Kleiner Nachbar vom Höpenberg
Der „Kleine Nachbar vom Höpenberg“ ist ein bronzezeitlicher Grabhügel im Cuxhavener Ortsteil Berensch. Der archäologische Fundplatz liegt unmittelbar an der Straße zwischen Holte-Spangen und Berensch, südlich der Straße und in unmittelbarer Nähe des Höpenbergs sowie des frühmittelalterlichen Gräberfeldes Bi de Höpen.
Der Grabhügel ist als Berensch-Arensch FStNr. 29 in der archäologischen Fundstellenkartei erfasst. Seine Untersuchung und die dabei gewonnenen Erkenntnisse machen ihn zu einem eigenständigen und besonders interessanten Bestandteil der archäologischen Landschaft von Berensch.
Inhaltsverzeichnis
Lage
Der kleine Grabhügel befindet sich in einem Bereich, in dem auf engem Raum mehrere archäologische Fundplätze unterschiedlicher Zeitstellung konzentriert sind.
Westlich des untersuchten Grabhügels liegt das frühmittelalterliche Gräberfeld Bi de Höpen. Etwa 50 Meter südöstlich befindet sich der größere Höpenberg. Das digitale Geländemodell der Fundchronik zeigt außerdem Spuren von während des Zweiten Weltkriegs angelegten Laufgräben und tiefen Fahrspuren im Gelände.
Der Vorgeschichtspfad Berensch-Arensch verbindet mehrere dieser archäologischen Denkmäler und macht damit die ungewöhnliche Fundstellendichte der Landschaft sichtbar. Zu den Stationen gehören unter anderem der Höpenberg, Bi de Höpen, der Schipbarg sowie die Grabhügelgruppen Drei Berge, Fuchsberg und Goldberg.
Der Grabhügel
Der „Kleine Nachbar vom Höpenberg“ gehört ursprünglich in die Bronzezeit. Bei einer älteren Aufnahme wurde der Hügel als kleiner Rundhügel an der Holter Straße beschrieben. Er hat einen Durchmesser von etwa 7,5 Metern und ist rund 0,9 Meter hoch. Auf seiner Kuppe befindet sich eine etwa einen Meter breite und rund 30 Zentimeter tiefe Vertiefung.
Lange Zeit war damit nur ein relativ unscheinbares Bodendenkmal bekannt. Die spätere archäologische Untersuchung zeigte jedoch, dass sich unter und im Umfeld des Hügels eine wesentlich komplexere Befundgeschichte verbirgt.
Archäologische Untersuchung
Der Grabhügel wurde im Rahmen archäologischer Untersuchungen näher untersucht. Die Ergebnisse wurden zunächst in der Fundchronik Niedersachsen 2018 veröffentlicht. Dort ist der Fundplatz als „Untersuchung eines bronzezeitlichen Grabhügels in Cuxhaven-Berensch“ verzeichnet.
Die Untersuchung zeigte unter anderem, dass der Hügel in seinem Inneren erheblich gestört worden war. Im östlichen Teil wurde ein heterogenes, lockeres Sediment festgestellt, das auf einen tiefgreifenden Eingriff bis in das Zentrum des Hügels hindeutet. Die Fundchronik unterscheidet diese Eingrabung von kleineren Eintiefungen am Hügelfuß, die auf Baumwurzeln zurückgeführt werden.
Die Untersuchung beschränkte sich damit nicht auf die Frage, wann der Grabhügel angelegt wurde. Vielmehr ließ sich anhand der Befunde nachvollziehen, dass der Platz nach seiner ursprünglichen bronzezeitlichen Nutzung weitere Veränderungen und Nutzungen erfahren hat.
Ein bronzezeitlicher Grabhügel und seine Nachnutzungen
Die Bedeutung des Fundplatzes liegt insbesondere in seiner langen Geschichte. Der Grabhügel war ursprünglich Bestandteil der bronzezeitlichen Bestattungstradition. Spätere Eingriffe veränderten den Hügel und hinterließen eigene archäologische Spuren.
Uwe Kraus widmete dem Fundplatz 2023 eine ausführliche Untersuchung unter dem Titel „Der kleine Nachbar vom Höpenberg: Ein bronzezeitlicher Grabhügel in Cuxhaven-Berensch und seine Nachnutzungen“. Die Veröffentlichung erschien in den Leipziger Forschungen zur Ur- und Frühgeschichtlichen Archäologie. Bereits der Titel macht deutlich, dass nicht allein die ursprüngliche Grabanlage, sondern insbesondere ihre Nachnutzungen Gegenstand der Untersuchung sind.
Der Fundplatz ist damit ein Beispiel dafür, dass ein vorgeschichtlicher Grabhügel nicht als einmalig genutztes Denkmal betrachtet werden kann. Veränderungen des Hügels und spätere Eingriffe können Jahrhunderte oder sogar Jahrtausende nach seiner Errichtung stattgefunden haben.
