Neufeld

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Das Neufeld war ein durch günstige Strömungsverhältnisse der Elbe entstandener Landanwachs.

Um 1600 reichte der Landanwachs von Döse bis Altenbruch. Das Ufer der Elbe verlief weit nördlich des heutigen Ufers (ca. 2 km). Der Anwachs westlich des Cuxhavener Hafenpriels wurde als Döser Neufeld bezeichnet, der sich bis zur Schleuse erstreckende Teil östlich des Cuxhavener Hafenpriels wurde Grodener Neufeld genannt.

Durch Sturmfluten und Stromverlagerung der Elbe in südliche Richtung ging der größte Teil des Landes (ca. 90 %) bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts wieder verloren.

Deichverluste im Neufeld

Geschichte

Bis zum Beginn der Neuzeit wurde vom Hamburgischen Amt Ritzebüttel der auf Hadeler Gebiet gelegene Altenbrucher Hafen als Handelshafen genutzt, da ein möglicher Hafen am heutigen Schleusenpriel wegen starker Versandung nicht schiffbar war für Lastschiffe.

1567 Der Erzbischof von Bremen untersagt den Hadelern, Korn nach Hamburg zu liefern, da es einen Streit zwischen dem Bremer Erzbischof und der Stadt Hamburg gibt. Da das aber für den Bierbrau gebraucht wird, beschließt Hamburg, den Ritzebüttler Außendeichsanwachs an der Elbe einzudeichen, um dort Korn anzubauen. Daraus folgt 1568/69 der Bau des `Nye Dik´ vor dem ´Olen Diek´ (Alter Hadeler Seebandsdeich) mit westlichem Obdeich und altem Deich entlang der Schillerstraße bis etwa Bernhardstraße). Dieser neue Deich verläuft ab der Kugelbake in einem weiten Bogen ca. 2 km vor der Alten Liebe entlang und schließt knapp vor der Altenbrucher Braake wieder an den alten Deich an. Da Ritzebüttel als Hamburger Exklave im ansonsten bremischen Hadeln für den Transport nun nicht mehr auf den Altenbrucher Hafen zugreifen kann, wird gleichzeitig ein Hafen für den Korntransport angelegt. Diese neue Hafen liegt vermutlich im Mündungsgebiet des Schleusenpriels, also ebenfalls ca. 2 km vor der heutigen Alten Liebe. So ist es auf auf einer Karte aus dem Jahre 1619 dargestellt. Außerdem würde der vorgelagerte Deich auch die freie Durchfahrt erschweren, da hier eine Schleuse bestanden haben muss.
Dieses alles geschah gegen den Willen der Bauernschaft, vor allem der Grodener. So klagten sie gegen den Rat der Stadt Hamburg und erwirkten sogar ein Kaiserliches Verbot, das sog. `Inhibitionsmandat´. Doch Hamburg ließ sich nicht beirren, weder von einer von den Grodenern eingereichten `Attentatsklage´ noch von der Anwendung von Gewalt, für die Hamburg Landsknechte anwarb. 1571 endete der Streit dann mit einem Vergleich.

1570, am 1./2. November, also noch im Jahr der Fertigstellung, reißt die 48 Stunden andauernde 4. Allerheiligenflut den neuen, noch nicht hinreichend gesetzten Deich vor Groden erheblich ein. Eine Wiederherstellung ist nicht geschehen. Vermutlich scheute Hambung die nicht unerheblichen Kosten eines weitgehend neu zu errichtenden Deiches. Dazu hatte es erheblichen Streit mit den Grodener Bauern gegeben, die sich vehement gegen den Bau des Deiches wehrten, bis hin zum Verbot durch den Kaiser. Dieses und auch das Vorgehen der Grodener mit Gewalt hatte Hamburg nicht vom Bau abgehalten.

Zu dieser Zeit wird auch erstmalig der Kuckshaven, also Koogshafen, bei der Rossbake erwähnt.

1618 erfolgt der Bau einen neuen Deiches, knapp innerhalb des Deiches von 1569, evtl. unter Ausnutzung des Bestehenden. Ebenso erfolgt ein Ausbau des Ritzebüttler Hafens, möglicherweise an gleicher Position im Außenbereich des Kooges (siehe o.a. Karte von 1619?). Erst jetzt spricht man von Neufelder Deich.
Das Kooggebiet, das `Neufeld´, ist in Siedlerparzellen aufgeteilt, die dafür die Kosten des neuen Deiches zu tragen haben. Jeder dieser Partizipanten hat direkt am Hafen eine weitere kleine Parzelle eingetragen. Für diese Tatsache gibt es zurzeit keine Erklärung.
Bauherr des Deiches ist der Hamburger Amtmann Schaffhausen (im Auftrage der Stadt Hamburg). Dieser neue Deich wird lt. Inschrift eines Dankpokals der neuen Siedler in drei Monaten gelegt.
Ausführender Bauleiter mag u.U. Johann Claußen Coott, genannt Rollwagen, gewesen sein, da eine der Parzellen auf den Namen Rollwagen & Consorten eingetragen ist. Dieser aus den Niederlanden stammende Deichbauingenieur und Generaldeichgraf hatte 1610 erstmals im Deichbau Schubkarren für den Lehmtransport eingesetzt. Bis dahin wurde dieser auf der Schulter oder mit Zweimanntragen transportiert. Diese Neuerung brachte dem Erbauer vieler Deiche den Namen Rollwagen ein.

