HAPAG-Hallen

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Die HAPAG-Halle 2006

Die HAPAG-Hallen sind die einzige erhaltene und betriebsbereite historische Passagier-Abfertigungsanlage Europas.

Allgemein

Nicht die Hallen als Restauration und Abfertigungsanlage für die Schiffspassagiere nach Übersee oder für Kreuzfahrten standen bei der Planung im Vordergrund, sondern der für die An- und Abreise der Passagiere im strukturschwachen Cuxhaven wichtige neue Hafenbahnhof. Der Passagierverkehr mit den rasant wachsenden neuen Überseeschiffen nahm fortwährend zu und die Bedienung über den alten Hafenbahnhof war nicht mehr tragbar. So entschloss man sich gemeinsam mit dem stetigen Ausbau des Neuen Hafens hin zum Amerikahafen zum Bau eines eigenen Bahnhofes direkt vor Ort. Es entstand der neue Hafenbahnhof mit den dazugehörigen Restaurationsbetrieben und der Abfertigungsanlage.

Amerikabahnhof 1981

Schnell erhielt der Bahnhof die Bezeichnung `Hamburg-Amerika-Bahnhof´ oder einfach `Amerikabahnhof´, entsprechend der Schiffsgesellschaft Ballins, die von hier aus ihre Reisen unternahm, der Hamburg-Amerikanischen Packetfahrt-Actien-Gesellschaft (HAPAG). Da sich der Passagierverkehr zu einem großen Teil aus Auswanderern in die `Neue Welt´ zusammensetzte, erhielt der Bahnhof bald auch den Beinamen `Bahnhof der Tränen´.

Der zwischen 1900 und 1902 durch Albert Ballins HAPAG-Reederei erbaute Bahnhof mit seinen Abfertigungshallen hat heute seine Priorität gewechselt. Während heute das Empfangsgebäude mit dem Restaurant und die Abfertigungshallen im Vordergrund stehen, ist der Bahnhof in einen Dornröschenschlaf versunken. Die gesamte Anlage steht heute unter Denkmalschutz und wird seit 1999 wieder zur Passagierabfertigung genutzt. In den HAPAG-Hallen kann außerdem eine Dauerausstellung besucht werden, es finden mehrmals wöchentlich Führungen statt und der Kuppelsaal des Restaurantes wird für unterschiedliche Veranstaltungen genutzt.

Die verschwundene Plastik

Ehem. Eingangsportal

Das Hauptportal der HAPAG-Halle wurde jahrelang von einer Plastik des Bildhauers Cäsar Scharff (1864-1902) geschmückt. Das Portal wurde rechts von einem älteren Seemann in Ölzeug und Südwester und links von einem jungen Matrosen in Uniform umrandet. Über dem Portal fand sich Albert Ballins Leitspruch: „Mein Feld ist die Welt", das Hamburger Wappen und zwei Walkiefer. Bei Modernisierungsarbeiten 1953 verschwand dieses Ensemble.

Gedeckter "Zollgang" zum Pier

Geschichte

Die HAPAG verlegte 1889 ihren Schnelldampferverkehr von Hamburg nach Cuxhaven. Die Anlagen im „Neuen Hafen“ wurden jedoch schnell zu klein. So entschloss sich die HAPAG 1900, eine moderne Passagierabfertigungshalle an der „Neuen Liebe“ zu bauen. In den Jahren 1900 bis 1902 entstand der neue Hafenbahnhof unter dem Architekten Georg Thielen, der erstaunliche Parallelen zum deutschen Schifffahrtspavillon der Weltausstellung 1900 in Paris aufwies, den Thielen ebenfalls geplant hatte. Beide Bauten hatten unter anderem einen Kuppelsaal, der mit einem ausgestopften Fisch ausgestattet war. Während jedoch in Paris ein ausgestopfter Menschenhai von der Decke hing, war es in Cuxhaven ein Sägefisch. Neben dem Kuppelsaal wurde als Wartesaal für die Zwischendeckspassagiere der so genannte "Hanseatensaal" gebaut. Das Bauwerk wird von einem Turm überragt, zu dem bei 37 m Höhe 190 Stufen führen und der lediglich als Uhrenturm diente. Am 1. Juni 1902 wurden die HAPAG-Hallen mit der Abfertigung des Postdampfers "Graf Waldersee" eröffnet. Erstmalig konnten Passagiere direkt von der Bahn kommend abgefertigt werden. In den folgenden Jahren wurden die zugehörigen Kaianlagen weiter ausgebaut. 1913 wurde das Empfangsgebäude der HAPAG-Hallen durch einen überdachten Gang mit der Gepäck- und Zollabfertigungshalle und 1919 mit einem gedeckten Gang bis zu den Kaianlagen (Steubenhöft) verbunden.

Am 21. Mai 1937 wurden die HAPAG-Hallen zum Schauplatz eines Staatsaktes: 25 Opfer des Explosionsunglücks des Luftschiffes Hindenburg in Lakehurst, USA, wurden mit dem Dampfer „New York“ nach Cuxhaven überführt und hier aufgebahrt.

1953/1954 wurde das bis dahin hölzerne Steubenhöft durch eine Betonpier ersetzt und gleichzeitig ein 120 m langes Empfangsgebäude errichtet. Dabei verschwand die Skulpturengruppe des Hauptportals.

Am 15. August 1969 beendete die neue „Hanseatic“ mit ihrer letzten Fahrt im Linienverkehr nach New York die große Zeit des Transatlantik-Linienverkehrs von Cuxhaven aus.

1993 ging der Amerikahafen mit dem Steubenhöft und den HAPAG-Hallen von Hamburg an das Land Niedersachsen über. In der Folge begannen zahlreiche Renovierungsarbeiten. Am 19. August 1999 wurden nach rund 30 Jahren wieder Amerikareisende in den HAPAG-Hallen empfangen und gingen durch die originalgetreu restaurierten Gänge zu ihrem Schiff. Z.Z. wird die Anlage gelegentlich von Kreuzfahrern genutzt.

Ausstellung

Die Dauerausstellung „Abschied nach Amerika“ im Aufgang zum Restaurant „Seestern“ im ehemaligen Empfangsgebäude am Kai zeigt Reproduktionen historischer Exponate und Abbildungen aus der Geschichte des Steubenhöfts und seiner Passagiere. Teil der Ausstellung ist ein Computerterminal, an dem kostenlos (regionale) Auswanderungen in der Datenbank CUXAUS recherchiert werden können.

Eintritt: Frei

Öffnungszeiten: 9:30 Uhr – 21.00 Uhr (Sommer), 11:00 Uhr – 21:00 Uhr (Winter)

Bilder

Links

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