Lange, Diederich
Diederich Lange (in zeitgenössischen Quellen auch Dirick Lange) war in den Jahren 1525 bis 1530 Amtmann des hamburgischen Amtes Ritzebüttel an der Elbmündung. Seine Amtszeit fällt in eine Umbruchsphase: In genau diese Jahre datieren sowohl die Einführung der Reformation im Amt als auch eine Reihe von Vertretungen, die in den überlieferten Amtslisten eigens vermerkt sind.
Inhaltsverzeichnis
Person und Herkunft
Lange entstammte dem Hamburger Ratsherrenstand – wie nahezu alle Inhaber dieses Postens, der mit einer einzigen Ausnahme stets aus den Reihen des Hamburger Rates besetzt wurde. Die Hamburger Geschlechterchronik Dat Slechtbok von 1541 verzeichnet einen Dirick Lange, Ratsherr in Hamburg und Amtmann in Ritzebüttel, gestorben am 12. Juni 1530 in Ritzebüttel. Das Sterbedatum passt zum Ende der in den Listen geführten Amtszeit 1525–1530 und spricht dafür, dass Lange im Amt verstarb.
Das Amt und seine Stellung
Der Amtmann zu Ritzebüttel war seit 1400 der oberste Vertreter Hamburgs in der Exklave an der Elbmündung. In seiner Person vereinigten sich Verwaltung, Rechtsprechung und militärische Gewalt; sein Sitz war das Schloss Ritzebüttel. Die Amtszeiten waren im 16. Jahrhundert noch nicht reguliert — der Rat legte erst 1577 eine regelmäßige Dauer von sechs Jahren fest —, weshalb Vertretungen und Verwalterstellungen in dieser Zeit häufig vorkamen. Die Entfernung nach Hamburg (rund drei Tagesreisen) und die karge Lebensführung vor Ort machten den Posten bei den Hamburger Ratsherren wenig begehrt.
Amtszeit 1525–1530
Lange übernahm das Amt 1525 von Paul Peck (1519–1525). Seine Vorgänger in der hamburgischen Zeit des Amtes waren Gerhard von Holte (1513–1519) und davor Johann Holthusen (1505–1513). In seine Amtszeit fällt ein für die Region einschneidendes Ereignis: die Einführung der Reformation, die 1529 — im selben Jahr wie in Hamburg — auch im Amt Ritzebüttel wirksam wurde. Die Schlosskapelle war noch 1513 mit einem katholischen Priester besetzt worden; Seelenmessen wurden bis 1521 gelesen und dann eingestellt. Die Kirchenerneuerung erreichte das Amt über Hadeln und die Grödener Kirche und wird in der Literatur ausdrücklich mit der Amtszeit Diederich Langes und seiner Nachfolger verbunden.
Die Vertretungen
Für die Amtszeit Langes sind in der von Hermann Borrmann erstellten Amtsliste — die auch die Cuxpedia- und Stadtarchiv-Darstellungen übernehmen — zwei Vertreter für das Jahr 1529 ausgewiesen:
Jahr Vertreter Zeitraum
- 1525–1530 Diederich Lange (Amtmann) volle Amtszeit
- 1529 Joachim Moller Vertretung
- 1529 Heinrich Ritzer Vertretung
Beide Vertretungen fallen auffällig in dasselbe Jahr, in dem die Reformation im Amt eingeführt wurde, und unmittelbar vor Langes Tod 1530. Über die genauen Umstände — Abwesenheit, Krankheit oder Wahrnehmung von Pflichten in Hamburg — geben die überlieferten Listen nichts her. Joachim Moller entstammte ebenfalls dem Hamburger Rat und war ein Förderer der Reformation; er wurde 1537 vom englischen König und 1541 vom Kaiser geadelt und amtierte später selbst als Amtmann (1549–1558). Heinrich Ritzer tritt in den Quellen allein als Vertreter des Jahres 1529 in Erscheinung.
Zu unterscheiden von diesen Vertretungen ist die Nachfolgeregelung nach Langes Tod: Für die Jahre 1531–1534 ist Joachim Lange als Verweser im Amt Ritzebüttel belegt. Nach Friedrich Adolf Beckers Liste war Joachim Lange der Sohn Diederich Langes; andere Listen (Grandauer/Klasing/Obst) führen ihn schlicht als Amtsinhaber 1530–1534. Der Unterschied in der Bezeichnung — Vertreter gegenüber Verweser — ist dabei durchaus bedeutsam: Der Verweser führte die Amtsgeschäfte vorläufig weiter, bis mit Jürgen Plate (1534–1542) wieder ein regulär bestellter Amtmann die Nachfolge antrat.
Einordnung
Langes Amtszeit steht am Übergang zwischen der spätmittelalterlichen und der frühneuzeitlichen Verwaltung des Amtes. Seine fünf Jahre sind vor allem durch drei Merkmale gekennzeichnet: die Reformationseinführung von 1529, die auffällige Häufung von Vertretungen im selben Jahr und die familiäre Kontinuität über seinen Sohn Joachim, der das Amt nach seinem Tod kommissarisch weiterführte.
Quellenlage
Die Amtslisten zu Ritzebüttel liegen in mehreren, teils voneinander abweichenden Fassungen vor — nach Hermann Borrmann, nach Grandauer/Klasing/Obst und nach Friedrich Adolf Becker. Sie stimmen für Lange in der Amtszeit 1525–1530 überein, unterscheiden sich aber in der Bewertung seines Nachfolgers (Sohn und Verweser gegenüber regulärem Amtmann). Die hier genannten Vertretungen von 1529 stützen sich auf Borrmanns Liste, die auch Wikipedia („Liste der Amtmänner von Ritzebüttel“) wiedergeben.
| Vorgänger | Amt | Nachfolger |
| Paul Peck | Amtmann von Ritzebüttel (1525 - 1530) |
Jürgen Plate |