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Neuhaus/Oste

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Basisdaten
Samtgemeinde: Land Hadeln
Einwohner 1.096 (15.05.2025)
Fläche 9,85 km²
Bürgermeister Udo Miertsch (Bürger für Neuhaus BfN)
Postleitzahl: 21785
Telefonvorwahl: 04752
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Samtgemeinde Land Hadeln

Marktstraße 21
21762 Otterndorf

E-Mail-Adresse der
Gemeindeverwaltung:
zentrale@land-hadeln.de

Neuhaus (niederdeutsch: Neehuus) an der Oste gehört zur Samtgemeinde Land Hadeln im Landkreis Cuxhaven.

Schleusenplatz (2025)

Die Gemeinde hat eine über 600-jährige Geschichte. Sie liegt an der Bundesstraße 73 Cuxhaven - Hamburg sowie an den Radfernwegen 'Deutsche Fährstraße' und 'Elberadweg'. Die nächste Station der Bahnlinie Cuxhaven - Hamburg ist vier Kilometer entfernt (Cadenberge). Graf Georg Bremer setzte sich 1874/1880 sehr für einen Bahnanschluss in Neuhaus ein. Aber Neuhaus hätte nicht die Beisteuer aufbringen können, die die Eisenbahngesellschaft damals forderte. Es gibt zwei Häfen: den Yachthafen an der Oste mit einem Fahrgastschiffanlager und den historischen Hafen (Alter Hafen) am Neuhaus-Bülkauer-Kanal mit Blick auf die Werft. Vom Gemeindezentrum weiter nördlich liegt der rund 30 Hektar große Ostesee. Er entstand durch das Umlegen des Flussbettes beim Bau des Ostesperrwerks in der Zeit von Oktober 1964 bis Oktober 1965. Angler sprechen von einem ausgezeichneten Fischbestand im Ostesee. Teile des Sees und des Uferbereiches dürfen nicht betreten werden[1]. Nach 1970 entstand am Westufer ein Ferienpark mit 120 Ferienhäusern. Die Wasserski- und Wakeboard-Anlage dicht am Ferienpark wurde 1972 errichte und 2008 modernisiert. Sie ist die einzige Wasserski-Anlage im Elbe-Weser-Dreieck und von März bis Oktober geöffnet. Von dort aus ist es nur noch ein Katzensprung bis zum Ostesperrwerk und dem Museum Natureum Niederelbe.
Im historischen Kornspeicher (dicht am Alten Hafen) befindet sich das Heimatmuseum. In Neuhaus sind noch viele weitere Baudenkmale erhalten geblieben. Inmitten dieser Bauten liegt Wiebkes Klönstuv - das Kommunikationszentrum in Neuhaus. Wiebkes Klönstuv in der Schützenstraße 16 ist eine Kombination aus Café, Bistro, Kiosk und Postagentur. Seit 2026 erklingen hier aus der restaurierten Musikbox ROCK-OLA 477 Schlager-Klassiker und Popmusik.
Ihre eigene Kirche haben die Bewohner von Neuhaus recht spät erhalten. Nachdem die Bevölkerung von Neuhaus schnell angewachsen war (um 1620 rund 1.000 Einwohner), ließ der Bremer Erzbischof Johann Friedrich[2] im Ort im Sommer 1621 eine Kapelle bauen und hielt für die Gemeinde einen Prädikanten[3] mit der Auflage sonntags zu predigen und an den anderen Tagen die Neuhäuser Kinder im Lesen und Schreiben zu unterrichten. Die Sakramente (z. B. die Taufe, das Abendmahl) wurden weiterhin ausschließlich in der Kirche zu Geversdorf erteilt. Doch die Neuhäuser strebten nach vollständiger Loslösung von der Geversdorfer Kirche. Die Geversdorfer wollten auf die erheblichen Einkünfte, die der Prediger von den Neuhäusern bezog, nicht verzichten. Dieser Interessenskonflikt wurde in Form verschiedener Anträge beider Seiten dem Erzbischof unterbreitet. Weitere Festlegungen des Erzbischofs sind diesbezüglich nicht überliefert. Während des Dreißigjährigen Krieges eroberte der für die Schweden kämpfende Graf von Königsmarck[4] um 1643 das ganze Erzstift und richtete eine schwedische Regierung ein. Am 14. Juli 1662 reichten die Neuhäuser beim Grafen von Königsmarck ein Gesuch[5] ein. Durch Dekret der Königlich Schwedischen Regierung zu Stade wurde Neuhaus am 21. März 1667 zu einer selbständigen Parochie[6] erhoben. Der erste Pastor war Christian Frisius. Ihm folgte Julius Adolf Rosenmeyer. Im Jahr 1690 fand der Neubau des Kirchturms statt. 34 Jahre später wurde die baufällige Kirche abgerissen. Der Kirchturm blieb erhalten. Der anschließende Neubau der St. Emmaus-Kirche war 1729 fertiggestellt. Das Kirchengebäude aus Backstein ist 33 m lang und 11 m bis zur Decke hoch. Die Kirchturmspitze hat eine Höhe von 27 Metern. Im Turm befinden sich zwei Glocken. Die größere stammt von Grafen von Königsmarck. Die kleinere war vorher in der Kapelle. Doch am Gründonnerstag 1748 zersprang sie und wurde dann auf Kosten der Gemeinde umgegossen. Die Barockorgel ist von der Witwe des Neuhäuser Holzkaufmanns Becker gestiftet und 1744/1745 von Dietrich-Christoph Gloger aus Stade erbaut worden. Der Taufstein stammt aus dem Jahr 1727 (von der Gräfin von Königsmarck gestiftet). Jedoch der Deckel ist neu. Altar und Kanzel sind typisch für evangelische Kirchen. Das älteste Stück der Kirche befindet sich in der Vorhalle - ein auf Eichenbohlen gemaltes Bild u. a. mit den vier biblischen Themen: die Taufe Christi, Christus in Gethsemane, die Kreuzigung Christi und die Auferstehung Christi.
Im Jahr 1723 wurde ein stattlicher repräsentativer Drostesitz nordöstlich der Burg[7] erbaut (ehemaliges Amtshaus von Neuhaus). Ab 1740 gab es hier auch eine Poststation. Die Ämter Neuhaus an der Oste und Osten bildeten ab 1867 den Kreis Neuhaus an der Oste. Erster Amtsinhaber war Friedrich Wilhelm von Loebell[8], der später Innenminister Preußens wurde. Mit der Einführung der neuen Kreisordnung für die Provinz sind beide Ämter 1885 endgültig zusammengeschlossen worden. Diese Maßnahme führte zum Bau eines neuen Amtsgerichts mit angeschlossenem Gefängnistrakt 1894-1896 und zur Errichtung eines neuen Kreishauses (Amtshaus Land Hadeln) 1898. Der letzte Landrat in Neuhaus war Erich Knöpfler. Seit 1932 ist Neuhaus nicht mehr Sitz des Kreises.