Zusammenhang mit Bi de Höpen und dem Höpenberg
Der „Kleine Nachbar vom Höpenberg“ ist Teil einer außergewöhnlich dichten archäologischen Fundlandschaft.
Besonders eng ist seine Beziehung zum Fundplatz Bi de Höpen. Dieser liegt westlich des untersuchten Hügels und wird als frühmittelalterliches Gräberfeld eingeordnet. Der Fundplatz Bi de Höpen gehört damit einer wesentlich jüngeren Nutzungsphase der Landschaft an.
Der Höpenberg wiederum befindet sich nur etwa 50 Meter südöstlich des untersuchten Grabhügels. Damit liegen hier mindestens drei archäologisch bedeutsame Plätze auf engstem Raum:
- der bronzezeitliche Kleine Nachbar vom Höpenberg,
- der Höpenberg als weiterer vorgeschichtlicher Grabhügel,
- das frühmittelalterliche Gräberfeld Bi de Höpen.
Die Fundchronik von 2018 dokumentiert diese räumliche Beziehung ausdrücklich.
Der Fundplatz im Vorgeschichtspfad Berensch-Arensch
Der archäologische Reichtum der Gegend um Berensch und Arensch wird durch den Vorgeschichtspfad Berensch-Arensch erschlossen. Der 2011 eröffnete Rundweg verbindet mehrere archäologische Fundstellen miteinander.
Zu den dort erläuterten Fundplätzen gehören unter anderem der Schipbarg mit einer alten Siedlung, das Gräberfeld Bi de Höpen, die eisenzeitlichen Gräberfelder Waterpohl und Voßberg sowie die Grabhügelgruppen Drei Berge, Fuchsberg und Goldberg.
Der Kleine Nachbar vom Höpenberg verdeutlicht zusammen mit diesen Fundplätzen, dass die Landschaft um Berensch über einen sehr langen Zeitraum als Bestattungs-, Siedlungs- und Nutzungsraum diente.
Forschungsgeschichte
Die archäologische Erforschung der Fundstelle steht in einer längeren Tradition der Untersuchungen in Berensch. Bereits seit dem frühen 20. Jahrhundert wurden in der Umgebung zahlreiche Grabhügel und Gräberfelder untersucht.
Für den Kleinen Nachbarn vom Höpenberg liegen ältere Bestandsaufnahmen vor. Der Grabhügel wurde unter anderem in der Untersuchung „Grabhügel und Grabhügelgruppen in Cuxhaven“ von Anneliese Wendowski-Schünemann aus dem Jahr 2002 erfasst. Die Fundstelle steht außerdem im Zusammenhang mit älteren Forschungen von Karl Waller zu den vorgeschichtlichen und frühmittelalterlichen Gräberfeldern der Region.
Die neueren Untersuchungen führten schließlich zu einer umfassenderen wissenschaftlichen Neubewertung des Fundplatzes.
Bedeutung
Der Kleine Nachbar vom Höpenberg ist trotz seiner geringen Größe ein bedeutendes archäologisches Denkmal. Seine Bedeutung beruht weniger auf der äußeren Größe des Hügels als auf der langen und komplexen Nutzungsgeschichte des Platzes.
Die Untersuchung zeigt, dass ein zunächst unscheinbarer bronzezeitlicher Grabhügel wichtige Informationen über unterschiedliche Phasen menschlicher Nutzung der Landschaft bewahren kann. Zusammen mit dem unmittelbar benachbarten Höpenberg und dem Gräberfeld Bi de Höpen bildet er einen besonders anschaulichen Ausschnitt aus der Archäologie der Cuxhavener Geest.
Bilder
Literatur
- Kraus, Uwe: Der kleine Nachbar vom Höpenberg: Ein bronzezeitlicher Grabhügel in Cuxhaven-Berensch und seine Nachnutzungen. Leipziger Forschungen zur Ur- und Frühgeschichtlichen Archäologie, 2023.
- Fundchronik Niedersachsen 2018: „Untersuchung eines bronzezeitlichen Grabhügels in Cuxhaven-Berensch“, Berensch-Arensch FStNr. 29.
- Wendowski-Schünemann, Anneliese: Grabhügel und Grabhügelgruppen in Cuxhaven. Untersuchungen zum Bestand einer gefährdeten Denkmalgruppe. Jahrbuch der Männer vom Morgenstern 81, 2002.
- Bärenfänger, R.: Die frühmittelalterlichen Grabfunde von Berensch, Stadt Cuxhaven. Hammaburg NF 9, 1989.
- Waller, K.: Friesische Gräberfelder an der Nordseeküste. Prähistorische Zeitschrift 27, 1936.
Karte
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