Seefahrtschule

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Die Seefahrtschule 2007
Erweiterungsbau von 2014

Anschrift

  • Staatliche Seefahrtschule Cuxhaven
Am Seedeich 36
D- 27472 Cuxhaven
+49 (4721) 55 47 74

E-Mail office@seefahrtschule.de

Stellung und Aufgaben einer Fachschule “Seefahrt”

Fachschulen für Seeschifffahrt finden ihren Aufgabenbereich primär in der fachlichen Ausbildung des leitenden nautischen Führungspersonals, sowie des verantwortlichen Maschinenpersonals seegehender Schiffe sowohl in der Handels- wie in der Fischereischifffahrt. Es soll in die Lage versetzt werden, den jeweiligen Anforderungen des Betriebes eines Schiffes in jeder Situation gewachsen zu sein. Dazu gehört auch die Befähigung zur Menschenführung und die Vermittlung einer guten Allgemeinbildung, da den Schiffsoffizieren neben dem Betrieb des Schiffes auch die Führung des Schiffspersonals, sowie ggf. der Umgang mit den Passagieren obliegt.

Die Fachschulen für Seefahrt, kurz Seefahrtschulen genannt, sind erwachsen aus den frühen privaten Initiativen erfahrener Seeleute, zumeist Ruheständler, ihr nautisches Wissen an den interessierten Seefahrernachwuchs weiterzuvermitteln. Sie waren überall im Küstenbereich angesiedelt und unterlagen keinerlei Reglement. Mit der zunehmenden Komplexität der Erfordernisse bildeten sich, zum Teil auch aus diesen Privatinitiativen, erste Seefahrtschulen, die dann zu zertifizierten Abschlüssen führten und, aufgrund der zunehmenden staatlich geregelten Verkehrslenkung der Schifffahrt, entsprechenden Regularien unterworfen wurden. Mit dem Einsetzen der maschinengetriebenen Schifffahrt musste sodann auch der Bereich des Maschinen-Offiziers als Unterrichts-Fachsparte eingeführt werden.

Auch wenn aufgrund des hohen Abschlussniveaus der Ausbildung ein entsprechend hohes Einstiegsniviau gefordert ist, beruht die Ausbildung nicht allein in der theoretischen Vermittlung von Fachwissen, sondern im hohen Maße auch in der praktischen Umsetzung und Einübung in Simulatoren, Gerätelaboren und ähnlichen Einrichtungen. Ebenso besteht die Ausbildung aber auch in einer Art Blockunterrricht, bestehend aus dem Wechsel von Fahrenszeit und Schulzeit.

Die Zuordnung der Seefahrtschule als Fach- oder Fachoberschule entstand mit der Zuordnung der Ausbildung für den Erwerb der Befähigungszeugnisse zum Kapitän auf Großer Fahrt und zum Schiffsingenieur in den Hochschulbereich.

Die Geschichte der Staatlichen Seefahrtschule Cuxhaven

Schon früh war Cuxhaven aufgrund seiner exponierten Lage am Ausgang der Elbe in die Nordsee und der damit verbundenen steten Kauffahrteischiffahrt von und zu den Handelsplätzen im höheren Elbebereich (Hamburg, Altona, Harburg und Stade), stark in die Seefahrt eingebunden. Nicht als fahrender Zweig, sondern als Not- und Schutzhafen, als Lotsenstandort, sowie als verantwortlicher Stützpunkt für die Regulierung und Sicherung des Seeweges und der Schifffahrt im gesamten Unterelbebereich. Hierzu hatte die Stadt Hamburg, als Hauptpartizipant des Schiffsverkehrs, schon früh in Cuxhaven einen Stützpunkt eingerichtet für die Markierung und Instandhaltung des Wasserweges mittels Seezeichen. Erst spät kam mit dem Ausbau des Cuxhavener Hafens eine Bedeutung als Winterliegeplatz und danach mit dem Anschluss Cuxhavens an die Infrastrutur zum Hinterland auch eine bescheidene eigene Schifffahrt zustande. Einen großen Sprung machte Cuxhaven seefahrerisch mit der Verlegung des Passgierverkehrs von Hamburg nach Cuxhaven, dem Aufbau der Fischereiflotte sowie der Einrichtung des Marinestandortes um die Jahrhundertwende 1900.