Baudenkmale

Lage Offizielle Bezeichnung Bemerkungen System-ID[9]
Amtshof Amtsbezirk Neuhaus (Ensemble) Amtsgericht mit Gefängnistrakt, Amtshaus Land Hadeln, Amtshaus (Drostesitz) 61742190
Amtshof 1 Amtsgericht Bauzeit 1894-1896 61372377
Amtshof 1 Gefängnistrakt Bauzeit 1894-1896; Anbau am Amtsgericht 61372364
Amtshof 2 Amtshaus Land Hadeln Baujahr 1898 61372378
Amtshof 3 Amtshaus (Drostesitz) Baujahr 1723; 1947-1958 dem Krankenhaus Otterndorf angegliedert; 1960-2004 Kinderheim; ab 2005 Jugendhilfeeinrichtung 61372354
An der Schleuse / Schleusenplatz Siedlungskern (Ensemble) Wohnhäuser, Gasthäuser, Speicher, Zollamt 61364996
An der Schleuse 1 Wohnhaus Baujahr um 1850 61372384
An der Schleuse 3 Wohnhaus Baujahr 1885 61372385
Bei der Kirche St. Emmaus-Kirche Baujahr 1690 (Kirchturm), um 1725 bis 1729 (Saalkirche) z.T. mit Resten der Kapelle von 1621 61372356
Bei der Kirche 1 Wohnhaus und Kornbrennerei Baujahr 1882; Wohnhaus: jetzt Brauhaus Alt Neuhaus 61372393
Bülsdorf 7 Hofanlage Wohn-/Wirtschaftsgebäude und Stall 61364991
Bülsdorf 7 Wohn-/Wirtschaftsgebäude Baujahr um 1860; Giebel z. T. um 1900 erneuert 61372367
Bülsdorf 7 Stall Baujahr 1913 61372368
Bülsdorfer Straße 12 Wohnhaus des örtlichen Amtsrichters Baujahr 1898 61372369
Deichstraße 1 Apotheke Baujahr 1773 61372355
Intzenbüttel 3 Hofanlage (Ensemble) Wohn-/Wirtschaftsgebäude, Scheune und Remise 61364993
Intzenbüttel 3 Wohn-/Wirtschaftsgebäude Baujahr 1862 61372370
Intzenbüttel 3 Scheune 61372371
Intzenbüttel 3 Remise Ende des 19. Jahrhunderts erbaut 61372372
Mühlenweg Mühlenhof (Ensemble) Mühlengebäude, Wohnhaus und Stall 61364995
Mühlenweg 1 Mühlengebäude Baujahr 1909 61372389
Mühlenweg 3 Wohnhaus Baujahr um 1830; um 1900 erweitert 61372387
Mühlenweg 3 Stall Baujahr um 1900 61372388
Poststraße 28 Wohnhaus Baujahr um 1800; um 1955 Straßenfront erneuert 61372360
Schleusenplatz 1 Wohnhaus (neben dem Speicher) Baujahr um 1800 61372361
Schleusenplatz 1 Kornspeicher Baujahr 1726; jetzt Fremdenverkehrsbüro, Heimatmuseum, DRK-Begegnungsstätte, Veranstaltungsort der Gartenakademie 61372362
Schleusenplatz 2 Gasthaus Baujahr zwischen 1850 und 1900 61372379
Schleusenplatz 3 Gasthaus Bauzeit Ende des 19. Jahrhunderts 61372380
Schleusenplatz 4 Zollamt Bauzeit um/nach 1850 61372381
Schleusenplatz 5 Wohnhaus Baujahr 1906 61372382
Schleusenplatz 6 Wohnhaus Baujahr um 1850 61372383
Schleusenstraße Schleuse (Wasserbau-Ensemble) Schöpfwerk, Siel- und Schleusenanlage 61364996
Schleusenstraße Schöpfwerk Baujahr 1936 61372373
Schleusenstraße Siel Baujahr um 1900; zwischen westlichem Auearm und Hafen 61372374
Schleusenstraße Schleuse Lage: zwischen beiden Auearmen 61372375
Schleusenstraße Sieltor Lage: zwischen östlichem Auearm und Hafen 61372376
Schützenstraße 5 Platesche Ölmühle Remise und Verwaltungsgebäude 61362685
Schützenstraße 5 Remise Baujahr um 1850 61372365
Schützenstraße 5 Verwaltungsgebäude Baujahr um 1850 61372386
Uhlenkamp 2 Wohn-/Wirtschaftsgebäude Baujahr um 1850 61372390

Vereine und Organisationen

Schützenverein mit Gemeindewappen
Angelsportverein Neuhaus (Oste) e. V.
Barkassengemeinschaft
DRK Ortsverband Neuhaus
Die Bruderschaft der Neuhäuser Lumpenhunde e. V.
Ortsfeuerwehr Neuhaus (Oste)
Landvolk Ortsverband
Ostesee Ferienpark e. V.
Reitverein Neuhaus (Oste) und Umgebung
Schulverein der Grundschule Neuhaus/Oste e. V.
Schützenverein Neuhaus (Oste) e. V. von 1849
SVNO Seglervereingung Neuhaus-Oste
SoVD Sozialverband Deutschland, Ortsverband Neuhaus/Oste
Tourismus- und Gewerbeverein Ostemündung e. V.
TSV Neuhaus Oste e. V.
Wassersportclub Neuhaus e. V.

