Leuchtturm Neuwerk

Aus cuxpedia
Wechseln zu: Navigation, Suche
Leuchtturm 2006

Wann immer vom Leuchtturm Neuwerk die Rede ist, ist damit der große Steinturm gemeint, ungeachtet des kleinen Leuchtturmes. Seine Geschichte beginnt am Ende des Mittelalters und ist ebenso sturmumtobt, wie auch abenteuerlich.

Geschichte

Aufgrund der gefahrvollen, unübersichtlichen Einfahrt in die Elbmündung, was immer wieder zu Schiffsunglücken mit den zu der Zeit relativ üblichen Verlusten an Ladung und Menschenleben durch Strandraub führte, kam es im Jahre 1246 zu einer Vereinbarung zwischen dem bremischen Erzbischof Gerhard III. (1219 - 1258) und der Stadt Hamburg (und möglicherweise auch Stade, aber nicht sicher) als Hauptnutzer der Elbschifffahrt. Hierin wurde geregelt, dass der Stadt/den Städten die Hälfte der Insel O* und des Fischfangs** zusteht. Als Gegenleistung hatten die Städte einen Leuchtturm zu bauen und zu unterhalten.
(*: O = Zu der Zeit häufige Bezeichnung für Insel, auch Og oder Oog. Noch heute in Insel- oder Hallignamen zu finden: Langeoog, Wangerooge (Ostfriesland), Norderoog, Süderoog (Nordfriesland). **: Die damalige Hallig O, später Neuwerk, war seit dem Mittelalter Anlande- und Umschlagplatz für Fisch, hier besonders Heringe).

Nachdem im Jahre 1284 die Insel wieder unter bremischer Verwaltung stand (Ursache unbekannt), kam es zu einer zweiten Vereinbarung im Jahre 1286 zwischen den Städten Bremen, Stade und Hamburg, sowie dem Sachsenherzog Albrecht und dessen Neffen als Landesherren von Hadeln. Hier wurde am 14. April neben Regelungen bei Schiffbruch und gegen Strandräuberei erneut vereinbart, "ein beständiges Zeichen am genannten Orte (zu) erbauen mit beständigem Lichte ohne Kosten des Landesherren, damit die Segelnden Tag und Nacht Kunde von diesem Orte haben möchten".
Hieraus steht zu vermuten, dass der Vertrag von 1246 kein Ergebnis zeitigte. Wann der aus dem zweiten Vertrag resultierende Turmbau und -betrieb stattfand, möglicherweise in Form einer Blüse, ist nicht belegt. Seine Entstehung wird zwischen 1296 und 1299 gelegen haben. So gibt es einerseits eine Urkunde von 1296, in der Papst Bonifacius VIII das Wirken der Hamburger für die Bergung und Beherbergung Schiffbrüchiger und ihrer Waren lobt. Dieses war aber nur im Turm möglich. Außerdem wird den Wachsoldaten der Turmbesatzung von ihm ein tragbarer Altar zugestanden.
Wahrscheinlicher scheint andererseits eine zweite Variante. Eine Urkunde von 1299 gibt Auskunft, dass den Hamburgern zugestanden wird, Felssteine aus dem Hadeler Gebiet zu verwenden, also der Turm zu der Zeit beabsichtigt oder im Bau war. Vermutlich war der Turm dann gegen 1310 fertiggestellt, da zu der Zeit der erste Hamburger Hauptmann und Ratsmitglied Gerhard von Cöln das Kommando mit einer 10-köpfigen Wachmannschaft übernimmt. Zur Sicherung der Finanzierung werden nutznießende Handelsstädte, wie Stade oder Lübeck, an den Baukosten beteiligt. Gesichert ist nur, dass im Jahre 1372 oder 1379 Holzturm und die dazugehörige Burg vermutlich durch Unachtsamkeit der Mannschaft niederbrannten, woraus zu schließen ist, dass es sich um einen Holzturm auf einem Steinsockel gehandelt haben könnte. " ... Um diese Zeit 1379 verbrannte der Turm zum Newenwerke, der merenteils aus Holzwerk gebaut war."
Folge davon war der Entschluss Hamburgs, den Turm ganz aus Stein zu erbauen. Dieses führte zum Bau in der noch heute vorhandenen Form: Ein Unterbau aus Felsgestein auf einem kreuzweise verlegten Holzlager aus 30 cm starken Balken, komplett 3 Meter tief im Erdboden. Oben ein massiver Rot-Backstein-Oberbau im Klosterformat. Die Bauform des Turmes könnte lt. Waller vom französischen Donjon-Wohnturm abgeleitet sein, ebenso wie der Ritzebütteler Turm. Die beiden untersten Etagen bestehen aus dreischiffigem Kreuzgewölbe, romanisch. Sie dienten als Warenlager für havarierte Schiffe. Darüber der 4-etagige Wohntrakt mit Holzdecken. Die Gewölbesäle waren früher nicht von außen zu betreten, sodass sich der eigentliche Turmzugang in 8 m Höhe befand. Zur ständigen Trinkwasserversorgung auch bei Belagerung befand sich im Turm ein Behälter, der sog. Wasserstock, der vom Dach her mit Regenwasser versorgt wurde.

