Ruge, Friedrich Oskar

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Inspekteur der Marine Vizeadmiral Friedrich Ruge

Friedrich Oskar Ruge (* 24. Dezember 1894 in Leipzig, † 3. Juli 1985 in Tübingen) war ein deutscher Marineoffizier und Marineschriftsteller.


Leben

Schulzeit

Die Eltern Friedrich Ruges waren der Philologe und Gymnasiallehrer am König-Albert Gymnasium in Leipzig, Dr. Walther Ruge, und seine Ehefrau Friederike Martha, geborene von Zahn. Um nicht dieselbe Schule wie der Vater zu besuchen, wurde Friedrich Ruge auf der Thomasschule zu Leipzig eingeschult, wechselte aber im Jahre 1911 auf das humanistische Gymnasium in Bautzen, an das sein Vater als Direktor berufen worden war. Im März 1914 legte er an diesem Institut sein Abitur ab.

Kaiserliche Marine

Am 1. April 1914 trat Friedrich Ruge als Seekadett [1] in die Kaiserliche Marine ein. Dieser Entschluss kann mitgeprägt worden sein durch eine Mitfahrt auf der SMS Hessen am 13. April 1912, über die er einen Tag später eine "Reisebeschreibung" verfasste, wie er auch seiner Schreibleidenschaft in Tagebüchern seiner Mitgliedschaft in der Wandervogel-Bewegung bereits Ausdruck gab und auch bereits Gedichte und Kurzgeschichten verfasste. Nach einer 6-wöchigen Ausbildung an der Deckoffizierschule in Kiel-Wik folgte eine kurze Einschiffung auf dem Linienschiff LOTHRINGEN (9. – 26. November 1914), danach auf dem Großen Kreuzer HERTHA (30.September. – 9. November 1914). Als dieses Schiff außer Dienst gestellt wurde, besuchte Ruge vom 10. November bis 23. November 1914 die Schule für Funkentelegraphie in Flensburg. Hiernach erhielt er ein Bordkommando auf dem Kleinen Kreuzer LÜBECK. Mit dem Dienstantrittsdatum am 24. Dezember 1914 wurde er auch zum Fähnrich zur See befördert. Krankheitsbedingt wurde er im Januar 1915 auf ein Lazarettschiff verlegt. Nach Wiederherstellung der Gesundheit wurde er am 20. Februar 1915 auf das Linienschiff ELSASS versetzt. Dieses verließ er Ende 1915, um ab 1. Dezember 1915 die Marineschule Mürwik in Flensburg zu besuchen. Weitere Lehrgänge folgten, während derer er auch zum Leutnant zur See (13. Juli 1916) befördert wurde. Von November 1916 bis zum Ende des Ersten Weltkrieges im November 1918 fuhr Ruge als Wachoffizier auf dem Torpedoboot B 110. Nach der Unterzeichnung des Waffenstillstandes (11. November 1918) wurde Ruge Kommandant des Torpedobootes B 112 und mit diesem gemeinsam mit der Kaiserlichen Hochseeflotte im britischen Flottenstützpunkt Scapa Flow interniert. Am 21. November 1919 befahl Konteradmiral Ludwig von Reuter, der Befehlshaber der Hochseeflotte, die Selbstversenkung aller internierten Einheiten. Auch Ruge ließ sein Boot an diesem Datum versenken.