Mit den teilweise über lange Zeit festliegenden Winterliegern, den ansässigen Seeleuten und dem Lotsenpersonal [1] trat das Erfordernis einer seemännischen Ausbildung in Erscheinung. Im Jahre 1825 reichten deshalb `Cuxhavener´ Bürger einen Antrag auf Unterstützung einer Seefahrtschule beim Hamburger Senat ein. Obwohl vom dortigen Bürgermeister und ehemaligen Ritzebütteler Amtmann Abendroth befürwortet, wurde er vom Senat abgelehnt. So wurde die Grundlage für eine solche Bildungseinrichtung bereits im Jahre 1826 durch den von der Deichschule abgezogenen Lehrer Rensch geschaffen, welcher in einem Haus in der Nähe des Hafens Navigationsunterricht erteilte. Neben Navigation standen damals die Fächer Algebra, Trigonometrie und Geometrie auf dem Stundenplan. Das Honorar wurde von begüterten Eltern entrichtet.

Im Jahre 1835 war es dem damaligen Rektor der höheren Bürgerschule, Dr. Danzel, aufgrund gravierender Kenntnismängel seitens der Lotsenschüler und Fahrensleute ein wichtiges Anliegen, eine Navigationsschule zu errichten. Die Teilnehmer sollten durch gezielten Unterricht dahin gebracht werden, sich selbst helfen zu können und anderen bei ihren Vorbereitungen für den Besuch der seit 1749 bestehenden Hamburger Navigationsschule dienlich zu sein. Damals war dieser Vorbereitungsunterricht ein notwendiger Bestandteil der theoretischen Nautikerausbildung. Die Schüler wurden nicht in geschlossenen Klassen bis zur Prüfung geführt, sondern wurden im Einzel- und Gruppenunterricht gesondert angesprochen. Durch intensive Mitarbeit sowie selbständige Vor- und Nachbereitung des Stoffes konnte die Navigationsschulzeit individuell abgekürzt werden; der Unterschied zwischen privater Vorbereitung und Unterricht war also noch wenig ausgeprägt. Der Versuch des Amtmannes Meier im Jahre 1836, die Schule zu einer staatlichen Einrichtung zu machen, gelang nicht, sie blieb weiterhin eine Privatschule mit staatlicher Unterstützung. Seit dem Jahre 1863 wurden die Seemannskandidaten auf Vorschlag des Amtmannes Kirchenpauer in einem zweijährigen Kursus mit zwei Wochenstunden von dem Lehrer Remm der Rektorschule in den dortigen Räumen in der Nordersteinstraße auf den Besuch der Hamburger Navigationsschule vorbereitet. Dieser Unterricht fand zunächst nur bis zu Beginn der siebziger Jahre des 19. Jahrhunderts statt, wurde dann aber in den Jahren 1912/13 durch einen Lehrer der Hamburger Schule wieder aufgegriffen.

Der neue und letzte Anstoß zur Wiedereröffnung der Seefahrtschule Cuxhaven ging von der Fischerei aus, als im Jahre 1908 mit der Gründung des Seefischmarktes eine schnelle Entwicklung der Stadt zu einem der bedeutendsten deutschen Fischereihäfen einsetzte. Zwischen 1908 und 1926 stieg die Zahl der in Cuxhaven beheimateten Fischdampfer von zwölf auf hundert, was ein stetes Anwachsen der in der Fischerei tätigen seemännischen Bevölkerung und somit einen expandierenden Bedarf an nautischen und technischen Patentinhabern mit sich brachte. In den zwanziger Jahren wurde der Wunsch nach einer Wiedereröffnung der Seefahrtschule immer dringender, zumal auch die Prüfungsordnung von 1925 die private Vorbereitung auf eine nautische Prüfung als nicht ausreichend bezeichnete. Der Schulbesuch wurde für alle Patente von A 2 und B 2 an aufwärts obligatorisch. Im Jahre 1928 erreichte der damalige Fischereidirektor Meinken, dass in Cuxhaven eine Zweigstelle der Seefahrtschule Hamburg eingerichtet wurde. Sie begann mit sechs Teilnehmern mit einem Lehrgang für Steuerleute auf kleiner Fahrt. Die hauptamtliche Lehrkraft, Kapitän Lindemann, führte abwechselnd einen B 2 / B 4 und einen B 5-Lehrgang durch. Für den zusätzlichen Unterricht in Gesundheitslehre war lange Zeit Dr. med. Friedrich Winckler zuständig. Mangels fester Räumlichkeiten fand der Unterricht in der Folgezeit in der Berufsschule Ecke Abenroth-/Schulstraße, dem alten Lyzeum und der Herrmann Göring-Schule statt.

