Deich

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Deich am Fährhafen (Landseite)
Deichquerschnitt

Ein Deich (v. niederdeutsch dik: ausgehobener/ausgestochener Teich) ist ein Bauwerk, das als künstlich aufgeschütteter Damm längs eines Fluss- oder Meerufers liegt.

Ein Deich schützt tieferliegendes Gelände gegen Überflutung oder in den meisten Fällen Land, das knapp über dem Meeresspiegel liegt, vor Sturmfluten oder Überschwemmungen.

Beschreibung

Deichbauten an den Küsten sind mittlerweile ausgeklügelte Systeme, die nicht nur aus dem Hauptdeich bestehen. Meist liegt vor dem Deich Deichvorland, das die Wellen bricht und den Ansturm des Wassers vermindert. Teilweise kann hier noch ein Überlauf- oder Sommerdeich liegen. Dieser ist relativ niedrig, so dass er nur geringere Fluten aufhält. Den schwereren Fluten, die an der deutschen Küste meist im Herbst, Winter oder Frühjahr vorkommen, ist er jedoch nicht gewachsen.

Der eigentliche Hauptdeich ist der größte Deich in der Reihe, auch bezeichnet als Winter-, See-, Schau-, oder Landschaftsschutzdeich. Die Wasserseite der Deiche ist flacher als die Landseite, um Wellen weniger Angriffsfläche zu bieten. Theodor Storm beschreibt dies anschaulich in seiner Novelle Der Schimmelreiter

„Vor dreißig Jahren ist der alte Deich gebrochen; dann rückwärts vor fünfunddreißig, und wiederum vor fünfundvierzig Jahren. ... Der neue Deich aber soll trotz solcher hundert und über hundert Jahre stehen; denn er wird nicht durchbrochen werden, weil der milde Abfall nach der Seeseite den Wellen keinen Angriffspunkt entgegenstellt.“

Deiche bestehen meist aus einem Sandkern, der von einer ein bis zwei Meter dicken Schicht aus bindigem Material, meist Kleiboden, bedeckt wird. Darauf wird zur Vermeidung von Erosion bzw. zur Erhöhung der Stabilität Gras angesät. Sowohl um die Grasnarbe kurz und dicht zu halten als auch um den Boden fest zu trampeln, werden Deiche oft von Schafen beweidet. Wenige Deiche an besonders gefährdeten Stellen haben eine Teerdecke. Die Deichhöhe ist von der jeweiligen Landschaft und Flutgefahr abhängig. Die Flussdeiche an der Elbe haben in bestimmten Abschnitten z. B. eine Höhe von 8 m, Seedeiche sind höher und teilweise über 100 m breit.

Muss der Deich direkt an der Wasserkante gebaut werden, so nennt er sich Schardeich. Sie sind wegen der besonderen Beanspruchung durch ständigen Wellenschlag zumindestens am Deichfuß besonders gesichert, z.B. durch Steinpackungen.

Die Landseite des Deiches muss einen Deichverteidigungsweg besitzen, auf dem zum Beispiel bei leckgeschlagenem Deich Sandsäcke herantransportiert werden können.

Weiter im Hinterland folgt in ländlichen Gegenden zumeist eine zweite Deichlinie, die aus Schlafdeichen besteht. Diese verhindern, dass nach einem Deichbruch größere Flächen überflutet werden. Zudem sind die Flächen zwischen erster und zweiter Deichlinie meist dünn besiedelt oder dienen an einigen Flüssen gleich als eventuell zu öffnendes Ausgleichsbecken, um den Wasserstand zu senken. An der Küste bricht das Ackerland weiter die Gewalt der Wellen und des Wassers. Schlafdeiche sind oft die alten Deiche der ehemaligen Küstenlinie, die durch Landgewinnung ins Binnenland gewandert sind.

Entwicklung der Deichprofile

Geschichte

Bis zum Mittelalter kannten die Menschen keinen Deichbau, sondern bauten ihre Häuser und Siedlungen auf Warften − aufgeschüttete Erdhügel. Die erste Deichform waren Ringdeiche, die sich um eine Siedlung oder einen Weideplatz für die Tiere schlossen. Im Laufe der Jahrhunderte wurden diese Deiche verbunden, bis sie eine gemeinsame Linie bildeten. Brachen sie, wurden weite Teile des Landes überflutet. Da diese Landesteile oftmals unterhalb des Meeresspiegels lagen, war es ein großes Problem, das Wasser wieder aus dem Land zu kriegen. Waren frühe Deiche oft kaum höher als zwei Meter, aber im Profil den heutigen Deichen ähnlich, wenn auch steiler, setzte sich im Spätmittelalter die Technik der Stackdeiche durch. Diese hatten eine aus Holz gefertigte vertikale Kante zur Wasserlinie, die sich oft mehrere Meter über das Watt erhob. Sie waren allerdings sowohl aufwändig im Bau als auch in der Pflege, zudem erwies sich, dass sie leichter unterspült werden konnten. Wenn die Wellen gegen den Stackdeich brandeten, spritzte das Wasser in die Höhe und prasselte auf den Deich nieder, so dass dieser schnell aufweichte und auskolkte. So wurden sie später aus Kostengründen alljährlich neu zum Winter mit Stroh bestrickt. Heute werden bei Bedarf massive Steinpackungen oder Asphaltierung eingesetzt.

Nach der Burchardiflut 1634 wechselte man an der deutschen und dänischen Küste wieder zu flacheren Deichen und begann, Deichbau und Entwässerung von kommerziellen Unternehmern leiten zu lassen, die mit Oktroy aus den Niederlanden nach Deutschland gelockt wurden. Als sich bei den Sturmfluten von 1717 und 1825 jeweils erwies, dass die Deiche zu niedrig waren, wurden sie an die neue Fluthöhe angepasst. Bei der Hamburg-Sturmflut von 1962 erwies sich, dass sie vielerorts immer noch zu niedrig waren.

Mussten Deiche früher noch von den Bewohnern der Küstengebiete selbst gebaut werden, so gehört der Küstenschutz in den industrialisierten Ländern seit der Industrialisierung zu den Staatsaufgaben.


Deichdienstpflichten

Im Stedinger Deichrecht von 1424 wurden säumige Deichhalter mit schrecklichen Strafen belegt. Wer zum Beispiel Bäume, die zum Schutz der Deiche gepflanzt waren, beschädigte, dem wurde die Hand abgehauen, wer seine Deichstrecke in schlechtem Zustand hielt, so das Verderben über das Land einbrach, wurde lebendig samt dem Holz und Steinen seines Hauses darin begraben. Wer mutwillig oder in boshafter Weise den Deich beschädigte, wurde verbrannt.

Aus der Bremischen Deichordnung von 1473: Jeder Besitzer eines Grundstücks hinter dem Deich ist dienstpflichtig und hat durch Hand- wie Spanndienste sowie Geldbeiträge an den Deichen mitzuarbeiten. Jeder, der am Deich arbeitet, muss sich eines ehrbaren Wandels befleißigen. Es darf niemand, solange am Deich gearbeitet wird, fluchen oder lästerliche Reden führen. Den Deichpflichten kann sich niemand entziehen. Aus dem friesischen entstammt der Spruch: "Wer nicht will deichen muss weichen". Wer sich nicht mehr in der Lage sah, sein Deichareal instand zu halten, der steckte zum Zeichen seiner Aufgabe den Spaten in den Deich und hatte damit Haus und Hof verwirkt.

Weblink

Liste der Deichverbände in Niedersachsen und Bremen

Deichverband Cuxhaven