Zeitball: Unterschied zwischen den Versionen
K |
|||
| (39 dazwischenliegende Versionen von 6 Benutzern werden nicht angezeigt) | |||
| Zeile 1: | Zeile 1: | ||
| − | + | [[Datei:Zeitball.jpg|Zeitgenössisches Faksimile der Zeitballsäule Cuxhaven. Links am Geländer der kleine Störungsball.|110px|right]] | |
| + | |||
| + | |||
| + | ==Geschichte== | ||
| + | Es war die Aufgabe der Kapitäne, in jedem Hafen mit dem Schiffschronometer die örtliche Sternwarte aufzusuchen, um die Abweichung der Schiffsuhr zur Greenwichzeit zu dokumentieren. Eine genaue Bordzeit war unerlässlich für eine exakte Navigation. | ||
| + | |||
| + | Der britische Kapitän Robert Wauchope (1788–1862) hatte die Aufgabe, Napoleon in die Verbannung nach St.Helena im Südatlantik zu bringen. Dort angekommen musste er den beschwerlichen Weg zu der auf einem Berg gelegenen Sternwarte antreten. Er überlegte, wie solch beschwerliche Zeitvergleiche einfacher zu gestalten seien. 1824 reichte er bei der Admiralität den Vorschlag zur Einrichtung von "Zeitbällen" ein. Ab 1829 wurde der erste Zeitball in Portsmouth getestet. 1833 folgten weitere in Greenwich und auf St. Helena, 1836 in Kapstadt. | ||
| + | |||
| + | Als erster deutscher Hafen erhielt Cuxhaven 1874 einen Zeitball. Es folgten Wilhelmshaven, Bremerhaven, Bremen, Emden, Hamburg, Kiel und Kiel-Wik, Stettin, Swinemünde und Danzigs Hafen Neufahrwasser. | ||
| + | |||
| + | Weltweit gab es etwa 160 Zeitbälle, von denen noch ca. 60 Stück existieren. Die meisten wurden in den 1920er Jahren abgerissen, nachdem ihre Aufgabe ab 1907 durch Zeitzeichensender (Deutschland 1910, Großbritannien 1924) übernommen worden war. | ||
| + | |||
| + | |||
| + | ==Cuxhavener Zeitball== | ||
| + | Am [[20. Oktober]] [[1875]] wird der von Wasserbauinspektor [[Lentz, Bernhard Hugo|Hugo Lentz]] konstruierte, auf einer 16 m hohen Zeitballsäule befindliche 8 m hohe Zeitballapparat in Betrieb genommen. Ein von einer Stange geführter Ball, bestehend aus über ein Eisengerippe gespanntem geöltem Segeltuch, von 1,5 m Durchmesser, wurde täglich um 12 h MEZ., bzw. 1 h nach Greenwich-Zeit 3 m tief fallen gelassen. Die elektrische Auslösung wurde im Telegraphenamt, dem sogenannten [[Efeuhaus]] in der heutigen [[Poststraße]] betätigt. Ab 1879 erfolgte die Betätigung durch eine Pendel-Normaluhr im neuen Telegraphenamt nahe der [[Alte Liebe|Alten Liebe]]. Die Pedeluhr wurde über eine eigene Posttelegrafenleitung mit der Uhr der Sternwarte in Hamburg-Bergedorf im 2-3-Tage-Rhytmus verglichen und mittels elektrischer Signale justiert. | ||
| + | |||
| + | Zehn Minuten vor jedem Signal zog man den Ball auf halbe, 3 Minuten vor der Zeit auf ganze Höhe. Bei Störungen wurde ein kleiner roter Ball zur halben Höhe des Gerüstes gezogen.<br/> | ||
| + | Vom [[1. April]] [[1905]] bis [[8. Juli]] [[1922]], mit Ausnahme des Ersten Weltkrieges wurde zusätzlich ein Salutschuss aus dem [[Fort Grimmerhörn]] abgegeben; der sogenannte `Klütenschuss´. | ||
| + | |||
| + | Am [[17. Mai]] [[1929]] wurde der Zeitballapparat durch ein elektrisches Lichtsignal auf der Säule ersetzt, welches um 0, 6, 12 und 18 Uhr Signal gab. Diese modernere Anlage war sogar mit den telegrafischen Zeitzeichen von Paris gekoppelt. | ||
| + | |||
| + | Aufgrund der mit fortschreitender Funksignaltechnik gesendeten Funkzeitsignale wurde die gesamte Anlage am [[16. September]] [[1934]] komplett entfernt. | ||
| + | |||
| + | Eine genaue Uhrzeit war vor dem Einsatz der Navigation in der Seefahrt wichtig für eine genaue Ortsbestimmung auf See. | ||
| + | |||
| + | Für den Zeitball bekam Lentz ein Reichspatent verliehen. | ||
| + | |||
| + | Die Position der Zeitballsäule war die Straßenkurve vor der Gastwirtschaft `Am Pier´ an der Alten Hafenkaje. | ||
| + | |||
| + | Weitere Zeitbälle standen in Wilhelmshaven, Bremerhaven, Bremen, Hamburg, Kiel, Swinemünde und (Danzig-)Neufahrwasser. | ||
| + | |||
| + | ==Bilder== | ||
| + | <gallery widths="240" heights="205" perrow="4"> | ||
| + | Datei:Zeitball-kaiserliches-telegraphenamt-1879a.JPG|Kaiserliches [[Telegraphengebäude|Telegraphenamt]] und Zeitball | ||
| + | Datei:Zeitball-vlnr-Signalstation-Zeitball-Semaphor-Sturmwarnmast.jpg|Zeitball, [[Telegraphengebäude|Signalstation]], [[Semaphor]] und [[Sturmsignal]]. | ||
| + | </gallery> | ||
| + | |||
| + | ==Signaleinrichtungen an der Alten Liebe (1914)== | ||
| + | {{Signaleinrichtungen an der Alten Liebe 1914}} | ||
| + | |||
| − | |||
| − | |||
| − | |||
[[Kategorie:Signaleinrichtung]] | [[Kategorie:Signaleinrichtung]] | ||
| + | [[Kategorie:Nautik]] | ||
Aktuelle Version vom 7. März 2026, 17:14 Uhr
Inhaltsverzeichnis
Geschichte
Es war die Aufgabe der Kapitäne, in jedem Hafen mit dem Schiffschronometer die örtliche Sternwarte aufzusuchen, um die Abweichung der Schiffsuhr zur Greenwichzeit zu dokumentieren. Eine genaue Bordzeit war unerlässlich für eine exakte Navigation.
