Gaswerk

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um 1934
Gemälde des ehem. Gaswerkes

Bereits im Jahre 1859 berät man die Möglichkeit eines Gaswerkes für die Flecken Ritzebüttel und Cuxhaven.

Gaswerk Döse

Die „Hanseatische Azetylen-Gasindustrie AG - Gaszentrale Döse“ versorgte der Gemeinden Döse und Duhnen. Das Werk befand sich am Feldweg 9 an der südlichen Badehausallee.

  • 1901, 2. Dezember, Inbetriebnahme mit Versorgung der Döser Straßenbeleuchtung.
  • 1912, 22. Januar, Übernahme durch die Stadt Cuxhaven.
  • 1913 Stilllegung, weil das Cuxhavener Gaswerk die Versorgung mit Leuchtgas übernahm.
  • 1936 Reste werden beseitigt.

Stadtgaswerk Cuxhaven

Kohlevergasungswerk am Feldweg, Ecke Am Bauhof, heute Poststraße, Ecke Werner-Kammann-Straße.

  • 23. April 1883: Beschluss der Gemeindeversammlung über den Bau eines Gaswerkes.
  • 16. September 1883: Abschluss einer Konzession zum Verkauf von „Leucht- und Heizgas“ auf 45 Jahre durch die Gemeinde Cuxhaven und dem Berliner Unternehmer Lüdecke.
  • 30. November 1883: Gründung der „Cuxhavener Gas-AG“ unter dem Vorsitzenden Arnold Peycke.
  • 20. März 1884: Baubeginn des Gaswerkes am Döser Feldweg, heute Poststraße.
  • 25. Oktober 1884: Inbetriebnahme mit Illumination verschiedener Plätze mit Gaslaternen. An der Ritzebütteler Schleuse wird ein Reichsadler erleuchtet.
  • 4. Juli 1901: Liquidation und Verkauf an die „Aktiengesellschaft für Gas und Elektrizität Köln“ verkauft.
  • 1901: Ausbau des Gaswerkes aufgrund starker Nachfrage.
  • 1905: Der Leuchtturm an der Alten Liebe wird mit Gas betrieben.
  • 22. Januar 1912: Übernahme des Döser Gasnetzes.
  • 1913 - 1915: Modernisierung, Erweiterung auf 48 Retortenöfen.
  • 1921: Bis dato Straßenbeleuchtung ausschließlich durch Gasbetrieb.
  • 1922 - 1924: Umbau auf Vertikal-Kammeröfen, Bau einer Kranbahn und eine Kokslöschanlage sowie ein zweiter Gasometer mit 5.000 m³ Fassungsvermögen werden in Betrieb genommen.
  • 1924: Bau des Verwaltungsgebäudes der Stadtwerke mit Ausstellungsraum und Ladengeschäft in der Bahnhofstraße 6 eröffnet.
  • 15. Juli 1925: Der Fischereihafen bekommt eine eigene Hochdruckleitung.
  • 1928: Beginnen Gespräche zur Übernahme des Gaswerkes durch die Stadt.
  • 1928: Nach Duhnen wird eine Hochdruckleitung verlegt.
  • 24. Dezember 1928: Groden wird an die Versorgung angeschlossen, am 29. Dezember Stickenbüttel und Wester- und Süderwisch.
  • 9. August 1929: Abschluss eines Versorgungsvertrages mit der Gemeinde Altenbruch.
  • 25. Oktober ]1929: Die Stadt Cuxhaven übernimmt nach Ablauf der Konzession der Kölner Gesellschaft das Werk als Gesellschafter bis 1933. Es wird unter Direktor Hahnl geführt als „Gaswerk Cuxhaven GmbH“.
  • 1931: Dezember, Das neu erbaute Krematorium in Brockeswalde wird mit Gas versorgt.
  • 1. Juli 1933: Dr. Hopf wird Nachfolger von Direktor Hahnl.
  • 26. Oktober 1933: Die Stadt übernimmt das Gaswerk nach Auflösung der „Cuxhavener Gaswerk GmbH“.
  • 1. November 1933: Erstmals findet der Wochenmarkt in der ehemaligen Retortenhalle des Gaswerkes, nun Markthalle, an der Ecke Poststraße / Am Bauhof (jetzt Werner Kammann-Straße) statt. Nach dem 2. Weltkrieg wird sie Parkhalle für die städtischen Müllfahrzeuge.
  • 29. März 1934: Direktor Dr. Hopf legt sein Amt nieder. Ihm folgt am 1. Mai Direktor Pusch.
  • 1. Januar 1939: Gas- und Wasserversorgung werden zusammengefasst zu „Stadtwerke Cuxhaven“.
  • 1950: Im Verwaltungsgebäude in der Bahnhofstraße wird eine Lehrküche eröffnet.
  • Um 1960: wird ein Kugelgasometer und ein neuer Löschturm errichtet.
  • 11. Februar 1964: Letzte Kohleversorgung durch die Bahn über das Gleis der ehemaligen Kanonenbahn. Danach Abriss der verbliebenen Gleisstrecke Gaswerk - Bahnhof.
  • 1968: wird die Stadt auf das neue Spaltgas-Werk in Groden, Industriestraße, umgeschaltet. Dieses wurde nicht mehr mit Kohle betrieben (Wassergas), sondern es wurde auf chemischem Wege aus Kohlenwasserstoffen und Wasser gewonnen (Spaltgas).
  • 12. März 1969: Abriss des Gaswerkes am Bauhof bis Oktober. Im September wird der Schornstein gesprengt. Das Stein- und Schottermaterial wird in der Mole des Fährhafens verwandt.
  • 10. April 1970: Erweiterung des neuen Spaltgas-Werkes in der Neuen Industriestraße.
  • 1971: September, Anschluss von Sahlenburg an das Gasnetz.
  • 1972: Verdoppelung der Vorratstanks auf 900 Tonnen Flüssiggas.
  • 1. Januar 1973: Stadtwerke Cuxhaven werden GmbH..
  • 1974: Als Lehre aus der Erdölkrise 1973, die auch auf die Grundstoffe des Flüssiggases zuschlägt, wird die Vorratstankkapazität auf 1800 Tonnen verdoppelt.
  • 1976: ab Juli wird eine Erdgasleitung von Bremerhaven nach Cuxhaven verlegt.
  • 19. Januar 1977: Anschluss Cuxhavens an das Erdgas-Verbundnetz.
  • 26. Januar 1977: offizielle Inbetriebnahme.
  • 20. November 1980: Anschluss Altenwaldes.
  • 1982: Geräteumstellung auf Erdgas.
  • 1982: Dezember - Januar 1983 wird das Gaswerk abgeschaltet.
  • 16. Dezember 2002: Der Rat der Stadt Cuxhaven beschließt den Verkauf der Stadtwerke an den EWE-Konzern
  • 30. Dezember 2002: Der Verkauf der Stadtwerke an den EWE-Konzern wird notariell beurkundet.
  • 2009: werden die Speichertanks stillgelegt und verschrottet.