Werft

Gemälde "Dodegge-Werft"[10]

Die Werft in Neuhaus existiert - mit Unterbrechungen - seit ca. 1750 an der gleichen Stelle.

Bootswerft Neuhaus
Inh.: Martin Skadow e. K.
Schleusenstraße 6
21785 Neuhaus
Tel.: 01 73 / 61 85 79 5
E-Mail: skadowmartin@gmail.com

Die Aue, ein linker Nebenfluss der Oste, führt direkt am Werftgelände vorbei.
Nach dem Zweiten Weltkrieg waren die Schwerpunkte Neubau hölzerner Fischkutter sowie Umbau und Verlängerung von Küstenmotorschiffen. Lange Zeit firmierte die Werft unter Hans Dodegge (ab den 1960er Jahren). Seit 1992 ist Martin Skadow Werftinhaber.
Für viele Wasserfahrzeuge wurde Cuxhaven Heimathafen, z. B. WILHELMINE, RAMONA.

Bilder

Weblinks

Wasserski Neuhaus
Wiebkes Klönstuv
Brauhaus Alt Neuhaus
Heimatmuseum Neuhaus
Kunst & Design
Gartenakademie an der Oste
Denkmalatlas Amtsbezirk Neuhaus (Oste)
Denkmalatlas Schleuse und Schöpfwerk Neuhaus (Oste)
Denkmalatlas Hofanlage Intzenbüttel 3
Denkmalatlas Mühlenhof Neustadt (Oste)
Denkmalatlas Platesche Ölmühle

Literatur

  • Große Umwälzungen für Verkehr und Postwesen - Tiedemann-Wingst, G. - In: Niederdeutsches Heimatblatt - Nr. 739 - Juli 2011 - S.1-2
  • Wie Neuhaus/Oste zu einer eigenen Kirche kam - Völker, H. - In: Niederdeutsches Heimatblatt - Nr. 917 - Mai 2026 - S.1-2
  • Die Emmauskirche in Neuhaus (Oste) - Ehrenreich, H. - In: Niederdeutsches Heimatblatt - Nr. 377 - Mai 1981 - S.2
  • Kleiner malerischer Ort mit Vergangenheit - Lembcke, R. - In: Niederdeutsches Heimatblatt - Nr. 377 - Mai 1981 - S.1-2
  • Musikbox sorgt für Sound - In: Ostelandmagazin - Ausgabe 23 - Frühjahr/Sommer 2026 - S.34

Fußnoten

  1. Im nördlichen Teil des Ostesees gibt ein Naturschutzgebiet und im südlichen Teil ein Biotopschutzgebiet.
  2. Johann Friedrich von Schleswig-Holstein-Gottorf (1. September 1579 - 3. September 1634) von 1596! bis 1634 lutherischer Erzbischof von Bremen
  3. Prädikant: (Hilfs-)Prediger
  4. Graf von Königsmarck: Graf Hans Christoph von Königsmarck (12. Dezember 1605 - 8. März 1663), Reichsrat, Feldmarschall, Generalgouverneur
  5. Das Gesuch hat acht (Teil-)Argumente.
  6. Parochie: Pfarrbezirk, Kirchspiel
  7. Die Burg wurde im 15. und im 16. Jahrhundert mehrfach zerstört.
  8. Friedrich Wilhelm von Loebell (17. September 1855 - 21. November 1931) von 1914 bis 1917 Innenminister Preußens
  9. System-ID im Denkmalatlas Niedersachsen
  10. Gemälde von Karl Otto Matthei um 1910