Zwischen den Weltkriegen

Nach der Selbstversenkung seines Bootes geriet Ruge in britische Gefangenschaft, aus der er am 31. Januar 1920 nach Wilhelmshaven zurückkehrte und sich entschied, das Angebot der Reichsmarine anzunehmen und in die Reichsmarine zu wechseln. Im Verlaufe des Jahres 1920 heiratete er in Bautzen Ruth Greef (28. August). Vier Wochen später erfolgte seine Beförderung zum Oberleutnant zur See (28. September 1920). Die Patentierung war vorbehalten und wurde am 14. Mai 1921 rückwirkend vollzogen. Während der Zeit von 1920 bis September 1924 war Ruge unter anderem Kompanieführer in der Küstenwehrabteilung I, Adjutant beim Sperrversuchskommando in Kiel und Wachoffizier auf dem Tender T 168. Von Oktober 1924 bis September 1926 wurde er an die Technische Hochschule Berlin-Charlottenburg kommandiert, um dort "Minenwesen" im Rahmen eines Pilotprojektes zu studieren. Während dieser Zeit, am 1. Oktober 1925, wurde er zum Kapitänleutnant befördert. Parallel zum naturwissenschaftlichen Studium hatte Ruge Sprachstudien in Englisch, Italienisch, Schwedisch und Spanisch betrieben und 1927 mit dem Dolmetscher-Examen in Englisch an der Universität Kiel abgeschlossen. Vom 11. Oktober 1926 bis zum September 1928 war Ruge Kommandant des Minensuchbootes M 136, danach bis 1932 Referent an der Inspektion des Torpedo- und Minenwesens sowie Referent für Minenwesen am Sperrversuchs- und Lehrkommando in Kiel. Zwischenzeitlich hatte Ruge 1930 an der Universität Kiel auch die Diplom-Prüfung für Englisch abgelegt und verstärkt mit schriftstellerischer Tätigkeit begonnen. Im Oktober 1932 wurde er Chef der 1. Minensuchhalbflottille , am 1. April 1933 zum Korvettenkapitän befördert und gehörte ab 30. September 1934 als 3. Admiralstabsoffizier zum Stab des Kommandierenden Admirals des Marinekommandos in Kiel, dort zuständig für das Minenwesen. Am 1. Januar 1937 wurde Friedrich Ruge zum Fregattenkapitän befördert und ab 1. Juni 1937 war er Führer der Minensuchboote in Cuxhaven. Die Reichsmarine war inzwischen in Kriegsmarine umbenannt worden. In Cuxhaven trug Ruge Verantwortung für je zwei Minensuch-, Geleit- und Räumbootflottillen, insgesamt 39 Schiffe (Boote). Am 1. Dezember 1937 bezog er ein in Cuxhaven gemietetes Haus.

Zweiter Weltkrieg

Die Aufgabe in Cuxhaven erfüllte Friedrich Ruge bis zum 31. August 1939. Ab dem 1. September 1939 wurde der zwischenzeitlich am 1. Januar 1939 zum Kapitän zur See ernannte Ruge zum Führer der Minensuchboote Ost und nahm als dieser mit seinen Einheiten am Polenfeldzug teil. Am 17. Oktober 1939 wurde er Führer der Minensuchboote West und nach seiner Ernennung zum Kommodore[2] am 1. Februar 1940 befehligte er gleichzeitig die Kriegsschiffgruppe 10 während des Norwegenfeldzuges, der so genannten "Weserübung". Im Jahre 1940 verlegte er seinen Stab auch von Cuxhaven nach Trouville in der Normandie. Am 17. Februar 1941 wurde er zum Befehlshaber der Sicherung West mit Dienstsitz in Paris ernannt. Als solcher hatte er maßgeblichen Anteil am berühmten Durchbruch der Schlachtschiffe GNEISENAU und SCHARNHORST sowie des Schweren Kreuzers PRINZ EUGEN durch den Ärmelkanal (Unternehmen Cerberus). Am 1. April 1942 wurde er zum Konteradmiral befördert. Am 1. Februar 1943 folgte die nächste Beförderung zum Vizeadmiral und der Oberbefehlshaber der Kriegsmarine, Großadmiral Dönitz, übertrug ihm die Leitung des Sonderstabes Tunesien bei der Königlichen italienischen Marine. Am 18. Mai 1943 wurde er Befehlshaber des Deutschen Marinekommandos Italien in Rom. Nach der Kapitulation Italiens hatte Friedrich Ruge sich gegen ein gewaltsames Einschreiten der deutschen Truppen in Italien ausgesprochen und bei Großadmiral Dönitz ein Abschiedsgesuch eingereicht, welches aber den Großadmiral nie erreicht haben soll. Am 13. August 1943 wurde er in die Führerreserve versetzt, bevor er am 10. November 1943 dem Stab der Heeresgruppe B als Admiral z.b.V[3] zugeteilt wurde. Mit dem Oberbefehlshaber der Heeresgruppe B, Generalfeldmarschall Rommel, verband ihn eine bis zu dessen Tode im Jahre 1944 andauernde Freundschaft. Als Folge der Invasion im Juni 1944 wurde er im August 1944 für kurze Zeit Chef des Konstruktionsamtes beim Oberbefehlshaber der Marine, bevor er am 1. November 1944 Chef des Amtes für Kriegsschiffbau im Oberkommando der Marine in Berlin wurde. Letzter Sitz dieses Amtes war in Flensburg-Mürwik, und Vizeadmiral Ruge geriet bei Eckernförde am 8. Mai 1945 in britische Kriegsgefangenschaft.

