Frauenwohnheim

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Frauenwohnheim im Elfenweg
Hinweistafel am Gebäude

Das Frauenwohnheim war ein Wohnheim im Elfenweg

Das von den Cuxhavenern auch "Dreihundertmäderlhaus" Frauenheim am Elfenweg wurde im Oktober 1926 eröffnet.

Anfang der zwanziger Jahre erlebte der Fischereistandort Cuxhaven einen ungeahnten Aufwind. Der Fischereihafen wurde erweitert, neue Industriebetriebe siedelten sich an. Da in Cuxhaven nicht genügend Arbeitskräfte zur Verfügung standen, wurden Frauen aus den Bereichen Gelsenkirchen und Burgdorf an die Nordsee gelockt.

Auf der Suche nach Unterkünften stieß man auf ein paar leere Baracken des ehemaligen Luftschiffhafens Nordholz. Außerdem kamen die Frauen in Privatpensionen unter.

Doch diese Lösung war nicht von Dauer, so erfolgte am 14. Mai 1926 die Grundsteinlegung zum Bau eines Frauenwohnheimes. Am 1. April 1926 wurde unter der Leitung von Carl Schmidt, Inhaber der Firma Schmidt & Co., die Cuxhavener Heimgesellschaft ins Leben gerufen. Bereits im Oktober konnte das neu erbaute Frauenheim seiner Bestimmung übergeben werden, die Einweihungsfeier war am 13. November 1926. 280 Betten standen zunächst im Frauenheim. Darüber hinaus gab es einen Leseraum, ein Schreib- und ein Arztzimmer und einen Speisesaal.

Die Belegung wechselte mit der Saison. Von Juli bis November war das Heim stets bis an seine Kapazitätsgrenzen belegt, in den übrigen Monaten weniger. Ausschließlich Frauen und Mädchen, die in der Fischindustrie ihren Lebensunterhalt verdienten, lebten in dem Frauenheim. Sie kamen aus dem Ruhrgebiet, aus Westfalen (vor allem aus der Gelsenkirchener Gegend) und Thüringen, später sogar aus der Tschechei und dem Burgenland.

Im Laufe der Jahre wurde die Anzahl der Betten auf 410 erhöht. Sie verteilten sich auf 80 Zimmer. Allerdings war das Frauenheim zeitweise nur zur Hälfte belegt - Ursache waren die saisonbedingten Schwankungen in der Fischindustrie. Später wurde das Heim ein "Haus der Nationen". 1966 lebten 345 Frauen in dem Gebäude - davon nur vier Deutsche.

1970 änderte sich das Bild. Die ausländischen Arbeiterinnen zogen es vor, in private Wohnungen zu ziehen. Am 1. Dezember 1973 trat außerdem der Anwerbestopp in Kraft. Die Entwicklung in der Fischindustrie ging bergab, es kam zu Entlassungen. Die Folge: das Frauenheim am Elfenweg war nicht mehr ausreichend belegt. Ende 1975 musste das Heim schließlich geschlossen werden, die Heimgesellschaft wurde liquidiert.

Nach 1975 zog ein Teil der Verwaltung des Landkreises in das Gebäude. Heute beherbergt das Gebäude das staatliche Gewerbeaufsichtsamt.

Bericht von 1927

In Cuxhaven fehlte es so gut wie völlig an Unterkunftsgelegenheiten für die zahlreichen in der Fischindustrie beschäftigten, überwiegend weiblichen Arbeiter. Die Notbehelfe, zu denen gegriffen wurde, bargen für die Arbeiterinnen mannigfache Gefahren in wirtschaftlicher, gesundheitlicher und sittlicher Hinsicht. Bereits anfangs 1924, als den Interessenten die Frage der Unterbringung der weiblichen Arbeiterinnen in geeigneten Wohnräumen lebhaft beschäftigte, wurde von dem Landherrn angeregt, Ledigenheime zu errichten. Damals konnten die Interessenten der Fischindustrie wegen der hohen Kosten sich dazu noch nicht entscheiden. Doch weiter Erfahrungen ließen den Gedanken des Landherrn schnell reifen. Bereits 2 Jahre später wurde eine Gemeinnützige Heimgeschellschaft m.b.H. mit einem Stammkapital von 50.000 Mark gegründet, die sofort den Bau eines Frauenheimes mit 300 Betten beschloß. Die Baukosten in Höhe von 300.000 Mark sollten durch Aufnahme von Darlehen aufgebracht werden. Die Sparkasse des Amtes Ritzebüttel erklärte sich bereit, 40.000 Mark, die Landesversicherungsanstalt 60.000 Mark und die Stadtcuxhaven 100.000 Mark zu geben, die von der Bürgerschaft bewilligt wurden. Der Grundstein zu dem Gebäude wurde am 14. Mai 1926 gelegt, und am 13. November 1918 konnte bereits die Einweihungsfeier stattfinden. Das Frauenheim gehört nicht nur zu den schönsten Gebäuden, die in den letzten Jahren in Cuxhaven errichtet worden sind, sondern das Heim ist im Innern so ausgestattet, dass die Bewohner sich darin wirklich wohl fühlen können.

Quelle: Bericht über Tätigkeit der Sozialdemokratie in der Bürgerschaft und in der Verwaltung des hamburgischen Staates 1924-1927

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