Schipbarg (archäologischer Fundplatz)
Die ehemalige Siedlung »Schippbarg« (auch: »Schipbarg«) ist ein bedeutender archäologischer Fundplatz im Ortsteil Berensch des Cuxhavener Stadtteils Berensch-Arensch. Er umfasst einen bronzezeitlichen Grabhügel sowie Reste einer Siedlung, die von der jüngeren Bronzezeit über die Römische Kaiserzeit bis in die frühen nachchristlichen Jahrhunderte belegt ist. Der Fundplatz liegt nördlich des Dorfes Berensch und ist heute Teil des Vorgeschichtspfads Berensch-Arensch.
Inhaltsverzeichnis
Name und Lage
Der alte Flurname »Schippbarg« (oder »Schipbarg«) bedeutet im Mittelhochdeutschen »Schiffsberg«. Dies veranlasste heimische Heimatforscher zu Spekulationen, nach denen die Gründer von Arensch und Berensch an dieser Stelle mit einem Schiff gestrandet sein sollen. Diese Sage ist allerdings weder durch Befunde noch durch Urkunden belegt. Die Flurnamen »Schipbarg« und »Schipbargstücken« erinnern dennoch an diese Überlieferung.
Die Straße »Schipbarg« in Berensch wurde 1999 auf Vorschlag des Ortsvorstehers Osterndorf durch Ratsbeschluss benannt. Der Fundplatz selbst liegt in der Nähe dieser Straße, auf dem gegenüberliegenden Ackerland.
Entdeckung und Ausgrabungen
Beim Pflügen auf dem gegenüberliegenden Ackerland traten immer wieder Keramikscherben an die Oberfläche, die darauf schließen ließen, dass hier ein Fundplatz vorhanden ist. Es stellte sich die Frage, ob es sich um einen durch das Pflügen zerstörten Urnenfriedhof handelte oder ob hier früher einmal Häuser einer Siedlung standen, bei der die Kulturschichten mit Keramikscherben an die Oberfläche gelangten.
Zur Überprüfung der Fundplatzsituation führte die Stadtarchäologie Cuxhaven 1994 eine Prospektionsgrabung durch. Auf zwei Flächen von jeweils rund 100 Quadratmetern Größe konnten tatsächlich Reste der vermuteten Siedlung aufgedeckt werden. Das Fehlen von verbrannten Knochenstückchen ließ vermuten, dass es sich um Reste einer längst vergangenen Siedlung handelt und nicht um ein Gräberfeld.
Befunde
Die archäologischen Untersuchungen erbrachten folgende wichtige Befunde:
- Eine Hausecke mit zahlreichen Pfostengruben und Wandgräbchen, die sich als dunkle Verfärbung im hellen Sandboden zu erkennen gaben
- In einigem Abstand weitere Pfostengruben anderer Gebäude oder Speicher
- Zaunreste
- Holzkohlestückchen, die über eine Radiokohlenstoff-Datierung zeitlich bestimmbar waren
Die freigelegten Gebäudereste zeigten sich als dunkle Verfärbungen in der Grabungsfläche. Der frei rekonstruierte Hausgrundriss weist eine Länge von etwa 25 Metern und eine Breite von etwa 8 Metern auf. Das Gebäude gliederte sich in einen Wohnteil, einen Wirtschaftsteil und einen Stall.
Datierung
Die Datierung des Fundplatzes ergab ein überraschendes Ergebnis: Während die Keramikscherben die Siedlung in die Zeit der ersten nachchristlichen Jahrhunderte datierten, wiesen zwei Holzkohleproben eine deutlich ältere Zeitstellung auf. Sie gehören in die jüngere Bronzezeit (etwa 1000 v. Chr.). Dies deutet darauf hin, dass der Fundplatz über einen sehr langen Zeitraum hinweg – von der Bronzezeit bis in die Römische Kaiserzeit und möglicherweise darüber hinaus – immer wieder besiedelt wurde.
Die erheblichen Unterschiede in der Datierung und die aufgefundenen Keramikscherben lassen einen Siedlungsablauf erkennen: Während der jüngeren Bronzezeit standen an dieser Stelle einige Häuser, in denen Menschen lebten, die ihre Verstorbenen wahrscheinlich im nahe gelegenen Grabhügel Schippbarg bestattet haben, der selbst bislang nicht untersucht wurde. Rund 1000 Jahre später errichtete man an genau der gleichen Stelle wieder Gebäude, sodass es zur Überschneidung der alten und der neuen Hausgrundrisse gekommen ist. Der Grabungsausschnitt war allerdings zu klein, um die verschiedenen Gebäudegrundrisse deutlich voneinander zu trennen.
Der Grabhügel
Der bronzezeitliche Grabhügel »Schippbarg« selbst ist bislang nicht archäologisch untersucht worden. Er steht jedoch in unmittelbarer Nähe zur Siedlung und diente vermutlich als Bestattungsplatz für die Bewohner der bronzezeitlichen Siedlung. Der Hügel steht unter Denkmalschutz und ist ein wichtiges Zeugnis der frühen Besiedlung der Region.
Der Grabhügel befindet sich ca. 380 m nordöstlich der Arenscher Straße unmittelbar nördlich eines Feldweges. Er hat einen Durchmesser von ca. 19 m und einer erhaltenen Höhe von ca. 1,5 m. Frühere Eingrabungen (Trichter) wurden neuzeitlich aufgefüllt. Die Randbereiche sind stark abgeflossen. Der Hügelaufbau besteht aus Heideplaggen.
Bedeutung
Die Siedlung »Schippbarg« ist von besonderer Bedeutung für die Archäologie des Landkreises Cuxhaven, da sie eine nahezu lückenlose Besiedlung über mehr als 1000 Jahre belegt – von der Bronzezeit über die vorrömische Eisenzeit bis in die Römische Kaiserzeit. Die guten Erhaltungsbedingungen im Sandboden bieten Potential für zukünftige Siedlungsforschungen. Die Überlagerung verschiedener Siedlungsphasen an einem Ort ist typisch für die Region und zeigt, wie attraktiv die Lage für die damalige Landwirtschaft war.
Heutige Situation
Der Fundplatz ist heute Teil des Vorgeschichtspfads Berensch-Arensch. Eine Informationstafel des Touristik- und Bürgervereins Berensch-Arensch e.V. informiert vor Ort über die archäologischen Befunde. Die Tafel zeigt Fotos der Ausgrabungen von 1994, Zeichnungen der Keramikfunde sowie einen rekonstruierten Hausgrundriss. Sie wurde 2011 in Zusammenarbeit mit der Stadtarchäologie (A. Wendowski-Schünemann) und dem Stadtarchiv (T. Thees) mit Unterstützung der Stadtsparkasse Cuxhaven erstellt.
Bilder
Literatur
- Wendowski-Schünemann, A. & Thees, T.: Berensch um die Zeitenwende – Die Siedlung »Schippbarg« mit Grabhügel. Information panel (2011).
Karte
Kartendaten ©OpenStreetMap contributors - Open Database License (ODbL)