Plate, Jürgen: Unterschied zwischen den Versionen
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Aktuelle Version vom 27. September 2026, 14:01 Uhr
Jürgen Plate – war von 1534 bis 1542 Amtmann zu Ritzebüttel und damit oberster Vertreter der Stadt Hamburg im hamburgischen Amt Ritzebüttel.
Inhaltsverzeichnis
Ein Hamburger Ratsherr in der Fremde
Die Amtmänner von Ritzebüttel kamen seit 1400 in aller Regel aus dem Hamburger Rat, später aus dem Senat. Plate reiht sich in diese Tradition ein: Sein Name erscheint in der Hamburger Überlieferung auch in ganz anderem Zusammenhang – er wurde später Bürgermeister der Stadt: In der Liste der Hamburger Bürgermeister ist er für die Jahre 1546–1557 verzeichnet, sein Todesjahr wird mit 1557 angegeben. Er war also kein lokaler Verwalter, sondern ein Mann aus der politischen Führungsschicht der Kaufmannsrepublik, der die Jahre an der Elbmündung als Abschnitt einer Ratskarriere absolvierte.
Über Herkunft, Familie und Ausbildung Plates ist in der überlieferten Literatur wenig zu finden. Anders als bei prominenteren Amtmännern wie Barthold Heinrich Brockes (18. Jahrhundert) oder Gustav Heinrich Kirchenpauer (19. Jahrhundert) gibt es keine überlieferte Biografie, keine Selbstzeugnisse, keine bekannte Porträtüberlieferung. Auch die literarische Würdigung fehlt: Die Ritzebütteler Amtmänner-Geschichte, wie sie etwa das Schloss heute präsentiert, stellt drei Juristen aus der langen Reihe vor – Plate gehört nicht dazu.
Die Vorbehalte und der Zustand des Amtes
Plates Amtszeit war nicht die erste Wahl. Vor ihm hatte Diederich Lange das Amt von 1525 bis 1530 geführt. Nach dessen Ausscheiden wurde der Posten nicht sofort regulär besetzt: Für 1529 sind die Vertreter Joachim Moller und Heinrich Ritzer belegt, von 1531 bis 1534 fungierte Joachim Lange als Verweser. Erst 1534 wurde die Stelle mit Jürgen Plate wieder vollwertig besetzt.
Was er vorfand, war ein abgelegenes Amt mit schwieriger Infrastruktur. Der Weg von Hamburg nach Ritzebüttel war eine Reise von mehreren Tagen – die Überlieferung spricht von drei Tagen –, und die Verbindung zwischen Stadt und Außenposten blieb bis in die Neuzeit beschwerlich. Der Amtmann handelte deshalb mit großem Spielraum: Er vereinigte Verwaltung, Rechtsprechung und militärische Gewalt in seiner Person. Der Historiker Heinrich von Treitschke hat diese Stellung später zugespitzt als die eines „Proconsul“ im Schloss Ritzebüttel beschrieben, und Kirchenpauer, der letzte Amtmann, sprach von einem „Duodezkönig“, der „fast alles allein und auf eigene Faust abmachen“ müsse.
Die Jahre der Reformation
Plates Amtszeit fiel in eine Epoche des Umbruchs. Die Reformation war im Amt Ritzebüttel bereits vor seiner Zeit angekommen: Sie wurde unter seinem Vorgänger Diederich Lange eingeführt, nachdem die Kirchenerneuerung über Hadeln und die Grödener Kirche in das Amt gelangt war. Während Plate in Ritzebüttel residierte – die Jahrzehnte zwischen 1530 und 1540 –, veränderte sich auch das kirchliche Leben in Hamburg grundlegend: 1530 wurde das Nonnenkloster zu Harvestehude niedergerissen, die Nonnen traten zur evangelischen Kirche über.
Ein katholischer Priester hatte in der Schlosskapelle zu Ritzebüttel noch 1513 seinen Dienst versehen; dieser Zustand gehörte endgültig der Vergangenheit an. Plate hatte also das Ergebnis eines Übergangs zu verwalten, der zu Lebzeiten seiner unmittelbaren Vorgänger begonnen hatte.
Baustelle und Bollwerk
In die erste Hälfte des 16. Jahrhunderts fiel auch der Ausbau des Schlosses und seiner Wehranlagen. Hamburg modernisierte die Befestigungen am Schloss mit großem Kostenaufwand, um den Fortschritten der Kriegstechnik Rechnung zu tragen. Der Amtmann vor Ort war in solche Maßnahmen eingebunden, auch wenn die Entscheidungen in der Stadt fielen. Zusammen mit dem Amt hatte Plate dafür zu sorgen, dass der hamburgische Vorposten an der Elbmündung seiner Aufgabe gerecht wurde – als Posten zur Sicherung der Schifffahrt auf der Unterelbe, den Hamburg seit 1357 gesucht und mit dem Erwerb von 1394 gefunden hatte.
Was bleibt – und was fehlt
Über Plate lässt sich mit den verfügbaren Quellen nicht viel mehr sagen. Die Angaben zu seiner Amtszeit sind uneinheitlich: Die auf Hermann Borrmann und die auf Grandauer, Klasing und Obst zurückgehende Zählung nennen 1534–1542, die auf Friedrich Adolf Becker zurückgehende wie die Cuxpedia-Übersicht 1534–1541. Beide Reihen führen als Nachfolger Vincent Moller (1542–1550 bzw. 1541–1549).
Für die Jahre, in denen Hamburg das Amt zeitweise verpachtete und 1577 schließlich eine feste Amtszeit von sechs Jahren einführte, ist Plate also ein typischer Vertreter einer Übergangszeit: ein Ratsherr, der ein fernes kleines Reich verwaltete, das ihm über Jahrhunderte hinweg zu einem sehr eigenen Selbstverständnis verholfen hat. Wer mehr über ihn erfahren will, muss auf archivalische Bestände zurückgreifen – die Amtsakten und Ratsprotokolle der Jahre 1534 bis 1542 und die Kirchenbücher der Region. Die gängige Regionalgeschichtsschreibung hat ihn als Namen in einer Liste bewahrt, nicht als Gestalt.
| Vorgänger | Amt | Nachfolger |
| Diederich Lange | Amtmann von Ritzebüttel (1534 - 1542) |
Vincent Moller |