Leider kam dieser neue Deich zu spät. Die Elbe hatte bereits begonnen, sich südlich zu verlagern. Dazu kamen Probleme mit dem Deich. So ist die extrem kurze Bauzeit von drei Monaten bemerkenswert, was sich u.U. auf die Qualität ausgewirkt haben mag. Vermutlich wird man auch das Material für den Deich im Vordeichgelände gewonnen haben, was ohnehin den Landabbau beschleunigt und den Deichfuß gefährdet. Desweiteren gibt es eine Klageschrift aus dem Jahre 1621 an den Rat in Hamburg, demzufolge der Amtmann seine Schweine, Kühe und sein übriges Vieh deichgefährdend weiden ließ, wobei der Deich und das Vorland erhebliche Schäden erlitt.

1625, am 26. Februar, reißt die Fastnachtsflut, eine Eisflut, die Hälfte des neuen Deiches weg. Darauf folgend werden am 20./21.März, also knapp vier Wochen später, vier Gehöfte weggeschwemmt, während die Bewohner sämtlich überleben. Damit wird für fast 100 Jahre eine Folge von aufgelassenen Gehöften, ertrunkenen Menschen und Tieren und Deich-Rückverlegungen eingeleitet, da die Elbe begonnen hat, sich wieder zunehmend südlich zu verlegen. Dieses führt nahezu zum Verlust des gesamten gewonnenen Landes.

Während Hamburg sehr bedacht war, das Gebiet einzudeichen und vor allem einen vorgelagerten Schutzhafen zu haben, war es dann allerdings bei der Erhaltung weitaus zurückhaltender. Das mag sich sicherlich erklären lassen durch den andauernden 30-jährigen Krieg, durch Auseinandersetzungen mit den Dänen und mit Belastungen durch die Kirchenkämpfe der Reformationsunruhen. So konnte es angehen, dass auf Döser Seite, welches Hamburger Landbesitz war, nicht sonderlich `kämpferisch´ gegen den Landraub der Elbe vorgegangen wurde. Versuchte man zunächst über Jahre, den Deich zu retten, so wurde 1649 noch mit einer Rückverlegung des Deiches um 300 m geantwortet. Doch bereits 1653 gab man auch diesen und den gesamten Landgewinn komplett auf und zog sich auf die alte Linie von 1530 zurück. Sie verlief vom Seepavillon in gerader Linie zum Südwestende des Kugelbakehafens. Doch schon bald wurde auch dieser von der Elbe angegriffen, so dass er zwischen 1657 und 1667 dreimal verstärkt werden musste, um ihn dann im selben Jahr doch aufgeben zu müssen. Nach vergeblichen Versuchen in den Jahren 1670/71/72 und 1678, die Linie zu halten, wurde er dann 1701/02, 1718/19 und 1730 stückweise zurückverlegt auf eine neue Deichlinie zwischen `Hus op´n Diek´und dem Deichknick oberhalb des Forts Kugelbake. Doch schon 1744 bekam er sein letztgültiges, heutiges Ausssehen mit der Ausdeichung der Grimmershörnbucht. In einem Reisebericht aus dem Jahre 1788 ist zu lesen:

"Man sagte mir, es lebe noch jetzo eine alte Frau, die in ihrer Jugend auf einem Hofe gedient habe, der außerhalb der Kugelbake gestanden habe, und also nun in der Elbe liegt".
Ehemalige Grodener Pütten im Grodener Neufeld

Dramatischer verlief es auf der Grodener Ostseite. Dafür wurde hier aber auch vehementer gekämpft, da die Grodener Seite den freien Grodener Bauern gehörte, die erheblich reicher waren als die Döser auf dem Hamburger Pachtland. Hier kam es zu 16 Deich-Rückverlegungen in den Jahren: 1651, 1652, 1653, 1654, 1656/57, 1658, 1679, 1680, 1681, 1693, 1698 (Hier wurden mehrere Häuser und Gehöfte ausgedeicht, die 1697 in einer Sturmflut mit mehreren Menschen untergegangen sind.), 1715, 1719, 1727, 1745 und 1785.

Von ehemals 916 Morgen verblieben noch 100.

Heute beherbergt das verbliebene, also ausschließlich Grodener Neufeld Häfen, Hafenbetriebe, Fischindustrie, sowie neuerdings offshore-Hersteller. Ein restlicher Teil in Richtung Altenbrucher Hafen ist weitgehend Grünland.