Nach dem Zweiten Weltkrieg bis zur Bundeswehr

Vizeadmiral Ruge besichtigt am Tag der Hochseefischerei 1956 in Cuxhaven die Marinejugend
Widmung von Vizeadmiral a.D. Ruge auf der Rückseite des o.a. Fotos

Ruge verbrachte die Kriegsgefangenschaft in Jabbeke und Zedelghem (Belgien). Dort übernahm er u.a. Aufgaben eines Lagerdolmetschers, bevor er im Juli 1946 nach Munsterlager überführt wurde. Dort unterrichtete er seine Mitgefangenen in Englisch, Geographie und Geschichte. In Munsterlager wurde er am 30. November 1946 aus der Kriegsgefangenschaft entlassen. Fortan arbeitete er in Cuxhaven in der Predöhlstraße 22 als Dolmetscher, Englischlehrer und Bibliothekar.
Im Jahre 1949 begann er auf amerikanische Empfehlung seine Mitarbeit im US-Naval Historical Team in Bremerhaven. Weitere schriftstellerische Tätigkeit war mit der Mitarbeit im Deutschen Marinebund verbunden, für den er in der Verbandszeitschrift "Leinen los" schrieb. Als Mitglied einer von der Bundesregierung unter Adenauer eingesetzten Expertengruppe beriet er den Bundeskanzler bei seinen Verhandlungen mit den Alliierten auch über die Neugründung einer deutschen Marine. Seine Ansichten hierzu wurden 1950 in der Himmeroder Denkschrift[4] manifestiert.
In dieser Zeit setzte er seine marinehistorische, schriftstellerische Tätigkeit fort und engagierte sich auch kommunalpolitisch. Bei den Kommunalwahlen des Jahres 1952 wurde er als parteiloses Mitglied in den Rat der Stadt Cuxhaven gewählt, in dem er Vorsitzender des Kulturausschusses und Mitglied im Schulausschuss sowie im Hauptausschuss wurde. Im Jahre 1954 verließ Friedrich Ruge Cuxhaven und zog nach Tübingen um. Begründet war dieser Umzug mit dem milderen süddeutschen Klima, das seine Frau gegenüber dem rauen norddeutschen Klima bevorzugte. Auch in Tübingen setzte er seine schriftstellerischen und wissenschaftlichen Tätigkeiten fort.
1950 war durch Bundeskanzler Adenauer das Amt Blank[5] aufgestellt worden, in das Ruge 1955 berufen wurde. Bereits am 1. März 1956 ernannte Bundeskanzler Adenauer Friedrich Ruge zum Leiter der Abteilung VII – Marine im Bundesministerium für Verteidigung. Die Abteilung wurde mit Wirkung vom 1. Juni 1957 in den "Führungsstab der Marine" (FüM) umgewandelt und mit gleichem Datum wurde Vizeadmiral Ruge erster Inspekteur der Marine in der Bundeswehr. Durch sein wirkungsvolles Planen und Handeln gelang eine schnelle Integration der Marine innerhalb der Bundeswehr in die NATO. Hatte er bereits im Jahre 1931 mit einer Winterarbeit mit dem Titel "Ausbildung zum Seeoffizier" gezeigt, dass ihm Aus- und Fortbildung der Marineoffiziere am Herzen lagen, so war ihm dieses auch während seiner Dienstzeit als Inspekteur der Marine ein besonderes Anliegen. Am 30. September 1961 wurde Vizeadmiral Ruge pensioniert.

Im Ruhestand

Ruge nutzte die Zeit nun für weitere schriftstellerische Tätigkeiten und viele Reisen. Daneben war er von 1961 bis 1971 Präses des Arbeitskreises für Wehrforschung, von 1962 bis 1965 Präsident des Reservistenverbandes der Bundeswehr und von 1964 bis 1965 Präsident der Gesellschaft für Wehrkunde. Im Jahr 1962 wurde er Lehrbeauftragter für wissenschaftliche Politik an der Universität Tübingen und ab dem Jahr 1967 Honorarprofessor.
Friedrich Ruge, dessen Andenken in Cuxhaven durch die Marinekameradschaft Cuxhaven von 1897 "Admiral Ruge" - Kameradschaft der Minensucher e.V - wach gehalten wird, starb am 3. Juli 1985 in Tübingen.