Von 1884 - 1967 erzeugt das Gaswerk ungefähr 250 Millionen Kubikmeter Leuchtgas aus 500.000 Tonnen Kohle. Der Flüssiggasumsatz beträgt allein 1983 26 Mio. m³, 2003 sogar 63 Mio. m³/Jahr.

Heute befinden sich die Stadtwerke in der Humphry-Davy-Straße.

Gaswerk Cuxhaven unter Hitler

Stadtwerke in der Adolf-Hitler-Straße (Bahnhofstraße) 1933/34

Ebenso wie andere Cuxhavener Unternehmen hatten auch die Stadtwerke Cuxhaven ihren dunklen Anteil an der Aera. So wurden im Jahre 1944 nachweislich lt. einer Evakuierungsliste der Gestapo 10 ausländische Zwangsarbeiter, Russen, Polen und Franzosen, beschäftigt. Wobei zu sagen ist, andere staatliche und private Cuxhavener Unternehmen hatten bis zu 147 Gefangene. Auch ist nicht zu sagen, dass die Gefangenen hier übermäßigem Terror ausgesetzt waren. Es ging lediglich um die derzeit wohl allerorten anzutreffenden Repressalien gegenüber Ausländern: Schläge bis zu Prügel, Tritte, Arbeiten unter erschwerten Bedingungen, Essensentzug, Kälte, Doppelschichten, Ungerechtigkeiten ...

