Gräberfeld Waterpohl
Das Gräberfeld Waterpohl ist ein Urnengräberfeld der vorrömischen Eisenzeit in Cuxhaven-Berensch. Siehe auch Vorgeschichtspfad Berensch-Arensch
Inhaltsverzeichnis
Überblick
Das Gräberfeld »Waterpohl« in Berensch ist das größte bisher in Cuxhaven entdeckte Urnengräberfeld der jüngeren vorrömischen Eisenzeit. Es befindet sich in der Flur »Waterpohl« an der Oxstedter Straße und datiert in den Zeitraum des 2. und 1. Jahrhunderts v. Chr. Das Gräberfeld ist ein bedeutender archäologischer Fundplatz, der wichtige Einblicke in die Bestattungspraktiken und die materielle Kultur der damaligen Bevölkerung gibt.
Entdeckung und Ausgrabungen
Die erste Entdeckung erfolgte 1937 bei Ausschachtungsarbeiten für den Bau von zwei Zollhäusern an der Oxstedter Straße. Die Arbeiter stießen dabei auf Urnengräber und meldeten die Funde. Eine sofort eingeleitete Ausgrabung brachte über mehrere Wochen zahlreiche Grabgefäße zutage.
Weitere Bestattungen kamen 1972 bei der Anlage eines Entwässerungsgrabens sowie 1995 bei der Vorbereitung eines benachbarten Grundstücks für eine Bebauung zum Vorschein. Insgesamt wurden bislang 204 Urnen geborgen. Der Gräberfeldplan belegt, dass der Friedhof längst nicht vollständig erfasst worden ist – hauptsächlich im Bereich der alten Zollhäuser können weitere Bestattungen erwartet werden.
Bestattungspraktiken
Untersuchungen der Knochenaschen zeigten, dass hier Männer, Frauen und Kinder ihre letzte Ruhestätte fanden. Neben den Urnen mit Knochenasche gab es auch sogenannte »leere Gräber« – Gefäße, in denen die Knochenasche fehlte, stattdessen aber Beigaben lagen. Die Bedeutung dieser leeren Gräber ist unbekannt. Möglicherweise handelt es sich um symbolisch vorgenommene Bestattungen für Gemeinschaftsmitglieder, die in der Fremde verstorben sind.
Funde und Beigaben
Die aus »Waterpohl« überlieferten Urnen entsprechen den damals entlang der Nordseeküste von Ostfriesland über die Elbemündung bis nach Dänemark allgemein üblichen Grabgefäßen. Bei den Beigaben zeigen sich jedoch regionale Besonderheiten:
- Ohrringe, Gewandnadeln und Gürtel
- Fibeln (frühe Form der Sicherheitsnadel), die sich teilweise von anderen Regionen abheben
- Besonders hervorzuheben ist eine massive Fibel aus Bronze vom Typ Cuxhaven, die man hauptsächlich aus dem Elbemündungsgebiet kennt. Allein auf dem Gräberfeld »Waterpohl« konnten fünf solcher Objekte geborgen werden. Allem Anschein nach hat es im Raum Berensch eine lokale Werkstatt gegeben, die bevorzugt solche massiven Bronzefibeln herstellte.
Bedeutung und Nutzungsdauer
Die überlieferten Funde deuten an, dass das Gräberfeld »Waterpohl« wohl nur zwei bis drei Generationen lang genutzt wurde. Die relativ hohe Anzahl an Bestatteten lässt auf eine damals größere Bevölkerungszahl schließen. Die Funde zeugen von einer lokalen Bronzeverarbeitung und einem regen Austausch entlang der Nordseeküste.
Lage und heutige Situation
Das Gräberfeld befindet sich an der Berenscher Dorfstraße im Ortsteil Berensch des Cuxhavener Stadtteils Berensch-Arensch. Eine Hinweistafel des Touristik- und Bürgervereins Berensch-Arensch e.V. informiert vor Ort über die archäologische Bedeutung des Fundplatzes. Die Tafel zeigt Fotos der Ausgrabungen, einen Gesamtgrabungsplan sowie Zeichnungen der typischen Funde.
Literatur
- Wendowski-Schünemann, A. & Thees, T.: Berensch in der Vorrömischen Eisenzeit – Das Gräberfeld »Waterpohl«. Information panel (2011).
Hinweistafel an der Berenscher Dorfstraße
Karte
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