Auszeichnungen

  • Eisernes Kreuz II. Klasse (EK II) am 26. August 1917
  • Eisernes Kreuz I. Klasse (EK I) am 2. März 1918
  • Ehrenkreuz für Frontkämpfer 1934
  • Dienstauszeichnung der Wehrmacht II. bis IV. Klasse am 2. Oktober 1936
  • Deutsches Olympia-Ehrenzeichen II. Klasse am 21. Dezember 1936
  • Medaille zur Erinnerung an den 1. Oktober 1938
  • Wiederholungsspange zum EK II am 17. September 1939
  • Wiederholungsspange zum EK I am 2. Oktober 1939
  • Kriegsabzeichen für Minensuch-, U-Boots-Jagd- und Sicherungsverbände am 15. Februar 1940
  • Ritterkreuz zum Eisernen Kreuz am 21. Oktober 1940
  • Großoffizierskreuz des Verdienstordens der Republik Italien (Corona d`Italia) am 1. Juni 1958
  • Kommandeurskreuz der US Legion of Merit am 2. August 1961
  • Großes Verdienstkreuz mit Stern und Schulterband des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland am 28. September 1961

Auswahl seiner Schriften und Bücher

  • Weihnachten in Scapa Flow, in: Auf See unbesiegt. Erlebnisse im Seekrieg erzählt von Mitkämpfern, hrsg. von Eberhard von Mantey, Band 2, München 1922
  • Die Verwendung der Mine im Seekrieg 1914-1918, in: Marine-Rundschau, Hefte Juni und Juli 1927
  • Ausbildung zum Seeoffizier, in: Marine-Rundschau, Heft März 1932
  • Minen an der amerikanischen Küste, in: Marine-Rundschau, Heft September 1934
  • The New German Navy, in: Brassey`s Navy Annual, 1937
  • Torpedo- und Minenkrieg, Lehmanns Wehrmachtsbücherei, Band 3, München 1940
  • Ottern und Drachen. Lustige Treibminen auch für Landratten (Kleine Feldpostreihe), Gütersloh 1941
  • Die Sicherungsstreitkräfte im Küstenvorfeld, Leipzig 1944
  • Entscheidung im Pazifik, Die Ereignisse im Stillen Ozean 1941-1945, Hamburg 1951
  • In vier Marinen. Lebenserinnerungen als Beitrag zur Zeitgeschichte, Hamburg 1951
  • Der Seekrieg 1939-45, Stuttgart 1954
  • Seemacht und Sicherheit. Die deutsche Wiederbewaffnung, in: Leinen los!, Heft 11 1955
  • Rommel und die Invasion: Erinnerungen, Stuttgart 1959
  • Politik, Militär, Bündnis, Stuttgart 1963
  • Politik und Strategie. Strategisches Denken und politisches Handeln, Frankfurt am Main 1967
  • Scapa Flow 1919. Das Ende der deutschen Flotte, Oldenburg 1969
  • The Soviets as Naval Opponents, Bar Hill/Cambridge 1979
  • Spätlese gereimt, Herford 1980
  • Marineschule und Studium generale navale, in: Dieter Matthei, Jörg Duppler, Karl-Heinz Kuse (Hg.): Marineschule Mürwik, Herford 1985

Quellen

  • Jörg Hillmann (Hg.): „Erleben – Lernen – Weitergeben“ Friedrich Ruge (1894-1985), Bochum 2005, ISBN 3-89911-041-2 Kt
  • www.lexikon-der wehrmacht.de/Personenregister/R/RugeF-R.htm, abgerufen am 31.01.2013
  • Admiral Friedrich Ruge, der erste Inspekteur der Bundesmarine, auf: www.marine.de, abgerufen am 31.01.2013
  • Vizeadmiral Prof. Friedrich Ruge, auf: www.deutsches-marinearchiv.de, abgerufen am 31.01.2013
  • Friedrich Ruge, auf: de.wikipedia.org, abgerufen am 31.01.2013
  • Vizeadmiral Friedrich Ruge auf: www.geocities.com/~orion47/WEHRMACHT/KRIEGSMARINE/Vizeadmirals/RUGE_FRIEDRICH.html
  • Eintrag „Ruge, Friedrich“ in Munzinger Online/Personen – Internationales Biographisches Archiv, URL: http://www.munzinger.de/document/00000005574, abgerufen über Stadtbibliothek Cuxhaven am 5.2.2013

Fußnoten

  1. Dienstgrad eines Offizieranwärters in der Marine
  2. mit der Aufgabe und Verantwortung eines Admirals
  3. zur besonderen Verwendung
  4. Denkschrift einer Expertengruppe "über die Aufstellung eines deutschen Kontingents im Rahmen einer übernationalen Streitmacht zur Verteidigung Westeuropas“ und zu den Konzepten der „Inneren Führung” und des "Staatsbürgers in Uniform”, die im Oktober 1950 im Kloster Himmerod entstand.
  5. Die korrekte Bezeichnung der von Theodor Blank geführten Dienstelle lautete: „Der Beauftragte des Bundeskanzlers für die mit der Vermehrung der alliierten Truppen zusammenhängenden Fragen“ und bereitete die Gründung der Bundeswehr vor. Es wurde am 7. Juni 1955 in "Bundesministerium für Verteidigung" umbenannt.