Notgeld

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Notgeld

Notgeld war eine Geldersatzlösung nach dem 1. Weltkrieg.

Im und nach dem 1. Weltkrieg kam es in ganz Deutschland zu einer drastischen Verknappung von Hartgeld. Um dem zu begegnen und damit den Handel am Laufen zu halten, wurden zahlreiche verschiedene `Währungen´ eingeführt; vom Staat, aber auch unter der Hand. Als Notgeld fungierten Briefmarken und auch Naturalien für Hamsterfahrten, zur Währung wurde aber auch Leder, Metall und Porzellan. Traurige Bekanntheit als Naturalwährung erlangten Silberbestecke, Pelze oder Teppiche für einen Beutel Obst oder eine Handvoll Fische. "Aber unser `Flaggschipp´ roch wie ein Fischdampfer. wenn 2000 hungernde Hamsterer ihre Bügeleisen, Operngläser, Briefmarkenalben oder Geigen gegen ein paar Heringen, Fischöl oder Transeife eingetauscht hatten". (Originalzitat Otto Uken, Kapitän der Jan Molsen (siehe da)). Besonders nach dem 2. Weltkrieg galt weitgehend die Zigarettenwährung: Einzelne Zigaretten, Schachtel-, Stangenweise.

Offiziell gab es das gedruckte Notgeld, ausgestellt von Staat, Gemeinden und sogar Betrieben. Es waren kleine, meist bunte, künstlerisch gestaltete Geldscheine in kleiner Währung. So wird im Dezember 1919 von der Stadt Cuxhaven der erste Notgeldschein ausgegeben. Sein Betrag: 25 Pfennige. Dazu kommen andere kleinwertige Scheine. Sie waren nummerisch erfasst, abgezeichnet vom damaligen Bürgermeister Max Bleicken, abgesichert von der Stadtkasse und begrenzt gültig. War die Erstausgabe von 1919 noch auf den 31. Dezember 1921 begrenzt, so waren die nachfolgenden Scheine bereits bis auf Widerruf ausgegeben.

Notgeld

Mit der Hyperinflation 1923 wuchsen die Beträge dann sprunghaft ins Unermessliche, sodass die Druckereien in Verzug gerieten. Am 24. August 1923 vermeldet die Cuxhavener Ortszeitung `Alte Liebe´, dass das Monatseinkommen einer Familie mit zwei Kindern bei 85 Mio. RM liegt. Ein Pfund gekochtes Freibank-Schweinefleisch kostet lt. einem Zeitungsinserat 270.000 RM. Kosten für ein Pfund Brot: 1. November 1923 = 3 Mia, 15. November = 80 Mia, 1. Dezember = 260 Mia..

Gleichzeitig tritt am 1. Dezember d. J. der Umtausch des mittlerweile wertlosen Papiergeldes gegen Gold- oder Rentenmark in Kraft. 1 Billion = 1. Mit dieser Währungsreform tritt endlich eine Festigung der Währung und damit ein Ende des Notgeldes und des Geldwertverfalls ein.

Die Cuxhavener Scheine waren häufig von bekannten Künstlern und mit örtlichen Motiven gestaltet. So wurden die 25- und 50-Pfennig-Scheine von 1921 von dem aus Finkenwärder stammenden erst 20-jährigen Maler Eduard Bargheer entworfen. Später erstellte er noch weitere Scheine. Ebenso wurden Vorlagen des Malers Ernst Gock ausgegeben.
Die zweite Serie von 1921 hatte oben auf dem Schein den Schriftzug `Nordseebad Cuxhaven´. Hiervon erhoffte sich der Magistrat der Stadt einen Werbeeffekt.

Heute sind die Scheine begehrte Sammlerobjekte.