Cuxpedia sucht Bilder aus Ihrem Fotoalbum. Sie können uns helfen. Mehr...

Von Kroghe, Hinrich

Aus cuxpedia
Wechseln zu: Navigation, Suche

Hinrich von Kroghe war in den Jahren 1578 bis 1579 Amtmann des hamburgischen Amtes Ritzebüttel und damit oberster Vertreter der Stadt Hamburg an der Elbmündung auf dem Gebiet des heutigen Cuxhaven. Über ihn ist nur wenig überliefert — kein Porträt, keine eigene Chronik, kein Grabstein mit lesbarer Inschrift. Was von ihm bleibt, sind Einträge in Amtslisten und ein Name, der in zwei verschiedenen Funktionen auftaucht.

Die Quellenlage

Wer über Hinrich von Kroghe schreiben will, stützt sich zwangsläufig auf die Amtslisten des Schlosses Ritzebüttel. Die wichtigsten Zusammenstellungen stammen von Hermann Borrmann, dessen Daten zur Geschichte des Amtes Ritzebüttel und der Stadt Cuxhaven (1982) die Amtsfolge rekonstruiert hat, sowie von Grandauer, Klasing und Obst, deren Listen bisweilen abweichende Schreibweisen und Jahresgrenzen führen. Die drei Überlieferungsstränge stimmen in der Kernaussage überein — Kroghe stand dem Amt 1578/79 vor — weichen im Detail aber voneinander ab. Genau diese Abweichungen sind das eigentlich Aufschlussreiche an seiner Biografie.

Vom Vertreter zum Amtmann

Kroghe erscheint in den Listen zweimal. Zum ersten Mal 1563, als Vertreter des damaligen Amtmanns Joachim Holthusen. Holthusen, der das Amt von 1559 bis 1564 innehatte und es zugleich als Pächter bewirtschaftete, ließ sich in seiner Abwesenheit vertreten — eine für Ritzebüttel typische Praxis, denn die Reise von Hamburg dauerte knapp drei Tage und die Amtmänner waren in der Regel Hamburger Ratsherren mit Verpflichtungen in der Stadt.

Rund fünfzehn Jahre später, 1578, wurde Kroghe selbst zum Amtmann bestellt. Die Amtsübernahme fiel in eine unruhige Phase: Sein Vorgänger Hinrich von Holte hatte das Amt 1577/78 nur kurz geführt, im Januar 1578 war ein Verweser namens Jürgen von Holte eingesprungen, und von Januar bis Mai 1578 verwaltete Jürgen Guerdes das Amt kommissarisch. Ritzebüttel war in diesen Jahren keine stabile Personalstelle, sondern ein Posten, der immer wieder interimistisch besetzt werden musste.

Die Erben und das Ende der Amtszeit

Kroghes Amtszeit endete früh und auf eine Weise, die sich aus der Überlieferung nur indirekt erschließen lässt. Für Februar bis April 1579 verzeichnen die Listen als Verweser die „Erben des Hinrich von Kroghe". Das ist ein bemerkenswerter Eintrag: Nicht ein Nachfolger wurde benannt, sondern die Erbengemeinschaft führte die Amtsgeschäfte weiter. Der naheliegende Schluss ist, dass Kroghe im Amt oder unmittelbar danach starb — ein genaues Datum nennt keine der herangezogenen Listen.

Erst 1579 übernahm Jacob Sylm (in anderer Schreibweise Silm) die Nachfolge. Auch dessen Amtszeit war von Unterbrechungen geprägt: Während einer längeren Erkrankung Sylms führten Christoph von Holte und Jürgen Guerdes die Geschäfte. Guerdes taucht in dieser Zeit ohnehin auffällig oft auf — er scheint über Jahre hinweg der Mann gewesen zu sein, der in Ritzebüttel ein sprang, wenn ein Amtmann ausfiel.

Ein Name, zwei Schreibweisen

Die Listen führen den Namen in unterschiedlichen Formen: Hinrich von Kroghe, Hinrich vom Kroge, Hinrich vom Kroghe. Das ist für das 16. Jahrhundert normal und kein Widerspruch — Familiennamen waren noch nicht standardisiert, und die Amtslisten wurden über Jahrhunderte hinweg aus verschiedenen Vorlagen zusammengeschrieben.

Verwechslungsgefahr besteht allerdings mit einem früheren Träger desselben Namens: Evert van Kroghe (auch E. vom Kroghe) war bereits 1477 bis 1483 Amtmann zu Ritzebüttel, also rund hundert Jahre vor Hinrich. Ob die beiden verwandt waren, lässt sich aus den Amtslisten nicht belegen. Der Namensbestandteil „von" deutet auf ein Geschlecht mit ritterlichem oder zumindest grundherrlichem Hintergrund hin, doch die Hamburger Amtslisten nennen für diese Zeit überwiegend Ratsherren — eine gesicherte Zuschreibung der Herkunft Hinrich von Kroghes ist auf dieser Quellengrundlage nicht möglich.

Was das Amt bedeutete

Um Kroghes Amtsführung einzuordnen, hilft ein Blick auf die Stellung des Amtes. Der Amtmann von Ritzebüttel vereinigte Verwaltung, Rechtsprechung und militärische Gewalt in einer Person; sein Sitz war das Schloss Ritzebüttel. Der Historiker Heinrich von Treitschke charakterisierte ihn später zugespitzt als einen „Proconsul" — eine historische Zuschreibung, keine Amtsbezeichnung. Die Amtsdauer war ursprünglich auf sechs Jahre angelegt, konnte aber auf acht, neun oder zwölf Jahre verlängert werden.

Dass Kroghe diese Stellung nur kurz und in einer Phase häufiger Vakanzen ausübte, macht ihn zu einer Randfigur der Ritzebütteler Amtsgeschichte — im Gegensatz zu Namen wie Barthold Hinrich Brockes (Amtmann 1735–1741), Amandus Augustus Abendroth oder Gustav Heinrich Kirchenpauer, die ausführlich dokumentiert sind. Ein eigener Artikel zu Kroghe muss sich damit begnügen, was die Amtslisten hergeben: eine Vertretung 1563, eine Amtszeit 1578/79, ein Ende, das nur über die Erben fassbar wird.

Quellen

Die Angaben stützen sich auf die

  • Liste der Amtmänner von Ritzebüttel (mit den Listen nach Hermann Borrmann sowie nach Grandauer/Klasing/Obst),
  • Ergiebig für den weiteren Hintergrund ist außerdem Hermann Borrmanns Daten zur Geschichte des Amtes Ritzebüttel und der Stadt Cuxhaven (Cuxhaven 1982).
Vorgänger Amt Nachfolger
Hinrich von Holte Amtmann von Ritzebüttel

(1578 - 1579)

Jacob Sylm