Nach dem Tode von Kapitän Lindemann wurde 1935 Kapitän Kiesewetter, damals Studienrat an der Hamburger Seefahrtschule, mit der Durchführung der nautischen Lehrgänge in Cuxhaven beauftragt. Seinen Bemühungen und Beziehungen verdankt die Schule einige Verbesserungen in Bezug auf Ausstattung und Unterbringung. Zunächst gelang ihm die Einrichtung eines zweiten Lehrganges, sodass ein Steuermannskurs und ein Kapitänskurs gleichzeitig angeboten werden konnten. Nach Inkrafttreten des Groß-Hamburg-Gesetzes und der damit verbundenen Zugehörigkeit zu Preußisch-Hannover wurde die Cuxhavener Seefahrtschule an die Reichs-Seefahrtschule in Wesermünde angegliedert. So wurde im Jahre 1937 als zweite Lehrkraft Kapitän Kumm aus Wesermünde nach Cuxhaven versetzt. Die Prüfungen nahm seitdem der damalige Direktor in Wesermünde, Kapitän Dittmer, ab. Im Jahre 1938 bekam die Schule endlich eigene Räumlichkeiten am Seedeich 23 im den Räumend des ehemaligen Stadt-Cafés, dem späteren Karl Waller-Museum, mit freiem Blick auf die Elbmündung.

Der Kriegsausbruch machte dieser Entwicklung ein Ende. Während der folgenden Jahre wurde der Unterricht zwar mit einem Lehrgang durch Kapitän Kumm weitergeführt, doch das gesamte Material ging verloren.

Im Jahre 1949 baute Kapitän Kiesewetter mit Hilfe der Cuxhavener Fischerei die Schule wieder auf, nun als Abteilung der Seefahrtschule Elsfleth. Gemeinsam mit Kapitän Brockert aus Leer konnte er wieder zwei Kurse gleichzeitig anbieten, bis er 1953 in den Ruhestand trat. Unter seinem Nachfolger als Schulleiter, Kapitän Wiese, wurde der Ausbau der Schule fortgesetzt. In den folgenden fünf Jahren wurden zahlreiche Lehrmittel und Geräte für die technische Navigation angeschafft und das Kollegium wurde auf sechs Lehrkräfte erweitert, sodass im Schichtunterricht fünf verschiedene Lehrgänge angeboten werden konnten. Trotzdem konnte nur ein Teil der zahlreichen Bewerber für einen Kursus angenommen werden. Der Mangel an nautischen Nachwuchskräften in der Fischerei und der Frachtfahrt hielt weiter an.

Durch Umwandlung der bisherigen Stelle des Schulleiters in eine Direktorstelle erreichte die Schule im November 1959 auch in Bezug auf Prüfungen ihre Eigenständigkeit.

Der Schwerpunkt des Ausbildungsprogramms lag in den ersten Nachkriegsjahren hauptsächlich auf den Patenten der Fischereifahrt. Obwohl zeitweise parallel dazu zwei Steuermannslehrgänge liefen, konnte der Mangel an nautischen Patentinhabern in der Hochseefischerei noch nicht behoben werden.

In den Jahren 1958 und 1959 wurde auf dem Gelände des ehemaligen Forts Grimmerhörn der seit 1953 geplante Neubau des Schulgebäudes errichtet, wodurch der jahrzehntelangen behelfsmäßigen Unterbringung mit Raumnot und Schichtunterricht ein Ende gesetzt wurde. Von nun an fand die technische Ausbildung in zahlreichen Spezialräumen statt, welche vor allem in den Fächern Nautik und Seemannschaft einen sehr praxisnahen Unterricht ermöglichten. Vervollständigt wurde das Raumangebot durch ein Manövrierbecken für selbstfahrende Modellschiffe sowie ein kleines Planetarium.

