Müller mag sicherlich auch das zuweilen zutreffend gewesen sein, doch aus den Chroniken lässt sich ersehen, dass mindestens so häufig Verkäufe und Konkurse die Müller trafen.

Übersicht

Altenbruch

Osterende

Warningsmühle.jpg

Nahe dem alten Versammlungsplatz der Stände des Landes Hadeln, dem Warningsacker, stand am Warnigsackerweg die Warningsackermühle. Diese Bockwindmühle ist bereits auf einer Karte aus dem Jahre 1625 verzeichnet und existierte bis in das Jahr 1927, in dem sie abgebrochen wurde.






Osterende 15


Die Eitzenmühle wurde bereits vor dem 30-jährigem Krieg erwähnt. Bis 1914 arbeitete die Holländermühle von Johann Eckhoff mit Windantrieb, danach mit Motorkraft.





Osterende-Wehldorf

In Wehldorf an der Höftgrube stand die Marien- oder Überbraaker Mühle, auch bekannt als Wurstmühle. Diese Mühle ist bereits auf einer Landkarte des Jahres 1625 eingezeichnet und war stets eine Bockwindmühle. Sie wurde nach dem Ersten Weltkrieg abgerissen. Der ehemalige Mühlenstandplatz ist heute die Wehldorfer Straße 56.


Westerende

Windmuehle 5164.jpg

Um 1900 entstandene Fotographie der Altenweger Mühle in Altenbruch-Westerende, auch als Grodener Mühle bezeichnet. Sie fiel, wie viele Mühlen in der Gegend, am 21. Dezember 1925 einem Sturm zum Opfer.





Westerende

Neben der B 73 in Altenbruch, Mühlentrifft, Ecke Alter Weg, stand die `Sandwegmühle´, die später nach ihren letzen Besitzern als Glameyermühle bekannt war. Sie wurde vermutlich um 1600 herum erbaut und existierte bis zum 23. Dezember 1916, als sie bei einem Orkan umstürzte.


Altenwalde

Die Altenwalder Mühle befand sich am Platz des Lehrschwimmbeckens der Altenwalder Schule.

  • Bis 1768 im Besitz des Klosters Neuenwalde,
1535 erbaut.
1648 im Sturm gefallen.
1670 vom Blitz getroffen, wieder aufgebaut.
1703 im Sturm gefallen, wieder aufgebaut.
1911 endgültig abgerissen

Döse

Muehle-Doese-5199.jpg

Die Döser Mühle (Westermühle) war eine Bockwindmühle an der Steinmarner Straße. Die Mühle wird erstmals im Jahre 1521 erwähnt und ist damit die älteste Mühle in Cuxhaven. Sie lieferte hauptsächlich Schrot und Roggenmehl. Am 18. Juli 1937 wurde die Mühle gesprengt.





Groden

Mühle-5162.jpg

Die Grodener Mühle, auch Schütt´s Mühle war eine Bockwindmühle. Standort war der Alte Hadelner Seebandsdeich.
Wie auch die Mühlen in Döse und Ritzebüttel unterstand diese Mühe der Aufsicht des Amtmanns, d.h. sie gehörte der Stadt Hamburg. Um 1560 erbaut versah sie ihren Dienst bis in das 20. Jh. hinein. Die Mühle wurde am 14. April 1945 während des letzten Luftangriffes auf Cuxhaven durch eine Bombe zerstört.

Weiteres Bild s. u.




Lüdingworth

Muehle-Luedingworth-5163.jpg

Steffens Mühle, früher Bullenmühle, heute Betty, ist eine Turmholländermühle am Scheidungsweg in Lüdingworth. Sie wird im Jahre zuerst 1563 erwähnt und kann heute im Verlaufe der Niedersächsischen Mühlenstraße als einzige, noch erhaltene Cuxhavener Mühle, zumindest von außen besichtigt werden.
Aufnahmedatum unbekannt.






Weges Mühle.jpeg

Die Schedenhörner Mühle, heute besser bekannt als Weges Mühle, wurde in den Jahren 1835/1836 als Erdholländer mit Steert an der Norderscheidung, heute Scheidungsweg, gebaut und nach wechselvoller Geschichte im Jahre 1954 abgerissen.
Aufnahmedatum unbekannt.









Im Lüdingworther Westerende stand die so genannte Freudenmühle, benannt nach ihrem langjährigen Pächter von Freuden. Der Urprung der herrschaftlichen Bockwindmühle ist nicht bekannt. Sie bestand lt. einer Abgabenurkunde bereits im Jahre 1656.

Am 9. November 1701 wurde sie von einem Blitz getroffen und in Schutt und Asche gelegt. Der damalige Pächter Claus Karstens baute die Mühle nicht wieder auf. Über einen Neubau stritt man sich letztlich 95 Jahre, bis man sich dann entschied, eine Mühle am Wetternweg neu zu errichten (s. Eckhoff´sche Mühle).

Das stehengebliebene Müllerhaus wurde 1728 abgebrochen und an den Zollenbusch versetzt. Die Lokalität der ehemaligen Mühle ist heute die Lüdingworther Straße 18.



Mühle am Wetternweg.jpeg

1796 wurde die Eckhoff´sche Mühle, eine Galerieholländermühle mit Steert gegenüber dem ehemaligen Rabensteiler Krug (heute Kreuzung Autobahn 27 / Lüdingworther Straße) als Ersatz für die im Jahre 1701 durch Blitzschlag zerstörte "Freudenmühle" (s.o.) erbaut. Es war eine landesherrschaftliche Erbzinsmühle.

