Leuchtturm an der Alten Liebe

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Hamburger Leuchtturm
Widmung

Der Hamburger Leuchtturm war ein bis Mai 2001 aktives Leuchtfeuer nahe der Alten Liebe. Das Bauwerk steht auf Position 53°52'19" N - 08°42'30" E.

Die Kennung des Leuchtfeuers war wie folgt:

F WR - Festfeuer Weiß / Rot
Fl (4) 12 s - Blitzfeuer mit vier Blitzen, Wiederkehr 12 Sekunden
Oc 6 s - Unterbrochenes Feuer, Wiederkehr 6 Sekunden
Fl (5) 12 s - Blitzfeuer mit fünf Blitzen, Wiederkehr 12 Sekunden


Eine Sandsteintafel über dem Eingang trägt die Widmung:

„Nautis signum / sibi monumentum erexit / respublico hamburgensis / Ao MDCCCIII“

„Den Seefahrern zum Zeichen, sich selber zum Denkmal errichtet vom Hamburger Staat im Jahre 1803“

Leuchttürme und Leuchtfeuer galten immer schon als sehr wirksam, die Küste und die Elbmündung deutlich zu markieren, konnte man dieses Licht doch schon aus sehr großer Entfernung erkennen. So befand sich bereits im 14. Jahrhundert ein Leuchtfeuer (offenes Kohlenfeuer) auf der Insel Neuwerk, um den von See kommenden Schiffen die Insel, aber auch die nahe Elbmündung anzuzeigen.

Standen ursprünglich an der Cuxhavener Elbmündung große Baken (hohe hölzerne Gestelle), die im Sturm oft umstürzten, wurde zu Beginn des 19. Jahrhunderts ein massiver Leuchtturm aus Backstein – der Hamburger Leuchtturm – nahe der „Alten Liebe“ errichtet. Der zylindrische Backstein-Leuchtturm ist der älteste an der deutschen Nordseeküste. Er ersetzte die Große Bake und einen Leuchtenpfahl.

In diesem, aus fast einem Meter dicken Mauern bestehenden, viergeschossigen und 23 Meter hohen Leuchtturm führt eine Wendeltreppe mit 104 Treppenstufen bis zum Turmfeuer.

Die 18-eckige Laterne unter einer kupfergedeckten Haube hatte einen Durchmesser von fünf Metern und bestand aus drei übereinander liegenden Reihen von Fenstern aus planem Glas, ausgestattet durch Johann Georg Repsold. In ihrem Inneren befanden sich ursprünglich sieben so genannter Argandscher Reflektorlampen, einer speziellen Petroleumlampe mit hohlem Runddocht (Rundbrenner) und Zugrohr, betrieben mit Rüböl (Rapsöl), in aus Kupfer gefertigte und versilberte Reflektoren. Einige Jahre später wurden sie um zwei weitere ergänzt. Es gibt jedoch auch Zeitzeugen, die von 24 Lampen sprechen (s.u.).

Das Leuchtfeuer strahlte schon anfänglich so weit, dass es auf See noch aus rund sechs Kilometern Entfernung recht gut zu sehen war. Durch technische Erfindungen und Entwicklungen erfolgten immer wieder Verbesserungen des Leuchtfeuers. 1897 wechselte man die Reflektoren gegen eine so genannte Fresnel-Linsenoptik II. Ordnung aus. 1905 brannte im „Hamburger Leuchtturm“ erstmals ein Gasglühlicht, gespeist aus dem städtischen Gasnetz. Erst 1926 wurde das Leuchtfeuer elektrifiziert und leuchtete nunmehr neun Seemeilen (ungefähr 16 km) weit aufs Meer hinaus.

Hamburger Leuchtturm bei Nacht

Zur Darstellung der horizontalen Sektoren waren verschiedenfarbige Scheiben zugeordnet. Zur Darstellung der Kennung wurden Otterblenden verwand, die in bestimmtem festgelegtem Rhythmus öffneten und schlossen. Entsprechend markant war das Klappergeräusch, wenn man sich als Passant unterhalb des Turmes befand.

Weitgehend unbekannt ist das in den Jahren 1861 bis 1897 im Leuchtturm betriebene Nebenfeuer. Es war ein mit Fresnellinse versehenes Feuer, welches in sechs Metern Höhe aus einem Fenster auf der Nordseite des Turmes austrat. Es diente der Ansteuerung der Cuxhavener Reede.