Die neue Schiffsbesetzungs- und Ausbildungsordnung aus dem Jahre 1970, die Bestimmungen über Errichtung und Betrieb von Fachschulen Seefahrt vom 15. März 1974 des Niedersächsischen Kultusministeriums und das Niedersächsische Schulgesetz aus dem Jahre 1975 setzten neue Maßstäbe und führten zu einem erweiterten Angebot an Studien- und Ausbildungsgängen. In den folgenden Jahren wurden folgende Studiengänge zu einer festen Einrichtung: - Studiengang AM (4 Semester): Kapitän und nautischer Schiffsoffizier, Mittlere Fahrt - Studiengang CT (4 Semester): Schiffsbetriebstechniker/ technischer Schiffsoffizier, ein begleitender Lehrgang zur Erlangung der Fachhochschulreife - Studiengang BG (4 Semester): Kapitän und Schiffsoffizier in der Großen Hochseefischerei - Studiengang AM (2 Semester): Kapitän und nautischer Schiffsoffizier, Durchstieg/ Mittlere Fahrt - Zwei Studiengänge CT (3 Semester): Schiffsbetriebstechniker/ technischer Schiffsoffizier, Durchstieg - Studiengang AK (3 Semester): Kapitän und nautischer Schiffsoffizier auf Kleiner Fahrt - Studiengang Cma (2 Semester): Seemaschinist/ technischer Schiffsoffizier - Fachschulreifelehrgang (1 Semester) für AK-, BG- und Cma- Patentinhaber.

In 2003 richtet die Seefahrtschule in Cuxhaven ein Institut für Schifffahrtstechnische Ausbildung ein.

Im Jahre 2006 wird zusätzlich zum vorhandenen Radarsimulator ein Schiffsführungssimulator in Betrieb genommen. Mit ihm können diverse Situationen verschiedener Schiffstypen in verschiedenen Gewässern realistisch gefahren werden. Im technischen Bereich wird neben realen Anlagen, wie z.B. Dampfturbine oder Dieselmotor im Wärmekraftlabor an einem modernen Schiffsmaschinen-Simulator ausgebildet.

Mit den ständig weiter wachsenden Teilnehmerzahlen, zum Wintersemester 2006/2007 trugen sich 276 Teilnehmer ein, melden sich auch zunehmend weibliche Teilnehmer; an manchen Lehrgängen mit einem Anteil bis zu 10 %. Damit ist die Kapazität der Seefahrtschule erneut überschritten, sodass Räumlichkeiten in der Großen Wetternkaserne angemietet, umgebaut und eingerichtet werden müssen. Jedoch ist für das Frühjahr 2011 der Baubeginn für einen Erweiterungstrakt vorgesehen.

Allgemeines

In 2007 unterrichten an der Seefahrtschule Cuxhaven 16 hauptamtliche Lehrer, davon 1 weibliche Lehrkraft, sowie 3 Lehrbeauftragte. Voraussetzung dafür ist das große technische oder nautische Befähigungszeugnis, sowie Fahrenserfahrung als leitender Offizier.
Die Schule koopperiert mit der Fachhochschule Elsfleth und der Fachschule Bremerhaven. Sie ist seit 2001 vom `Germanischen Lloyd´ nach DIN EN 9001:2000 zertifiziert. Dieses wird regelmäßig überprüft. Hierdurch wird die weltweite Anerkennung der erworbenen Abschlüsse sichergestellt. Ebenso wird die Schule von der Landesbehörde überwacht.

Die Schule wird unterstützt von der 1969 gegründeten `Gesellschaft der Freunde und Förderer der Seefahrtschule´.


Fußnoten

  1. Lotsen waren in ihrer Frühzeit erfahrene Seeleute, jedoch zumeist ohne theoretisch-fachliche Kenntnisse

Quelle

  • Seefahrtschule
  • Weitere Quellen

Weblink

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