Zu sagen ist noch, dass das Datum des Erbauens des Steinturmes nicht mit letzter Bestimmtheit festzulegen ist, wie bei vielen Daten aus der Geschichte, da verschiedene Autoren hier verschiedene Daten zugrunde legen. So geht z.B. Obst von nach 1372 aus, andere von 1299 - 1310 als Bauzeit. Fraglich ist nur: Konnte der Turm ohne ein 1372 ausgebranntes Holzskelett überleben, auch wenn lt. Aussage noch im gleichen Jahr die Reparaturarbeiten abgeschlossen gewesen sein sollen.

Zu der Zeit war der Turm erster Seeturm in der Deutschen Bucht, gefolgt von Borkum (1576) und Wangerooge (1601); lediglich als Seezeichen, hier aber auch als Schutzturm zu verstehen. Geht man einmal von einer Zahl zu der Zeit von 5.000 - 7.000 Hamburger Einwohnern aus, dann lässt sich die Leistung des Bauwerkes ermessen, für das jedes Bauteil, jeder Stein, per Schiff auf die Insel verbracht und viele male umgeladen werden musste.

Aufgrund der Mächtigkeit und seiner Präsenz auf dem kleinen Eiland wandelte sich folglich der Name der Insel von `O´ über `Nige O´ (lat. `Nova O´ (häufig in Seekarten zu finden)) zu `Nige Wark´ für Neues Werk. Daraus wurde dann im Hochdeutschen `Neuwerk´.

Nach seiner Fertigstellung in Ganz-Steinform hat der Turm nicht mehr viele Änderungen erfahren.

  • 1315 schließt Hamburg einen Vertrag mit Wolderich Lappe, in dem er verpflichtet wird gegen einen Jahressalert von 10 Mark die Insel und den Turm zu schützen.
  • 1386 wird im Turm gegen die Brüder Wilken und Wolder Lappe zu Gericht gesessen.
  • Lt. Erich von Lehe werden erst ab 1388 auf dem Turm Messen für die Wachen und Bewohner gelesen und 1390 ein tragbarer Altar aufgestellt. Auch hier wieder differierende Aussagen der Autoren. Eine dritte Aussage datiert den tragbaren Altar auf 1321.
  • 1391 erteilt Papst Bonifacius IX Erlaubnis, dass auch den Neuwerker Einwohnern die Messe am Tragaltar gelesen werden darf.
  • Am 22. Februar 1431 wird Neuwerk von Dithmarschern überfallen und geplündert, die Häuser angezündet. Der Turm kann gehalten werden.
  • 1474 wird das Bleidach gegen ein Kupferdach ausgetauscht.
  • Am 16. August 1536 wird der Turmhauptmann Berend Bräseke hingerichtet, weil er mit drei Mann ein Stader Schiff auf der Neuwerker Reede überfallen, ausgeraubt und deren Mannschaft getötet hat.
  • 1601 besucht Herzog Franz von Sachsen-Lauenburg mit Gemahlin die Insel und den Turm.
  • Am 30. Juli 1626 wird die Insel von Dänemark durch Markgraf Christian Wilhelm von Brandenburg mit 800 Mann gebrandschatzt. Wieder bleibt einzig der Turm bestehen. Am 22. August treffen 42 Schiffe mit 2000 Mann zur Befreiung ein.
  • 1628 ein weiterer Angriff durch Tilly. Wiederum besteht der Turm.
  • Seit 1644 ist auf Neuwerk eine Feuerblüse in Betrieb. Es ist nicht klar, ob der Turm zu der Zeit oder danach noch als Feuerturm diente.
  • Am 7. Oktober 1756 reißt ein Sturm 1300 Ziegel vom Dach. Offensichtlich muss das Kupferdach irgendwann gegen ein Ziegeldach ausgetauscht worden sein.
  • 1773 Besuch durch den Göttinger Professor G. C. Lichtenberg, der auf der Reise nach Helgoland vor Neuwerk notankern muss.
  • Am 24. Juni 1813 kann durch den Einspruch des Maires de Sars die Sprengung des Turmes aufgrund eines Befehles des französischen Kommandanten Davoúst verhindert werden.