1921 geht der Turm in den Besitz des Deutschen Reiches über, wird jedoch noch weiterhin von Hamburg betrieben.

Die Bedeutung des „Hamburger Leuchtturms“ bestand aber nicht nur darin, dass er als Wahrzeichen der Stadt am Hafen diente, sondern auch in seiner geographischen Position. Mit 53 Grad 5 Min. 19. Sek. nördlicher Breite und 8 Grad 42 Min. 30 Sek. östlicher Länge war er auch als Nullpunkt des ehemaligen hamburgischen Kartensystems (Vermessungskarten) im Amt Ritzebüttel verzeichnet.

Trotz seiner Außerbetriebsetzung im Mai 2001 blieb der Hamburger Leuchttum noch bis 2010 betriebslängster Leuchtturm an der deutschen Norseeküste. Danach wurde er vom Leuchtturm Neuwerk `überholt´.

Aus Reiseaufzeichnungen der Hamburger Schriftstellerin Elise Averdieck, die u.a. 1843 und 1845 in Cuxhaven weilte. Sie war u.a. eng mit dem derzeitigen Wasserbauconducteur Georg Reinhold Kerner befreundet: "Einige Tage später wird gegen Abend der Leuchtturm bestiegen. ... Das Zimmer ist rund wie der ganze Turm, und fast ringsum sieht man Fenster statt der Wände.In der Runde des Zimmers ist eine Art Gerüst, an dem vierundzwanzig große Lampen hängen. Hinter jeder Lampe ist ein unbeschreiblich glänzender Schirm von Kupfer oder Messing, noch größer als Großmutters Teebrett, so hell poliert, dass auf der Seite, wo die Abendsonne ins Zimmer scheint, die Kinder vom blendenden Glanz nicht zu den Lampen hinauf sehen können. ... Mit einem Male kommen ein paar heftige Schläge an das westliche Fenster. Die Kinder erschrecken, und der Mann im Leuchtturm sagt ihnen, dass das Vögel seien, die von dem hellen Glanz der Blenden, wie er die Lampenschirme nennt, gelockt werden, das Fenster garnicht bemerken und daher so dagegenfahren. Er erzählt ihnen, dass nachts, wenn draußen alles finster und daher der Glanz der Lampen viel bedeutender sei, die Vögel mit solcher Gewalt gegen die Fenster flögen, dass des Morgens oft sechs bis acht tot draußen auf dem Balkon lägen."

Hamburger Leuchtturm

Geschichtsdaten des Leuchtturmes

Zum Betrieb des Leuchtfeuers Cuxhaven:

  • 1805 „Argandschen Lampe“ mit Parabolspiegel als Lichtquelle
  • 1853 Einsatz einer klappengesteuerten Blinklichtkennung westlich der Kugelbake, Festlicht östlicht der Kugelbake. Dieses kennzeichnete in seiner Weiterführung eine Fahrwasserkrümmung
  • 1897 Einsatz von 2 Fresnellinsenoptiken statt Hohlspiegeln
  • 1905 Starkglühlicht mittels Leuchtgasstrumpf
  • 1905 Einsatz einer Drehblendenkennung. Eine ringförmige Vorrichtung mit schmalen senkrechten Blechstreifen wird horizontal um die Linse geführt
  • 1912 Modifizierung der Blendenanlage mit Otterblenden zur Kenntlichmachung der Bereiche neben den Leitsektoren
  • 1912 Petroleumglühlicht
  • 1924 Der Leuchtturm wird unter Denkmalschutz gestellt
  • 1926 Elektrische Kohlebogenlampe
  • 1934 Der Leuchtturm wird komplett neu ummauert.
  • 1937 Elektrisches Glühlampenlicht
  • 2001 Löschung des Leuchtfeuers

Das Leuchtfeuer ist heute nicht mehr in Betrieb und in Privatbesitz. Der „Leuchtturm Alte Liebe“ ist ein anerkanntes Baudenkmal.

Signaleinrichtungen an der Alten Liebe (1914)

Alte Liebe 1914 5509.jpg
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1 Leuchtturm
2 Telegraphengebäude
3 Zeitball
4 Marinesignalstation
5 Semaphor
6 Sturmsignal
7 Bootsleutehaus
8 Alte Liebe

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