Untergebracht waren die Arbeiter u.a. in zwei Lagern: Im Ostarbeitslager an der Grodener Chaussee, etwa dort, wo sich heute Aldi befindet und im Westarbeitslager in der Verlängerung des Brockesweges. Betrieben wurden die Lager von der Stadt Cuxhaven, sowie der „Sozialgewerk e.G.“, einer Genossenschaft aus den Firmen der Stadt, welche Zwangsarbeiter beschäftigten. Strafe für zu spät im Lager erscheinen, weil die Person, ein Russe, länger arbeiten musste, ohne das dieses dem Lager mitgeteilt wurde, waren "Prügel und Arrest in einem Kasten, worin er nicht stehen und nicht liegen konnte. Außerdem bekam er nichts zu essen und musste am nächsten Tag 16 Stunden im Gaswerk arbeiten". Ein separater Aufenthaltsraum der Zwangsarbeiter durfte nicht geheizt werden, obwohl die Arbeiter bei klirrender Kälte arbeiten mussten, weil der Direktor der Stadtwerke im Nebenraum seine Kartoffeln und Steckrüben lagerte. Nachdem ein deutscher Arbeiter, Fritz Hoffmann, dennoch die Heizung anstellte, bekam er strikte Anweisung, diese umgehend wieder abzustellen. Auf Hoffmanns Einwände entgegnete der Direktor: "Wer gibt ihnen das Recht, dass Sie sich meinen Anordnungen widersetzen? Die Russen können verrecken wie die Hunde".

Während für besondere Aktionen häufig „Unterstützung“ der Gestapo in Anspruch genommen wurde, taten sich besonders der schon erwähnte Direktor des Stadtwerke, Carl Heinrich Wilhelm Reyer, sowie der Gasmeister Mirbach hervor. Reyer blieb noch bis 1958 im Amt. Zu seinem 25-jährigen Dienstjubiläum hieß es in der Lokalpresse: "... wird sich unschwer vorstellen können, welch gerüttelt Maß an Energie und Initiative dazu gehört, um in der verantwortungsvollen Position des Stadtwerkedirektors ... die Versorgung der Bevölkerung und der hiesigen Wirtschaft mit Gas und Wasser sicherzustellen".

Andererseits sei aber auch nicht vergessen der persönliche, teilweise nicht ungefährliche Einsatz von Angehörigen der Stadtwerke zum Wohle der Zwangsarbeiter; so stellvertretend erwähnt der oben genannte Fritz Hoffmann.

Nachsatz

Die letzte gasbetriebene Laterne Cuxhavens leuchtet an der Alten Wache im Schlossgarten

Bilder

Gaswerk Nordholz

Gaswerk Nordholz

Ein weiteres Gaswerk gab es von 1914 bis 1918 auf dem Gelände des Luftschiffhafens Nordholz direkt neben der heutigen Landesstraße 135. Es diente der Gasbevorratung für die Zeppeline. Nach seiner Erweiterung 1916 konnte es täglich 30.000 m³ Traggas erzeugen. Sie konnten in bombensicheren Hochdrucktanks mit einem Fassungsvermögen von 125.000 m³ zwischengelagert werden. Die letzten Gebäude des Gaswerkes sind 1939 demontiert worden.




Glossar

Wassergas ist ein Gemisch aus Wasserstoff und Kohlenmonoxid, das aus der Reaktion von Wasser mit Kohlenstoff, meist in Form von Kohle, bei 800-1000 °C erhalten wird (Kohlevergasung). Abfallprodukt der entgasten Kohle ist Koks für den Hausbrand.

Spaltgas ist ein Gemisch aus Wasserstoff und Kohlenstoffmonoxid, das aus der Reaktion von Kohlenwasserstoffen (entweder Erdgas oder Raffinerieabfälle) mit Wasser erhalten wird.

Koks: Restprodukt der Kohle nach dem thermischen Entzug von Gas. Noch gut geeignet als Brennmaterial.

Weblink

Lage des ehem. Cuxhavener Stadtgaswerkes.