Johannesbrunnen

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Johannesbrunnen, Brunnenstube von Westen gesehen
Kartenauschnitt der Wingst mit Lage des ehem. Johannesbrunnen

Der Johannesbrunnen ist ein ehemaliger in der Wingst gelegener Heilbrunnen.

1613 erwähnt ein Superintendent Rothbart erstmals den westlich am Fuß des Solerberges gelegenen Brunnen, auch Jehannisbrunnen genannt.

Seine Wirkung muss weit bekannt gewesen sein, denn er wurde besucht aus Hamburg, Hannover, Celle, Braunschweig, Magdeburg. In der Hauptsache natürlich aus dem Raum Hadeln. Der Dichter Nicolaus Bär (s.u.) erwähnt sogar Kunden aus Holland und England, was aber möglicherweise Dichtung ist.

Leider soll auch so mancher durch das Trinken des eiskalten Wassers zu Tode gekommen sein. Dem Wasser wurde Heilung bei leiblicher Krankheit, sowie auch bei Besessenheit durch den Teufel zugesagt; natürlich hauptsächlich in der Johannesnacht. Besonders da war der Andrang teilweise so groß, dass es regelmäßig Verletzte durch Raufereien gab, sodass Nummernkarten ausgegeben werden mussten. Ja es wurde sogar ein Aufseher abgestellt, um für Ordnung und Reihenfolge zu sorgen.

Wahrscheinlich war das ganze recht lukrativ. Im Jahre 1712 kosteten "12 Boutiellen einen Schilling und 2 bis 3 Quartier vier leichte Pfennige".

Am Brunnen wurde vom Cadenberger Pastor Andacht gehalten. Der letzte soll Pastor Olbers, 1599 - 1616 gewesen sein.

Nach 1820 ist der Brunnen versiegt. Man vermutet heute, dass er sich nach der Sturmflut vom 3./4. Februar 1825 gemeinsam mit noch zwei anderen Brunnen in Ellerbruch verabschiedet hat. Vor der Sturmflut hatte es tagelang geregnet. Der Druck dieser Wassermassen auf den durchnässten Boden könnte Erdverschiebungen zur Folge gehabt haben.

Vor 1950 war lt. Augenzeugenbericht die Quellfassung gemauert und mit einer hölzernen Überdachung versehen. Heute findet sich die Brunnenstube nur noch als Vertiefung im Gelände, ähnlich einem kleinen Krater.

Der Dichter Nicolaus Bär, geboren 1639 in Oppeln, heute Wingst, lebte später in Bremen als Domkantor. Er veröffendlichte 1705 in der "Gottgeheiligten Brunnen-Andacht" unter anderem ein Gedicht über den Johannisbrunnen:


Der Brunn im Herzogthum / der in der Wingst entsprungen
Ist längst mit seinem Ruhm durch manches Land gedrungen
Es ist ein süßer Brunn bey dem ein blinder Mann
In heißer Sommer-Zeit die Bet-Stund stellet´ an.
Die Predigt / die er hatt´ in Baßbeeck eingenommen
Die wiederholet´ er daselbst / zu seinem Frommen
Ohn Anstoß hielt er sie / und zwar von Wort zu Wort
Samt Disposition, an diesem Brunnen-Ort.
Von Holland / England / da kamen Patienten
Zu brauchen sich der Cur, des Wassers Elementen
Die Krüppel ihre Krück´ am Brunnen ließen stehn
Als sie gesund und frisch von dannen können gehn.