Slippen

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Slippen mit Slippenbrücke 2010

Als Slippen wird in Cuxhaven der Deichdurchlass am Ende der Deichstraße bezeichnet.

Allgemein

Slippen im Allgemeinen, auch Stöpe oder die Deichschart genannt, selten auch Deichgatt, sind eine Lücke im Deich als Durchlass für eine Verkehrsverbindung.

Seitlich der Durchführung sind die Deichstümpfe mit massiven Bauwerken (Mauerwerk, Beton) abgeschlossen. Bei Gefahr einer Sturmflut kann diese Deichdurchführung schnell geschlossen werden. Dieses kann durch seitlich angebrachte Schwingtore geschehen oder mittels massiver, ständig vor Ort gelagerter Holzbalken, die in senkrechte Nuten der Deichstümpfe meist doppelwandig eingelassen sind. Der Zwischenraum wird dann mit Sandsäcken verfüllt.


Cuxhavener Slippen

Zeitungsatikel 1929

Die in Cuxhaven als Slippen bezeichnete Deichschart befindet sich am nördlichen Ende der Deichstraße als Verkehrsverbindung zum Bereich Alte Liebe, Alter Hafen und durchquert den westlichen Hafenobdeich.

Nachdem sich dort bis dahin lediglich eine Deichtrift (s. u.) als Zufahrt zum Hafenbereich befand, legte man anlässlich der Eröffnung des Seebades und damit des Badewesens im Bereich der Alten Liebe und der Spülschleuse ebenfalls im Jahre 1816 eine Deichschart an, um den Badegästen den Weg zu vereinfachen. Ist für August 1899 eine Erneuerung der Durchlasses verzeichnet, so findet sich bereits 1904 eine weitere Fertigstellung.
Am 1929 wird der Durchlass komplett erneuert. Er wird aus dem für die damalige Zeit in Cuxhaven üblichen roten Klinkern gemauert und mit einer Fußgängerrampe, sowie Damen- und Herrentoilette versehen.

Im Juli 1930 wird eine Stahl-Fußgängerbrücke über die Durchfahrt aufgesetzt. Möglicherweise hat es 1939 nochmals eine Veränderung gegeben anlässlich der Verlegung des Deiches in der Deichstraße.

1986 bekommt der Slippen mit einer weiteren Grunderneuerung seine heutige Gestalt.

Aufgrund der heute vorgeschobenen Flutsperrlinie im Hafenbereich hat der Slippen seine Funktion weitgehend verloren.

Bedürfnisanstalt

Eingang und Fenster der Bedürfnisanstalt im

Der Slippen an der Deichstraße wies ab 1929 eine Besonderheit auf: Das seitliche Mauerwerk beherbergte eine Bedürfnisanstalt für Damen und Herren. Im Zusammenhang mit der durch die hamburgische Wasserbauabteilung ausgeführte Erweiterung des Cuxhavener Slippens wurden dort unter beträchtlichem Zuschuss der Stadt Cuxhaven Abortanlagen für Frauen und Männer eingebaut, die am Sonntag, dem 15. Dezember 1929 ihrer Bestimmung übergeben wurden. Bei der Inneneinrichtung wurde besonders darauf geachtet, daß die Bedürfnisanstalt nicht nur für den Hafenverkehr, sondern in den Sommermonaten auch in größerem Umfang für den Badeverkehr bestimmt war. Zum Ausbau der Anlage wurden folgende Cuxhavener Firmen hinzugezogen: Heinrich Gock für die Installationsarbeiten, Karl H. Elvers für die Isolierarbeiten, Adolph Küster für den Kunstglasurwandplattenbelag, H.Brüggemann für den Terrazzofußbodenbelag und das Gaswerk Cuxhaven für die Beheizungsanlagen.

Namensherkunft

Der Begriff Slipp oder Slippen stammt aus der niederdeutschen Sprache und bedeutet so viel wie Schleifen (Slipen). Früher war ein Slippen eine Auffahrtrampe über den Deich, über die man Heu und andere Güter über den Deich brachte.

Einzelmeinungen vermuten, dass "Slippen" eine Cuxhaven-spezifische Bezeichung ist.

Zur Begründung wird angeführt, dass sich die Deichschart seit Bestehen in direkter Nachbarschaft zur Slipanlage der Bufe-, später Mützelfeldtwerft befindet. Das Auf- oder Ablassen eines Schiffes nenne sich Slippen, früher auch Schlippen. Beide Bezeichnungen fänden sich in der Cuxhavener Literatur für den Deichdurchlass wieder. Von daher erkläre sich auch die häufig benutze Erweiterung "Am Slippen".
Nicht jedoch fänden sich diese Bezeichnungen in der geläufigen Fachliteratur für Deichdurchführungen.

Eine Eintragung aus dem Tagebuch des Cuxhavener Kaufmanns Georg Wilhelm Reye aus dem Jahre 1835: "Hohes Wasser an den Slippen". Offensichtlich spricht er hier im Plural, womit also die Slipanlagen der Werften gemeint sein müssten.

Cuxhavener Deichscharts

Eine Deichschart befindet sich im Stadtteil Duhnen als Durchfahrt für die Wattwagen nach Neuwerk.
Eine weitere Deichschart befindet sich in Sahlenburg in der Hans-Claußen-Straße, Ecke Am Sahlenburger Strand.
Des Weiteren findet sich eine Deichschart im Ortsteil Berensch.


Deichtrift

Entgegen der Deichschart gibt es auch die "Deichtrift" oder "Deichrampe". Hier handelt es sich um eine Überfahrt über den Deich, i.d.R. ausgebaut. Solche Überfahrten finden sich an der Seefahrtschule oder der Wetterwarte.

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