Kreuzfahrt

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AUGUSTA VICTORIA
Bordzeitung

Die erste Luxus-Kreuzfahrt der Schiffsgeschichte begann 1891 in Cuxhaven.

Bis gegen Ende des 19. Jahrhunderts galt die Seefahrt den meisten Reisenden als gefährlich und nach Möglichkeit zu vermeiden. Obwohl sich die Dampfschifffahrt mittlerweile durchgesetzt hatte und mit ihr die altbekannten Gefahren weitgehend verschwunden waren, dauerte es lange, bis sich die das Publikum mit dem Gedanken vertraut machte, dass das Reisen an sich Freude bereiten könnte.

Ein Pionier auf diesem Gebiet war Albert Ballin, der später Generaldirektor der HAPAG wurde und seine Reederei zur weltweit größten machte. Bereits zwei Jahre nachdem die Hamburg-Amerikanische Paketfahrt Aktiengesellschaft (HAPAG / Hamburg-Amerika Linie) ihren transatlantischen Liniendienst von Hamburg nach Cuxhaven verlegt hatte, wurde Cuxhaven Ausgangspunkt für Kreuzfahrten. Von hier aus ließ Albert Ballin am 22. Januar 1891 die erste Luxus-`Lustfahrt´ der Geschichte beginnen. Sie startete mit 240 Passagieren auf der `AUGUSTA VICTORIA´, einem Doppelschrauben-Schnelldampfer, unter der Führung von Kapitän Barends und führte über Southampton ins Mittelmeer.

Die Teilnehmerzahl des eigentlich für 520 Kajütpassagiere vorgesehenen Schiffes war auf 240 beschränkt. Es gab nur eine Klasse, nämlich die erste. Der niedrigste Fahrpreis war 1.800 Mark. Zum Vergleich: Eine Überfahrt nach New York in der 1. Klasse kostete damals 300 Mark. An dieser ersten Kreuzfahrt, die am 21. März in Cuxhaven endete, nahmen selbstverständlich auch der Direktor Ballin und seine Ehefrau Marianne teil.

Die Teilnahme an der Kreuzfahrt führte zu zu einer ersten Begegnung Ballins mit dem jungen, erst vor drei Jahren inthronisierten Wilhel II. Dieser weilte in Cuxhaven um den Hafen und die durch einen harten Winter hervorgerufenen Schäden zu besichtigen. Da der Kaiser an der Schiffahrt interessiert war, nahm er die Gelegenheit wahr und besichtigte gemeinsam mit Albert Ballin die AUGUSTA VICTORIA. Das Schiff hatte hierfür extra an der eigentlich viel zu kleinen Alten Liebe festgemacht. Die Begegnung von Albert Ballin und Wilhelm II. war der Beginn einer langen Freundschaft.

Diese Fahrt, allgemein als Orientreise bezeichnet, wurde ein so großer Erfolg, dass von nun an jeden Winter die großen Reedereien HAPAG und Norddeutscher Lloyd einige ihrer in den Sommermonaten im transatlantischen Liniendienst fahrenden Schnelldampfer zu Kreuzfahrten einsetzten. Die Reisen, z. B. ins Mittelmeer oder in die Karibik, davon in den nachfolgenden Jahren jedes Jahr zwei Orientfahrten, machten die HAPAG für Jahrzehnte zum weltweiten Marktführer im Kreuzfahrtgeschäft.

Bis in die 60er Jahre des vergangenen Jahrhunderts fand das Kreuzfahrtgeschehen hauptsächlich auf normalen Linienschiffen außerhalb der Transatlantiksaison statt. Speziell konzipierte Kreuzfahrtschiffe waren selten. Erst mit dem Absterben des Linienverkehrs (in Cuxhaven 1968) wurden die Schiffe in ihrem Aufbau und Ausstattung spezieller an den Luxuscharakter des Kreuzfahrtgeschäftes angepasst.

Der Liegeplatz der Kreuzfahrtschiffe heute ist das Steubenhöft (bis zu 25.000 Passagiere jährlich z.B. nach Norwegen oder Großbritannien). Für die Abfertigung werden auch die historischen HAPAG-Hallen eingesetzt, die zusammen mit dem Steubenhöft bis 1968 der transatlantischen Passagierschifffahrt dienten. Zuweilen finden vom Amerika-Bahnhof (bahnamtliche Bezeichnung) anlässlich von Kreuzfahrtbesuchen auch speziell anberaumte Sonderzugfahrten nach Hamburg oder Bremen statt.

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