Als letzter Besitzer wird Jakob Eckhoff genannt. Nach ihm die Mühlenbezeichnung. Er erwarb diese Mühle im Jahre 1894 und betrieb sie bis zu seinem Tod 1910. Ihr Abriss erfolgt im Jahre 1920.

Aufnahmedatum unbekannt.








Oxstedt

Muehle-Oxstedt-5159.jpg

Das Bild zeigt die Oxstedter Mühle und die Gastwirtschaft Harms in Oxstedt, ein Erdholländer mit Steert.
Das Datum der Aufnahme ist nicht bekannt.





Ritzebüttel

Muehle Ritzebuettel 5198.jpg

Das um 1892 enstandene Bild zeigt die Fleckenmühle in der Deichstraße. Die Mühle wurde nach Reineke im Jahre 1526 erbaut.
Im April 1894 wurde die Mühle zerlegt und nach Klint verkauft, wo sie noch über Jahre Dienst tat.




Verwandte der Windmühle

Im Jahre 1577 wird in einem Ritzebütteler Steuerregister eine Mühlenwurt an der Nordersteinstraße erwähnt. Diese war vermutlich das Überbleibsel der zwischen 1559 und 1564 (so Borrmann. Bussler spricht hier von 1526) an die Deichstraße verlegten Fleckenmühle (s.o.). Grund für die Verlegung wird vermutlich die zunehmende Bebauung der Nordersteinstraße gewesen sein, was sich natürlich nachteilig auf die Windverhältnisse ausgewirkt haben muss, wärend das neu Gelände noch komplett brach lag. Möglicher Grund für Verlegung der Fleckenmühle nach außerhalb des Fleckens an eben diesen Standort mag aber auch die oben erwähnte Aufteilung von Mühlenbetrieb und Müllerhaus gewesen sein. Der Müller wohnte nach wie vor im Grodener Kirchspiel, wärend die Mühle im Döser Kirchspiel stand. Im Jahre 1535 war Döse als eigenständiges Kirchspiel von Altenwalde unabhängig geworden.



Aus dem Holz der alten Bockwindmühle an der Nordersteinstraße lässt der Amtmann Holthusen neben der neuen Fleckenmühle auch noch einen Göpel bauen, eine Pferde- oder Rossmühle. Ein überdachter ebenerdiger Mühlplatz mit dem Mahlwerk in der Mitte, angetrieben über einen langen Hebelbalken von einem rund-laufenen Pferd oder Ochsen. Auch diese Mühle findet sich im genannten Ritzebütteler Steuerregister. Nicht bekannt ist die Örtlichkeit, lediglich, dass sie sich im Hamburgischen, also im Amt Ritzebüttel befand.



Im Jahre 1846 erbaut der Bäckersohn Johann Peter Feldtmann auf dem Geländes des späteren Parkplatzes des ehemaligen Kaufhauses Hertie direkt an der Altenwalder Wettern die Feldtmann´sche Mühle, eine Dampfmühle, die er ein Jahr später in Betrieb nimmt. Nach kurzer wechselvoller Geschichte wird sie aufgegeben, demontiert und in Oxstedt wieder aufgestellt.



In Ritzebüttel hat auf einer Wurt am Hafenpriel, dem späteren Schleusenpriel, eine Ölmühle existiert. Diese wurde im Jahre 1567 von dem Amtspächter Balthasar von Meinßen errichtet, dem auch die Einkünfte zuflossen. Diese Einrichtung, von der das genaue Aussehen bisher nicht bekannt ist, verarbeitete Krabben und produzierte Ölkuchen. Die Lage am Priel war absichtlich gewählt, um einen Zwischentransport der Krabben zu vermeiden. Wann diese Einrichtung aufgegeben wurde, ist ebenfalls nicht bekannt.



Windmotor Duhnen 1.jpg

Um 1900 gab es in Duhnen auf dem Bauernhof Ernst Schumann, heute Hotel `Strandperle´, auf einer neuerbauten Scheune eine Dach-Windmühle. Entgegen seiner Bezeichnung war die Duhner ausschließlich als Antriebseinheit für die bäuerlichen Arbeitsgeräte bestimmt. Zu der Zeit war diese Art `Dachwindmühlen´ weit verbreitet im Norden. Ein Exemplar steht heute noch zwischen Skagen und Hirtshals in Dänemark (s.u.). Sie alle waren der Statik wegen nicht sehr hoch, jedoch hatten alle norddeutschen Dach-Windanlagen Jalousien und Windrose.

Um 1911 ist die `Mühle´ auf einer Ansichtskarte mit nur noch zwei Flügeln zu sehen. 1912 ist sie dann ganz verschwunden.

Weitere Bilder s.u.



Gerdts Mühlenbetrieb.jpg

In der Wilhelm-Heidsiek-Straße 25 befand sich der Mühlenbetrieb Max Gerdts KG. mit Verkauf von Getreide, Futter und Düngemitteln. Heute ist das Mühlengebäude als Wohnhaus ausgebaut.






In Altenwalde, Bahnhofstraße 24, heute ???, unterhielt der Mühlenbetrieb Max Gerdts KG. eine Futtermühle mit Auslieferungslager.



Lagekarten von 1877

Bilder