Der britische Kapitän Robert Wauchope (1788–1862) hatte die Aufgabe, Napoleon in die Verbannung nach St.Helena im Südatlantik zu bringen. Dort angekommen musste er den beschwerlichen Weg zu der auf einem Berg gelegenen Sternwarte antreten. Er überlegte, wie solch beschwerliche Zeitvergleiche einfacher zu gestalten seien. 1824 reichte er bei der Admiralität den Vorschlag zur Einrichtung von "Zeitbällen" ein. Ab 1829 wurde der erste Zeitball in Portsmouth getestet. 1833 folgten weitere in Greenwich und auf St. Helena, 1836 in Kapstadt.
Als erster deutscher Hafen erhielt Cuxhaven 1874 einen Zeitball. Es folgten Wilhelmshaven, Bremerhaven, Bremen, Emden, Hamburg, Kiel und Kiel-Wik, Stettin, Swinemünde und Danzigs Hafen Neufahrwasser.
Weltweit gab es etwa 160 Zeitbälle, von denen noch ca. 60 Stück existieren. Die meisten wurden in den 1920er Jahren abgerissen, nachdem ihre Aufgabe ab 1907 durch Zeitzeichensender (Deutschland 1910, Großbritannien 1924) übernommen worden war.
Cuxhavener Zeitball
Am 20. Oktober 1875 wird der von Wasserbauinspektor Hugo Lentz konstruierte, auf einer 16 m hohen Zeitballsäule befindliche 8 m hohe Zeitballapparat in Betrieb genommen. Ein von einer Stange geführter Ball, bestehend aus über ein Eisengerippe gespanntem geöltem Segeltuch, von 1,5 m Durchmesser, wurde täglich um 12 h MEZ., bzw. 1 h nach Greenwich-Zeit 3 m tief fallen gelassen. Die elektrische Auslösung wurde im Telegraphenamt, dem sogenannten Efeuhaus in der heutigen Poststraße betätigt. Ab 1879 erfolgte die Betätigung durch eine Pendel-Normaluhr im neuen Telegraphenamt nahe der Alten Liebe. Die Pedeluhr wurde über eine eigene Posttelegrafenleitung mit der Uhr der Sternwarte in Hamburg-Bergedorf im 2-3-Tage-Rhytmus verglichen und mittels elektrischer Signale justiert.
Zehn Minuten vor jedem Signal zog man den Ball auf halbe, 3 Minuten vor der Zeit auf ganze Höhe. Bei Störungen wurde ein kleiner roter Ball zur halben Höhe des Gerüstes gezogen.
Vom 1. April 1905 bis 8. Juli 1922, mit Ausnahme des Ersten Weltkrieges wurde zusätzlich ein Salutschuss aus dem Fort Grimmerhörn abgegeben; der sogenannte `Klütenschuss´.
Am 17. Mai 1929 wurde der Zeitballapparat durch ein elektrisches Lichtsignal auf der Säule ersetzt, welches um 0, 6, 12 und 18 Uhr Signal gab. Diese modernere Anlage war sogar mit den telegrafischen Zeitzeichen von Paris gekoppelt.
Aufgrund der mit fortschreitender Funksignaltechnik gesendeten Funkzeitsignale wurde die gesamte Anlage am 16. September 1934 komplett entfernt.
Eine genaue Uhrzeit war vor dem Einsatz der Navigation in der Seefahrt wichtig für eine genaue Ortsbestimmung auf See.
Für den Zeitball bekam Lentz ein Reichspatent verliehen.
Die Position der Zeitballsäule war die Straßenkurve vor der Gastwirtschaft `Am Pier´ an der Alten Hafenkaje.
Weitere Zeitbälle standen in Wilhelmshaven, Bremerhaven, Bremen, Hamburg, Kiel, Swinemünde und (Danzig-)Neufahrwasser.
Bilder
Kaiserliches Telegraphenamt und Zeitball
Zeitball, Signalstation, Semaphor und Sturmsignal.
Signaleinrichtungen an der Alten Liebe (1914)
- 1 Leuchtturm
- 2 Telegraphengebäude
- 3 Zeitball
- 4 Marinesignalstation
- 5 Semaphor
- 6 Sturmsignal
- 7 Bootsleutehaus
- 8 Alte Liebe