  • 1814 dann tritt der Turm in eine neue Phase ein: Am 20. Dezember geht das von J. P. Repsold gebaute und eingerichtere Laternenfeuer in Betrieb. Dazu musste das Walmdach mit einer Laterne mit Abzugsrohr versehen werden. Damit war der bisherige See- und Wehrturm erstmalig zum Leuchtturm avanciert. Nebenher brannte aber noch bis zur Inbetriebnahme des kleinen Leuchtturmes 1815 die Blüse als Seezeichen. Beide zusammen zeigten als Richtfeuerstrecke die Passage über den Vogelsandsteert an. Zum Betrieb beider Türme werden je zwei Leuchtturmwärter auf Nebenverdienst eingestellt.
  • 1842 Besuch durch Hoffmann von Fallersleben.
  • 1862 wird die Leuchteinrichtung mit einer Fresnel-Gürtellinse versehen.
  • 1883 Festanstellung und Beamtung der Lampenwärter.
  • 1892 Löschung des Lichtes von 15. Mai bis 5. September und Umbau des Leuchtapparates. Installation einer Fresnel-Gürtellinse 2. Ordnung und einer 5-dochtigen Petroleumlampe.
  • 1908 wird eine Kennungs-Lichttaktung mittels Otterblenden installiert.
  • 1909 Umbau der Lampe zu einem Petroleum-Glühlicht mit Glühstrumpf.
  • Um 1911 wird für 17.000 RM das Außenmauerwerk des Turmes komplett neu überarbeitet.
  • 1925 wird auf dem Vorwerksgelände ein Schullandheim erbaut, nachdem Hamburger Schulkinder zuvor im Turm untergebracht worden waren.
  • 1926 o. 1929 Das Turmlicht wird auf Elektrizität umgerüstet und zunächst von einen Windgenerator betrieben.
  • 1931 Nur noch ein Leuchtturmwärter.
  • 1942 fester Anschluss an Elektrizität.
  • 1946 wird auf dem Turm eine Vogelschutzstelle der Vogelwarte Helgoland eingerichtet.
  • 1949 wird eine Propangas-Ersatzbeleuchtung mit automatischer Umstellung installiert.
  • Im April 1949 wird im oberen Gewölbe des Turmes die Turmschänke eingerichtet.
  • 1951/52 wird die Turmtreppe bis zum Erdboden verlängert. Es wird ein Fenster zur Turmschänke in das Gemäuer gebrochen.
  • 1971 Anschluss an die Fernüberwachung. Damit endet der Dienst des letzten Leuchtturmwärters Günter Rose.

Leuchteinrichtung

Das von Repsold 1814 gebaute Reverberen-Leuchtwerk besteht aus 21 ringförmig angeordneten Parabolspiegeln mit Argand-Lampen innerhalb einer ebenfalls von ihm gebauten kupfernen Laterne mit Rauchabzug und, im Gegensatz zur Cuxhavener Laterne, versetzten Scheibenreihen. Eine baugleiche Laterne befand sich auf dem kleinen Neuwerker Leuchtturm. Betrieben wird das Licht mit Rüböl, ab 1870 mit Petroleum, ab 1942 fest mit Elektrizität.

Daten

  • Linsendurchmesser: 140 cm
  • Linsenhöhe nach See: 206 cm
  • Aufteilung: 37 prismatische Ringe
  • Signalfarben und Tragweite des weißen Lichtes: weiß/16 Sm/28 km, rot/11 Sm/20 km, grün/12 Sm/20 km
  • übrige Linsenhöhe: 97 cm
  • Brennweite: 700 mm
  • Aufteilung: 17 prismatische Ringe

Turmdaten

  • Wurthöhe: 5m
  • Mauerstärke: 2,80 m
  • Turmhöhe: 39 m über Mittelwasser
  • Lichthöhe: 38 m über Mittelwasser
  • Signalart: Quermarkenfeuer

Nachsatz

Sollte das Leuchtfeuer des Turmes im Jahre 2011 noch in Betrieb sein, so wird er den Cuxhavener Leuchtturm überholt und damit die längste Betriebszeit der deutschen Leuchttürme an der Nordsee haben. Die Auszeichnung für den ältesten noch in Betrieb befindlichen Leuchtturm, sowie das älteste noch erhalten deutsche Seezeichen hat er bereits inne. Zudem ist er nach der Sinstorfer Kirche das zweitälteste Hamburger Gebäude und Hamburgs einziger erhaltener Festungsbau.

Seit einigen Jahren kann in dem Turm übernachtet werden.

Bilder


Karte

Die Karte wird geladen …